Bedingungsloses Grundeinkommen
BGE: Am Ende eine Dystopie

Das BGE ist unsozial und wider die menschliche Natur. Am Ende dieser „Vision“ steht die Dystopie einer in zwei verfestigte Klassen gespaltenen Gesellschaft.

Eine der größten, nicht immer präsentesten, aber dennoch grundlegendsten Streitfragen des linken Spektrums ist die Frage nach dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Seine Befürworter, nicht selten aus dem eher grünen und links- bis schlicht neoliberalen – und weniger aus dem orthodox-linken – Milieu kommend, argumentieren dabei gerne von einem humanitären und zugleich utopistischen Standpunkt aus, demzufolge eine Gesellschaft den Zwang zur Arbeit grundsätzlich ablegen müsse, um echte Humanität zu erreichen. Damit einher geht letztlich die – erstaunliche – Prämisse, dass Arbeit über ihre verbindliche Natur etwas Inhumanes an sich habe. Deutlich wird hierbei, an welchen Stellen die Postmoderne die politische Linke erreicht hat: Der Drang nach Abschaffung von Verbindlichkeiten macht auch vor der Arbeit als solcher nicht halt.

Wie zutiefst unsozial diese Prämisse im Kern ist, scheint dabei, abermals erstaunlicherweise, kontinuierlich ausgeblendet zu werden: Das Zurückweisen der Verbindlichkeit durch den einen bedeutet immerhin doppelte Verbindlichkeit für den anderen, der das Fehlen von Arbeitskraft wird kompensieren müssen. Doch dieser Gedanke läuft auf eine eher makrosoziologische – wenn nicht gar volkswirtschaftliche – Betrachtung des Themas hinaus, um die es in diesem Rahmen nicht gehen soll – und die für eine konsequente Ablehnung des BGE auch gar nicht notwendig ist.

Weg in die Apathie

Entscheidende Argumente gegen das BGE lassen sich viel früher finden. Eine sorgfältige und wissenschaftshistorisch informierte soziologische Perspektive auf die Mikro-Ebene liefert bereits Hinweise darauf, wie unsozial und zugleich inhuman die Zurückweisung der Arbeit als solcher, die in der politischen Befürwortung des BGE letztendlich zum Ausdruck kommt, wirklich ist.

Bereits in der legendären Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel (1933), die quasi den Beginn der empirischen Sozialforschung darstellte, wurde in beeindruckender Präzision festgehalten, wohin lang andauernde Arbeitslosigkeit führt: Resignation, Passivität, Lethargie. Zustände also, die, psychologisch weitergedacht, mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Depression enden, sofern es nicht durch maßgebliche andere, „psychohygienische“ Faktoren kompensiert werden kann.

Nun gibt es – dieses absehbare Gegenargument nehmen wir an dieser Stelle vorweg – natürlich einen massiven Unterschied zwischen finanziell kritischer Langzeitarbeitslosigkeit in einem österreichischen Dorf Anfang der 30er Jahre einerseits und einem utopischen Zustand bezahlten Nicht-Arbeitens im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts andererseits. Finanzielle, sozioökonomische Nöte treiben Menschen in der Tat zunächst in die Apathie, da sie es ihnen ermöglicht, in einem Zustand möglichst geringer emotionaler Involvierung einfach zu „ertragen“ – gewissermaßen innere Mauern zu errichten, die sowohl die absehbaren Ängste fernhalten als aber eben auch positive Gefühle. Wut und Aggression, also die tragenden Emotionen jeder Revolution, erwachsen eben erst aus der Wahrnehmung einer „relativen Benachteiligung“. Will heißen: Wütend wird man erst, wenn man in sozioökonomischen Nöten ist und zugleich beobachten muss, wie andere es nicht sind, wie andere im Wohlstand leben, man selbst aber nicht. Die Relation, der Vergleich kreiert die Beobachtbarkeit und damit erst die Benachteiligungswahrnehmung.

Wir wollen gebraucht werden

Wer jedoch meint, Apathie, Lethargie und Depression infolge von Langzeitarbeitslosigkeit ergäben sich einzig und allein aus der damit – auch heute noch – verbundenen sozioökonomischen Not, der gibt sich einer Illusion hin, die jeder sozialpsychologischen Erkenntnis zuwiderläuft. Denn: Die Wahrnehmung, gebraucht zu werden, in seiner sozialen Existenz einen Zweck zu erfüllen, eine soziale Funktion für die Gemeinschaft einzunehmen, ist immer noch und auch weiterhin ein unauslöschliches Grundbedürfnis eines jeden Menschen – Eremiten und „Aussteiger“ vielleicht einmal ausgenommen.

Das, was wir gemeinhin als „Selbstwertgefühl“ bezeichnen, hat stets mehrere Dimensionen. So ist dieses natürlich primär abhängig von erlebten Gefühlen wie Liebe, Zuneigung, Freundschaft etc., die über die Familie, Liebesbeziehungen und Freundschaften kommuniziert werden. Doch auch diese werden stets nur dadurch erlebt, dass der Eindruck gespiegelt wird, dem anderen etwas „gegeben“ zu haben. Menschen sind deswegen soziale Wesen, weil sie dadurch spüren, dass sie jemandem etwas wert sind, dass sie in ihrer Existenz für andere unverzichtbar sind. Diese Wahrnehmung wird zwar primär in den oben genannten sozialen Systemen des Privatlebens vermittelt, aber bereits direkt danach über das soziale System „Arbeitsplatz“.

Dessen Macht ergibt sich dabei über seine Mehrdimensionalität: Wer arbeitet, erlebt Zufriedenheit idealerweise in gleich mehreren Hinsichten. Man arbeitet in dem Wissen, der Gesellschaft etwas gegeben zu haben wie auch in jenem, mit den Kollegen mitgehalten zu haben, auch kleineren sozialen Einheiten, also etwa dem Betrieb, einen unverzichtbaren Dienst erwiesen zu haben, den dieser nicht ohne Grund ent- und dadurch belohnt. Irgendwann kommt womöglich das Wissen hinzu, damit sogar zur Ernährung seiner Familie und damit zur Aufrechterhaltung eines weiteren sozialen Systems beigetragen zu haben.

Gewiss: Wir reden hier über Idealformen, die längst nicht immer erfüllt und auf diese, positive Art und Weise gelebt werden können. Wenn dies der Fall ist, so resultiert dies aber nicht aus der Arbeit als solcher, sondern vielmehr aus der Entfremdung der Arbeit, die aus neoliberalen Strukturen herrührt, die die Prioritäten verschiebt – vom Arbeitenden weg und hin zum Kapital. Das beschriebene Grundbedürfnis des Menschen nach Selbstwertgefühl durch Arbeit negiert dies jedoch ganz gewiss nicht. Arbeit als sozialer Vorgang ist in diesem Zusammenhang schlicht unersetzlich.

Wer diesen Zusammenhang negiert – sei es nun nur für sich persönlich oder gar gesamtgesellschaftlich – der hat entweder gute temporäre Kompensationsmechanismen gefunden (wie bspw. ehrenamtliche Tätigkeiten, die in psychologischer Hinsicht zeitweilige Substitute bilden können, aber schwerlich eine gesellschaftsweite Lösung für die Problematik bieten) oder reduziert kognitive Dissonanzen (anders gesagt: macht sich etwas vor). Es bleibt jedoch dabei: Das BGE als politisches Instrument würde den psychosozialen Grundbedürfnissen des Menschen zutiefst zuwiderlaufen.

Kapitalformen nach Bourdieu

Dies gilt umso mehr, als dass wir mit der oben beschriebenen Problematik nur die primäre Dimension dessen berührt haben, was die widernatürlichen Aspekte des BGE ausmacht. Wer seinen Bourdieu richtig gelesen hat, der stößt schnell auch auf die sekundäre, aber durch ihre Macht nicht weniger relevante Dimension. So dient Arbeit nämlich nicht nur der Spiegelung des eigenen Selbstwerts neben den Instanzen Familie, Liebesbeziehung und Freundeskreis, sondern ist oft genug auch jener soziale Raum, aus dem diese drei letztgenannten Instanzen „rekrutiert“ werden! Wo es an Arbeit fehlt, da kommt es in der Regel auch allzu häufig zu sozialer Isolation, Einsamkeit und dadurch – wiederum – Depression. Eine Entwicklung, die mit dem BGE abermals weiter forciert würde.

Denn – und hier tritt die immer wieder äußerst instruktive Unterscheidung der Kapitalformen nach Pierre Bourdieu zutage – ökonomisches Kapital (welches das BGE über den Geldfluss stärken würde) ersetzt eben weder das soziale noch das kulturelle oder das symbolische Kapital. Im Gegenteil: Das BGE würde diese für die menschliche Bedürfnisbefriedigung voneinander untrennbaren Kapitalformen sogar künstlich auseinanderdividieren, indem es ökonomisches Kapital fließen ließe, aber durch die Entkopplung von der Arbeit die übrigen Kapitalformen gezielt davon trennt, was letzten Endes dann eben auch für den Einzelnen darin münden würde, dass seine Chancen auf Vermehrung seines sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitals sinken. Anders gesagt: Das BGE läuft nicht nur der menschlichen Natur und ihren Grundbedürfnissen zuwider, sondern schadet dem Menschen und dem sozialen Miteinander, indem es soziale Ungleichheit verstärkt.

Zur Erläuterung des Bourdieu-Modells: Unter sozialem Kapital verstehen wir den Wert sozialer Beziehungen, über die Menschen verfügen, und über die sie die Möglichkeit erlangen, sozial aufzusteigen bzw. sozialen Abstieg zu verhindern. Beginnend mit der Familie, die über die Sozialisation die entscheidenden Prämissen für die soziale Position eines Menschen setzt (etwa auch, indem sie dem Kind überhaupt erst vor Augen führt, welche Relevanz diese eigentlich hat, was dann wiederum seinen Ehrgeiz formt, diese zu erhalten oder zu stärken) bis hin zu sozialen Netzwerken – Freunden und Bekannten – welche einem „Connections“ / „Vitamin B“ verschaffen, Vorbildwirkung über das „richtige Umfeld“ usw. usf. Das soziale Kapital ist ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen eines Menschen, sowohl in psychosozialer als auch letztlich in sozioökonomischer Hinsicht. Das BGE würde es vom ökonomischen Kapital trennen, indem über das Wegfallen der Verbindlichkeit „Arbeit“ die Rekrutierung des sozialen Kapitals massiv leiden würde. Die möglichen Folgen dessen wurden oben hinreichend beschrieben.

Weiter geht es beim kulturellen Kapital, worunter nicht zuletzt Aspekte der Bildung zu verstehen sind: Bildungstitel genauso wie auch „Skills“, welche man über Bildung erlangt hat, sowie Fähigkeiten, die über die Sozialisation erworben wurden. Nun würde das BGE zwar nicht zwingend die Institutionen Schule, Hochschule und berufliche Bildung aushebeln, wohl aber das Motiv, im Rahmen dieser etwas zu erreichen, um hinterher davon auf dem Arbeitsmarkt zu profitieren.

Denkt man ferner das BGE über mehrere Generationen weiter, würde unweigerlich ein negativer Effekt auch in Sachen Sozialisation eintreten, denn wo kein Bedarf nach Arbeit mehr ist, da ist auch keine Notwendigkeit, nach Fähigkeiten für diese zu streben und seinem Kind diese zu vermitteln. Heißt: Das BGE würde den sozialen Graben zwischen jenen, die arbeiten und jenen, die es nicht tun, auch über Generationen hinweg massiv verschärfen und die Kinder der letzteren gegenüber den Kindern der ersteren buchstäblich unaufhebbar benachteiligen, indem es Sozialisationsunterschiede über Generationen zementiert. Die soziale Ungleichheit würde verfestigt; die ohnehin schon große Wirkungsmacht des sozialen Kapitals („In welche Familie wurde man hineingeboren?“) würde nochmals verstärkt werden.

Leiden würde auch das symbolische Kapital, unter das man die Wirkungsmacht von Prestige und sozialer Ankerkennung fassen kann, die sich mal mehr, mal weniger subtil, etwa auch über den Habitus, auf den sozialen Auf- und Abstieg von Menschen auswirken (man denke hier etwa an Bewerbungsgespräche für eine Stelle mit Repräsentationsfunktion, mit zwei formal gleich qualifizierten Bewerbern, von denen aber einer der beiden reines Hochdeutsch spricht, der andere dagegen mit einem schweren Ruhrpott-Slang – man muss nicht lange überlegen bei der Frage, wer am Ende beim Personalchef besser ankommt). Sogar hier schlüge das BGE negativ zu, indem es jene, die nicht gearbeitet haben, prestigemäßig stets hinter jene anderen zurückfallen lassen würde, die sich für ein Leben mit Arbeit entschieden haben.

Faktische Zwei-Klassen-Gesellschaft

Gewiss: Schon heute bedeutet Arbeitslosigkeit einen massiven Ansehensverlust in vielen Milieus. Es ist aber ein Unterschied, ob man versucht, dem politisch entgegenzuwirken, indem man Menschen in Arbeit bringt, oder ob man auf eine faktische Zwei-Klassen-Gesellschaft hinarbeiten will, in der die eine Klasse arbeitet und die andere nicht, und in der dieser sie prägende Zustand sogar noch über Generationen weiter verfestigt wird (bis hin zu dann denkbaren „Schulen für BGE-Kinder“, in denen Schüler nur die Mindestbildungsziele vermittelt bekommen, weil sie nicht-arbeitenden Elternhäusern entstammen und sie somit – Stichwort: soziales Kapital! – nie gelernt haben, warum Arbeit auch ein positiver Wert sein kann und sollte, weswegen sie ohnehin nicht dorthin streben und daher auch nicht dafür ausgebildet werden müssen).

Am Ende dieser „Vision“ steht eine Dystopie: Eine Gesellschaft, die in zwei verfestigte Klassen gespalten ist, die zu durchbrechen mit dem steigenden Alter der BGE-Einführung immer schwieriger wird. Begleitet von absehbaren sozialen Konflikten, die aus Sozialneid und Unzufriedenheit darüber resultieren, dass man selbst zur arbeitenden Klasse gehört, damit eine nicht-arbeitende ernährt, deren Kinder sich ihrerseits gar nicht mehr vorstellen können, zu der anderen zu gehören, weil sie vom sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitalzufluss der arbeitenden Klasse abgeschnitten wurde.

Wer visionäre Politik betreiben will – was ja an sich nicht falsch ist – der kann und darf nicht darauf verzichten, seine Positionen möglichst soziologisch informiert weiterzudenken und aus ihnen Konsequenzen abzuleiten. Anders kann und darf man Utopien nicht verfolgen, wenn sie nicht zu Dystopien werden sollen. Die Befürworter des BGE lassen es an diesem Grundsatz fehlen, was es umso erstaunlicher macht, dass ihr Konzept mit einer solchen Beharrlichkeit weiter durch die sozialpolitischen Debatten geistert. Weniger erstaunlich dabei ist freilich, dass es auch von der links- bis neoliberalen Seite immer häufiger bereitwillig aufgegriffen wird.

Wahrhaft soziale Politik – erst recht im Übrigen Politik, die sich sozialistisch nennt – muss Menschen dort abholen, wo sie stehen. Dass dies nicht als Floskel gemeint ist, sollte die vorangegangene Argumentation deutlich gemacht haben: Menschen sind soziale Wesen, die einer Vielzahl an Kapitalformen bedürfen, um zu Wohlstand zu kommen. Ein wirklich sozialer Staat – was ein Staat, der das BGE verwirklichen würde, genauso wenig ist wie derzeit die Bundesrepublik – müsste darauf hinwirken, soziale Ungleichheit zu beseitigen, indem er Menschen ermöglicht, besser an ökonomisches, an soziales, an kulturelles und an symbolisches Kapital zu gelangen.

Das BGE, das das erstere zu Ungunsten der drei anderen Kapitalformen stärkt und dadurch sogar den Zugang zum ersteren durch die Hintertür wieder schwächt, ist hierbei rundweg kontraproduktiv.

Print Friendly
Filed in: Diskurse Tags: , , ,

Ähnliche Artikel:

<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Liberalismus</span><br/>Der globalistische Grundkonsens Liberalismus
Der globalistische Grundkonsens
<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Grenzüberschreitender Lebensentwurf</span><br/>Keine Grenzen, nirgends Grenzüberschreitender Lebensentwurf
Keine Grenzen, nirgends
<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Liberale Demokratie</span><br/>Der Geist aus der Flasche Liberale Demokratie
Der Geist aus der Flasche

40 Kommentare zu "Bedingungsloses Grundeinkommen
BGE: Am Ende eine Dystopie"

  1. Christian Müller sagt:

    Schade. Diese Argumentation wäre vor 20 Jahren vielleicht noch richtig oder zumindest berechtigt gewesen. Aber spätestens seit wir wissen, dass immer mehr Roboter die Arbeit verrichten, die uns – oder eben allen – den Zugang zu Arbeit ermöglicht hatte, stimmt diese Argumentation nicht mehr. Oder dann müsste der Autor auch radikale Verbote fordern: keine Roboter, keine landwirtschaftlichen Grossbetriebe, kein Convenience Food, etc etc. Die Forderung nach einem BGE basiert auf der Realität der Arbeitsvernichtung durch immer höher entwickelte Technologie.

    • Franz Maria Arwee sagt:

      Etwas mehr Kreativität bitte:
      Wenn Geld die simple Lösung ist, warum gibt es dann überhaupt noch Probleme?
      Hier stimmt doch was nicht…
      Roboter? KI? Die schöne neue Welt fliegt uns gewaltig um die Ohren, da kann euer Glaube noch so tief sein. Das Scheitern hat längst begonnen und die Messias(e) des Silicon Valley bereiten sich auf den Absprung vor.

      Etwas Hintergrund hierzu: http://bit.ly/2kqjfBg

      (Chronologisch ist die untere Mail die erste)

      • Hase sagt:

        Es geht nicht um “Geld”, sondern um die Ökonomischen Grundlagen der Gesellschaft. Wenn Lohnarbeit obsolet ist weil Automatisierung es besser leistet erübrigt sich auch das bisherige kapitalistische Gesellschaftssystem.

        Geld ist nur eine Einheit, die Tausch ermöglicht und die Quantifizierung von Werten ermöglicht. Ob die neue Welt schön wird oder nicht ist offen und hängt vermutlich vom Betrachter ab, fest steht aber die Zeiten massenhafter nichtprekärer Lohnarbeit gehen vorbei.

        Was das Silicon Valley damit zu tun haben soll ist mir schleierhaft.

  2. -Ute Plass sagt:

    “Wir wollen gebraucht werden”
    Richtig, jedoch nicht missbraucht durch den Zwang zur (Lohn)Arbeit.

    Eine *bedingungslose Existenzsicherung* betrachte ich als Menschenrecht,
    nicht nur weil darüber die existenziellen Grundbedürfnisse befriedigt werden,
    sondern weil diese erst ermöglicht in Freiheit tätig werden zu können.

    Die BGE-Idee ist keine nationale, sondern eine universale und kann Teil der Lösung
    sein im Hinblick auf eine Transformation aus kapitalistischen Verhältnissen:
    http://www.streifzuege.org/2010/antikapitalismus-mit-2-beinen-solidarische-oekonomie-grundeinkommen

    Der Autor irrt, wenn er davon ausgeht, dass Mensch des Geldanreizes bedarf um
    sich sinnvoll gesellschaftlich einzubringen. Wenn alle ‘unbezahlten Arbeiten’ nicht
    getan würden, gäbe es so auch keine sog. Wirtschaft:
    https://inabea.wordpress.com/2015/09/29/die-feministische-care-oekonomie-das-bedingungslose-grundeinkommen-und-postpatriarchale-religion-eine-noch-nicht-verwirklichte-allianz-fuer-das-gute-leben-aller/

    Im Beitrag hier heißt es u.a.:
    “Wer visionäre Politik betreiben will – was ja an sich nicht falsch ist – der kann und darf nicht darauf verzichten, seine Positionen möglichst soziologisch informiert weiterzudenken und aus ihnen Konsequenzen abzuleiten.”
    Klingt, als wäre Herr Sanders der erste, der das leisten würde?
    Empfehle ihm die Arbeiten von Karl Reitter zum BGE:
    http://www.grundrisse.net/grundrisse12/12karl_reitter.htm
    Darin wird auch die Studie “Die Arbeitslosen von Marienthal” thematisiert, allerdings
    nicht aus dem Blickwinkel von Florian Sander.

  3. Roman sagt:

    So interessant der Artikel ist, liegt ihm doch ein Missverständnis zu Grunde. Das Grundeinkommen soll Arbeit nicht verhindern sondern ermöglichen. Sicher wird Arbeit dabei neu definiert werden müssen, da nicht mehr genug Erwerbsarbeit im heutigen Sinne übrig sein wird (siehe Kommentar Herr Müller). Jedoch wird es den Menschen erleichtert sich zu verwirklichen und in diesem Sinne sich eine sinnvolle Arbeit selbst aufzubauen / zu suchen. Das bringt mit Sicherheit mehr soziale Nähe als Isolation.

    Nur wer Arbeit als Lohnarbeit versteht, also Arbeit um des Überlebens willen, und die Schule nur in der Funktion wahrnimmt auf diesen Wettbewerb vorzubrereiten kann zu solchen Folgerungen kommen. Die Zukunft in den Strukturen von heute zu denken scheint aber nicht sonderlich kreativ und Lösungsorientiert.

  4. anderser sagt:

    1.: [Das Zurückweisen der Verbindlichkeit durch den einen bedeutet immerhin doppelte Verbindlichkeit für den anderen, der das Fehlen von Arbeitskraft wird kompensieren müssen.]

    Das würde vorraussetzen, dass alle einer verbindlichen Arbeit nachgehen. Was ja aktuell nicht der Fall ist. Es würde also niemand etwas kompensieren müssen.

    2.: Ich habe das BGE bis jetzt immer so verstanden, dass es die Möglichkeit gibt, die Arbeit zu machen die einem entweder Spaß macht, oder, die bei allgemeiner Unbeliebtheit, hoch genug entlohnt wird. Das es, bis auf Ausnahmen, eine Aufforderung zur Untätigkeit darstellt, bezweifle ich. Wie der Autor ja schreibt, will jeder der Gesellschaft etwas geben um anerkannt zu werden. Doch muss das nicht zwangsläufig (Bezahl)Arbeit im herkömmlichen Sinne sein. Sich um seine älteren Verwandten zu kümmern oder kulturelle Tätigkeiten sind auch “Arbeit”. Also sollte man den Begriff “Arbeit” erst mal neu definieren.

  5. tabascoman sagt:

    Hmm, erstmal eine sehr interessante, innovative und positiv-gute Art, einen Kommentar zu hinterlassen! Gefällt mir.

    Der Artikel beschreibt, warum die Piratenpartei scheiterte, scheitern musste.
    Weil die Forderung nach dem BGE der menschlichen Natur intuitiv “gegen den Strich bürstet”.

    Natürlich hat soll jeder die Freiheit haben, so viel oder so wenig zu arbeiten wie er es selber kann und auch als sinnvoll ansieht.
    Jeder soll also nicht nur die Freiheit nach selbst gewählter Dummheit haben, sondern auch das Recht nach selbstgewählter Faulheit.

    Aber der Weg dahin führt nicht über das sogenannte BGE, indem man anderen seine Arbeit per Gesetz aufzwingt.
    Sondern über eine geringere Steuerlast die dann jedem solche Freiheiten ermöglicht.

    Steuern? Ja natürlich! Sie dienen dazu Gemeinschaftsaufgaben zu erfüllen (Infrostruktur?, Bildung? …)
    Sie dienen selbstverständlich nicht zum Ausbau von Behörden & Bürokratie, zur Ernährung von Politikern ….
    Unser Staat reißt sich m. E. zuviel unnötige Aufgaben zu Lasten des Steuerzahlers unter den Nagel und löst diese noch dazu unnötig teuer und fehlerhaft und kompliziert und undurchsichtig.

    Das Ziel heißt also:
    geringere Steuern (& Gebühren und Abgaben – für weniger, besser gelöste Aufgaben)
    anstatt BGE (ist die Assoziation mit Sozial-BSE abwegig?)

    Die Wahlergebnisse der Piratenpartei zeigen es.
    Wählen sollte man entsprechend den Ratschlägen auf

    http://www.polpro.de/taktik.html oder
    http://www.polpro.de/disqual.html oder so …

    Die Funktionalität dieser Seiten ist leider unfertig,
    derzeit ist der Schwerpunkt: eine Negativ-Auswahl,
    das Ziel ist jedoch: eine individualisierte Positiv-Auswahl

  6. Den bisherigen Kommentaren stimme ich weitgehend zu. Außerdem ist zu bedenken, dass auch in heutigen Gesellschaften immer noch mehr unbezahlte Arbeit geleistet wird als bezahlte (z.B. durch Eltern).
    ein weiterer Gesichtspunkt: Das BGE könnte die “niedrigen”, mühsamen Arbeiten gesellschaftlich, also in der Entlohnung aufwerten. Denn es gäbe weniger Menschen, die sie leisten wollten, da sie auch ohne diese Leistung wenigstens einigermaßen überleben würden. Ein Schritt dahin, dass die Einkommensunterschiede etwas mehr ausgeglichen würden.

    G.K.

  7. Anonym sagt:

    Hallo, frustrierte Mittelschicht

    “Ihr Mittelschichtler, habt ihr eigentlich schon mal eine Fabrik von vor dreißig Jahren mit einer Produktionshalle von heute verglichen? Ich kenne eine, da arbeiteten 1986 noch an die 1.000 Beschäftigte. Heute stehen dort drei Mann an großen Kästen mit bunten Schaltern. Drei weitere drücken Knöpfe am Fließband. Von diesem Fließband allerdings heben Roboter wohl 100 mal mehr Produkte pro Tag, als es vor dreißig Jahren fleißige Hände taten.Erkennt ihr das Problem? Heute zahlen nur noch sechs Mann Steuern und Rentenbeiträge – damals waren es an die 1.000. So ähnlich sieht es in fast allen Produktionsstätten aus. Was tun die restlichen 994 Leute aus dieser Fabrik heute, oder besser: Die Hunderttausenden Freigesetzten aus allen Fabriken? Sitzen sie im Callcenter, um Omas mit kleinen Renten unsinnige Zeitungsabos aufzuschwatzen? Oder drücken sie ahnungslosen Mittelschichtlern Aktien aufs Auge, damit diese an der Arbeit verdienen können, die andere hart arbeitende Mittelschichtler nicht entlohnt bekommen? Oder sind sie erwerbslos, weil sie plötzlich faul geworden sind? Vielleicht sitzen sie ja auch in Jobcentern und sanktionieren ehemalige Mittelschichtlern das Essen und die Wohnung weg, weil die nicht als Leiharbeiter enden wollten. Merkt ihr was? Die Sache hat einen Haken. Ihr pisst die Falschen an!”

    https://kenfm.de/hallo-frustrierte-mittelschicht/

    • Hase sagt:

      “Heute zahlen nur noch sechs Mann Steuern und Rentenbeiträge – damals waren es an die 1.000. ”

      Das ist eine Milchmädchenrechnung. Entscheidend für die Habenseite ist nicht, wie viele Menschen Steuern zahlen, sondern wie hoch die Steuersumme als ganzes ist. Um bei der Fabrik zu bleiben: Wenn heute 100 mal mehr Produkte vom Band gehen, gibt es keinen Grund, warum das Steueraufkommen niedriger sein sollte. Man muss es halt da abschöpfen wo es ist – beim Fabrikbesitzer.

      • -Ute Plass sagt:

        Zustimmung, denn wenn es stimmt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, dann muss das (Groß)Eigentum antastbar sein. ;-)

  8. -Ute Plass sagt:

    ” Warum das Bedingungslose Grundeinkommen nicht mit Automatisierung begründet werden kann und soll”. – lesenswerter Beitrag von Eric Manneschmidt:

    http://bgerheinmain.blogsport.de/2016/11/19/das-horror-maerchen-vom-roboter-schlaraffenland-warum-das-bedingungslose-grundeinkommen-nicht-mit-automatisierung-begruendet-werden-kann-und-soll/

  9. Franz Maria Arwee sagt:

    Geld ist das Problem, das wieder und wieder zur Lösung erklärt wird. Und nein, es gibt keine Lösung, die auf Glaube, nichts anderes ist _nichtexistentes_ Geld, beruht. Recht bedingt zwingend Unrecht. Wo Unrecht/Recht herrscht gibt es keine Gerechtigkeit. Tja, es gibt folglich auch keine Lösung, die auf Recht(en), das ebenso nicht existiert, beruht. Vorschlag: Versteht erst einmal eure eigenen Widersprüche, danach steht ein anderes Denken im Raum. Raus aus dem Glauben und aufhören Bücklinge zu spielen:
    http://bit.ly/2kqjfBg
    (Chronologisch ist die untere Mail die erste)
    Eine Wissensgesellschaft kann _nicht_ auf Glauben aufbauen.

  10. Hase sagt:

    Zum Text: Das Narrativ, wonach die Menschen zur Lohnabhängigkeit gezwungen werden müssen um nicht irgendwie zu verwahrlosen ist ziemlicher Blödsinn. Klar ist es unschön das Gefühl vermittelt zu bekommen nicht von der Gesellschaft begraucht zu werden. Nur: Was heißt das, seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten?

    Es ist kein Beitrag zur Gesellschaft wenn ich irgendeinem entfremdeten Scheißjob nachgehe. Sondern der Beitrag geht zugunsten des Privatkontos des Arbeitgebers. Im günstigen Fall ist der Beitrag zu meinem eigenen Privatkonto noch hoch genug, damit ich damit zufrieden sein kann. In vielen Fällen ist auch das nicht gegeben. Wir leben in einer am Gewinn, nicht am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft. Entsprechend gestaltet sich die Lohnarbeit.

    Es bringt überhaupt nichts, sich einzureden man leiste einen einzigartigen, nicht ersetzbaren Beitrag zur Gesellschaft, wenn das objektiv nicht der Fall ist. Sie, Herr Sander, reden da nur Kapitalinteressen das Wort, wo sie glauben im Interesse des seelischen Wohls der Menschen zu sprechen.

    Wenn die gesellschaftliche Anerkennung für Arbeitsleitung darauf hinausläuft, dass nur der Anerkennung verdient, der sich für die persönliche Bereicherung Dritter aufopfert – wie das in der Masse der Lohnarbeit der Fall ist – dann sind die Kriterien der gesellschaftlichen Anerkennung zu hinterfragen und nicht etwa wirtschaftliche Zwangslagen schönzureden, wie das oben gemacht wird.

    Es spricht, ohne dass ich Ihnen das übel nehme, eine ziemliche Arroganz aus der Haltung. Der Dozent, der weiß was das beste für anderer Leut’s Leben ist. Schön absurd wird es spätestens da, wo die Lohnarbeit als Quell sozialen Miteinanders gefeiert wird. So als habe der Mensch vor dem Kapitalismus nicht in Gruppen gelebt. Objektiv ist das genaue Gegenteil der Fall: Der Einzug des Kapitalismus hat die Großfamilie als natürlichen Bezugsrahmen des Individuums erst aufgelöst. Der Mensch ist heute so isoliert und sozial versprengt wie noch nie in der Geschichte der Menschheit.

    Sie meinen, ein BGE sei “wider die menschliche Natur” und meinen doch eigentlich nur “wider die Spieregeln unserer kapitalistisch geformten Gesellschaft”. Für einen Soziologen ist das mal offen gesagt ein Armutszeugnis. Nichts für Ungut.

    Wenn sie an die menschliche Natur wollen, dann schauen sie sich Stämme an, die mit ihren Produktivkräften heute noch in der Steinzeit stecken, gibt es ja. Denn diese Art des Wirtschaftens war über zehntausende Jahre “natürich” und hat den Menschen evolutionär geprägt. Welche Urgesellschaft kennen sie, in der die Stammes- oder Familienmitglieder nicht das Lebensnotwendige erhalten wenn sie nicht mehr im gleicher Weise mitarbeiten können? In der die Oma verhungert, weil sie nur noch dafür taugt Kinder zu hüten, “der Markt” aber gerade Jäger braucht?

    Sie sehen, wohin die Überlegung geht. Gestatten sie sich als Intellektueller, über den Bezugsrahmen der jetzigen Gesellschaftsform hinauszudenken. Tut man das nicht, ist es sinnlos über Utopien zu sprechen. Man kann nichts überwinden, über das man nicht hinausdenkt.

    Gen Ende möchte ich noch klarstellen, dass ich das BGE auch nicht für das non-plus-ultra möglicher Politik halte. Allerdings aus pragmatischen Überlegungen: Damit ein BGE funktioniert, müsste das bestehene Recht ziemlich weitgehend angepasst werden. Alle Steuern und Abgaben müssten neu justiert werden, usw. Das ist ein enormer Administrativer Aufwand und der Nutzen ist demgegenüber überschaubar. In der Politik müssen Kräfte gebündelt werden. Ich denke, bevor man Mehrheiten für ein BGE kriegt und das umsetzen kann, könnten viele andere, weniger aufwändige Reformen durchgebracht werden, die einen viel unmittelbareren Nutzen haben.

  11. Hartmut Lau sagt:

    Der Verfasser des Artikels, geistig Gefangener im Elfenbeinturm der Theorie.
    BGE wird sich durchsetzen, denn es fehlt nicht am Geld,denn seit 25.12.2012 sind fuer jeden Menschen 10 Mrd. US$ deponiert. Personen haben keinen Zugriff.
    Geld regiert die Welt, in allen Facetten der Gesellschaften von Menschen. Und mit dem super Geschaeftsmodell der Fiatwaehrungen werden jene Gesllschaften erzogen, wie es der Geldadel will.
    Aus mathematisch naturgesetzlichen Gruenden muss das Fiatgeldsystem in die Verelendung fuehren, und zum Schluss ist alles Geld von einem Menschen gehalten.

    Sichtbar sind jene Fakten in der sogenannten 3. Welt, besonders in den Mega Staedten in der Form von Slums / Fawelas.
    Die angebliche Alternativlosigkeit des Kapitalismus zeugt von fehlender Kenntnis der oekonomischen Folgen , basierend in der grenzenlosen Gier auf max. % te, welche der internationale Finanzterrorismus einfordert.
    Alle “ismus” Wortgestaltungen sind nur weitere geistige Verirrungswerkzeuge, welche den Menschenmassen und auch die Masse der Lehrenden zum Opfer gefallen sind.

    Eigendlich sehr schade, aber im Umkehrschluss fuer die Geldmacht UBERLEBENSNOTWENDIG.

  12. Wolfgang Müller sagt:

    Der hier verwendete Begriff von Arbeit ist wieder einmal sehr limitiert und entstammt von einem meiner Meinung nach veralteten, homogenen Weltbild. Er ignoriert völlig die unterschiedlichen Arbeitsformen und -bedingungen. Weder ist jede Erwerbsarbeit sozial im Sinne, dass sie Interaktion erzeugt (Telearbeit, Wachdienste, etc können völlige Isolierung bedeuten), gemeinnützlich, sodass sie der Gesellschaft dient (manche schaden ihr sogar, Bsp. Waffenindustrie), noch menschenwürdig (auf die vielen prekären Arbeitsverhältnisse muss ich hier nicht eingehen). Man könnte fast meinen, der Autor unterstützt vielleicht sogar Sklaverei, weil Sklaven arbeiten schließlich auch und arbeiten ist ja laut dem Artikel immer gut, unabhängig von den Arbeitsverhältnissen. Sein knapper Hinweis auf die Verwendung der Idealform ist dabei nicht ausreichend, weil die verwendete Idealform kaum bis gar nicht in der realen Welt auftreten. Merkwürdig ist auch die Annahme, dass eine Entfremdung der Arbeit auf neoliberale Strukturen herrühren soll. Sie stärkt sie vielleicht, aber Arbeitsteilung und Industrialisierung gab es schon lange vor dem Neoliberalismus. Und selbst ohne diese hat und würde es Arbeiten geben, die weit von dieser Idealform sind.

    Ich stimme mit Autor zwar überein, dass das Selbstwertgefühl, das Gefühl gebraucht und gewünscht zu werden, usw. für die menschliche Psyche notwendig sind. Auch stimme ich überein, dass ein BGE alleine niemanden glücklich machen wird. Aber er verkennt entscheidente Zusammenhänge, wenn er davon ausgeht, dass ohne einer Erwerbsarbeit automatisch eine Vereinsamung stattfinden wird. Wie entstehen Vereinsamung, Resignation, Passivität und Lethargie bei Langzeitarbeitslosigkeit wirklich? 1) Soziale Aktivitäten kosten meistens Geld, die man sich mit AGL2 kaum leisten kann. Ob Theater, Ausflüge, Ausgehen, whatever, vieles wird reduziert oder vermieden, um Geld zu sparen. 2) Die konstanten Misserfolge bei Bewerbungen führen oft zu Frustration und Verlust des Selbstbewusstseins. Wenn dies dann auch noch die einzelne Tätigkeit ist, weil ja alle anderen Tätigkeiten sich nicht geleistet werden können (Geldmangel, Verhinderung durch das Jobcenter, soziale Unerwünschtheit („der soll arbeiten gehen anstelle dies und das zu tun“)), dann führt dies schnell zu einer Spirale in die Depression und es wird aufgegeben. 3) Bewerbungsprozesse finden meistens in der Isolation/Einsamkeit statt. Es ist ja kaum so, dass hier Teamarbeiten oder Interaktionen mit anderen stattfinden. Da ein BGE erlaubt, sich diesem Druck zu entziehen und anderwertig tätig zu werden , die finanziellen Möglichkeiten dazu bietet, lässt sich eben nicht argumentieren, dass reine BGE-Bezieher den Problemen und Gefahren von heutigen Langzeitarbeitslosen ausgesetzt sind.

    Viel sinnvoller wäre, im Zusammenhang von Anerkennung, Selbstwertgefühl und sozialer Interaktion von Tätigkeiten/Aktivitäten anstelle von Erwerbsarbeit zu reden. Menschen können diese abseits erreichen. Eine Studie zeigt, dass z.B in Österreich Menschen gesamt fast genauso viele Stunden für unbezahlte Arbeiten aufbringen wie für bezahlte Arbeit (http://derstandard.at/1381368357313/Mehr-Ehrenamtliche-leisten-gleich-viel-Arbeit). Zu behaupten, dass ehrenamtliche (oder vielleicht auch andere familiäre) Tätigkeiten hier nur „zeitweilige Stubistitute“ sein können, entspricht einfach nicht der Realität. Oder eben nur dann, wenn eben die ökonomische Grundlage dafür nicht geschaffen wurde. Weil wenn diese nicht gegeben ist, wird es mit dem Ehrenamt schwer bis unmöglich. Ehrenamt ist daher ein Privileg, zu welchem alle mit einem BGE Zugang hätten. Momentan ist dies nicht der Fall. Viele sind entweder zu beschäftigt, über die Runden zu kommen oder haben dann kaum Zeit dafür und sind dann davon ausgeschlossen, sich dort aktiv einzusetzen, wo sie Anerkennung, Selbstwertgefühl und Interaktion in einem Bereich der ihnen wichtig ist zu erfahren.

    Dass Arbeitsplätze oft jenen sozialen Raum darstellen, in welchem Familie, Liebesbeziehungen und Freundeskreise “rekrutiert” werden ist auch nicht der Arbeit an sich zu verdanken. Vielmehr liegt es daran, dass an Arbeitsplätzen einfach viel Zeit verbracht wird. Würden Menschen ähnlich viel Zeit in Vereinen, Kaffeehäusern, whatever verbringen, würde sich das schnell verschieben. Zu behaupten, dass ein BGE soziale Isolation fördern würde, ist nicht legitim und verkennt diese Zusammenhänge. Menschen werden durch ein BGE nicht gehindert, soziale Räume zu betreten und sich zunutze zu machen. Vielmehr gibt ihnen ein BGE die Möglichkeit, in noch verschlossenen Räumen aktiv zu werden.

    Ein BGE konzentriert sich definitiv auf “equality of opportunity” und weniger auf “equality of outcome”. Dazu gibt es in jeden Fall bessere Instrumente. Das bestreite ich auch nicht. Ein BGE schließt aber solche Instrumente oder das Ziel “equality of outcome” nicht aus. Wenn dieses Ziel von der Gesellschaft erwünscht ist, dann kann eine solche Gesellschaft sich weiterhin darum bemühen. Das heißt, der Sozialstaat wird durch ein BGE nicht alleine überflüssig. Wenn dieser weiterhin gewollt ist, dann wird dieser auch weiterhin bestehen. Das ist nicht von einem BGE abhängig. Klar könnte sich eine Gesellschaft theoretisch leichter darauf einigen, dass sie sich mit “equality of opportunity” (weil ja jeder ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt) zufrieden gibt und “equality of outcome” fallen lässt, aber das ist nicht zwingend. Ich denke sogar, dass dies auch gar nicht wirklich komplett passieren kann. Keine Frage, es wird in einigen Bereichen passieren. Zum Beispiel ein Kindergeld klingt überflüssig, weil Kinder ja auch ein BGE erhalten würden. Aber es gibt Bereiche, wo das BGE nicht ausreichen wird. Eine stark pflegebedürftige Person wird mit einem BGE wahrscheinlich nicht auskommen. Auch kann diskutiert werden, dass eine Person in einem Beschäftigungsverhältnis das Risiko arbeitslos zu werden selber tragen soll. Anderseits kann aber als Art Motivation zum Arbeiten dieses Risiko weiterhin vom Wohlfahrtsstaat getragen werden. Gesellschaften steht dies nach wie vor offen, dies für sich selber zu entscheiden. Ein BGE gibt hier nichts vor, erlaubt aber eine größere Flexibilität. Diese Angst, dass ein BGE zum automatischen Verlust des Sozialstaats fühen würde, ist daher einfach unbegründet. Neoliberale mögen sich das wünschen und sich so vorstellen, dass heißt aber nicht dass es so passieren muss oder wird.

    Ein Gelingen des BGEs hat definitiv auch Bedingungen. Es ist stark davon abhängig, wie Menschen von sich aus unter anderem selbstständig, frei und motiviert handeln können. Dass die meisten Menschen intrinsische und extrinsische Motivation mit sich bringen, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass es aber auch Menschen gibt, die darin Probleme haben, sich selber Ziele zu setzen und zu verfolgen, kann und will ich nicht abstreiten. Ich meine auch, dass solche Menschen verstärkt Unterstützung benötigen und erhalten sollten. Generell sollten junge Menschen immer darin gestärkt werden, dies zu lernen. Dass dies nicht nur innerhalb der Familie passieren sollte, sondern auch weiterhin in der Institution Schule, sehe ich als eine Notwendigkeit. Schule dienen ja dazu, neben Wissen auch Werte der Gesellschaft zu vermitteln. Das ist der Fall in einer Gesellschaft mit oder ohne BGE. Die Institution Schule auszuhebeln in welchem Fall auch immer, wäre einfach nur fatal. Daher ist unwahrscheinlich, dass dies passieren wird. Positive Vorbilder, Anreize, etc. würden daher weiterhin bestehen bleiben. Sie müssten nur von der Gesellschaft auch angewendet werden.

    Auch sind die befürchteten Langzeitwirkungen sind nicht zwingend, dass sich dies über Generationen hinweg negativ entwickeln würde. Wenn Soziale Ungleichheit und Soziale Mobilität im engen Verhältnis stehen und Soziale Mobilität ein gewisses Maß an “equality of opportunity” voraussetzt, welches von einem BGE gestärkt wirkt, dann wirkt sich dies eben auch positiv auf Soziale Ungleichheit aus. Wie gesagt, ein BGE hindert niemanden mehr dazuzuverdienen. Im Gegenteil, es ist eine Art Investition/Subvention, um aktiv und tätig werden zu können.

    Aber wie oben erwähnt, es hängt eben davon ab, wie man Ungleichheit definiert. Konzentriert man sich auf “opportunity” oder “outcome” oder vielleicht auf einen Mittelweg. Ein BGE unterstützt definitiv “opportunity”, schließt aber “outcome” auch nicht aus. Dass ein BGE zwingend mehr Ungleichheit, eine Vereinsamung der Menschen, eine Gefahr für die Menschenwürde oder Gesellschaft bewirken würde, ist einfach eine unbegründete Annahme, die Fakten verkennt und missinterpretiert. Für schlechte Rahmenbedingungen kann ein BGE nichts. Zu glauben, dass ein BGE ein Allheilmittel ist, ist einfach genauso falsche wie die Dinge die dem BGE hier unterstellt werden.

    Anmerkkung: Eigentlich geht eigentlich gar nicht, dass jemand im 21. Jahrhundert noch mit der „menschlichen Natur“ bzw dem Naturzustand des Menschen argumentiert. Das spricht einfach nicht für den Autor.

  13. Mr. Fantasy sagt:

    So richtig die meisten Kommentare sind, das Problem der ungleichen Bezahlung wird damit nicht gelöst, die ungleiche Verteilung des Reichstums wird zementiert. Der eine bezieht BGE, eine, anderen ist das aus den verschiedensten Gründe zu wenig und er geht für das doppelte des BGE arbeiten, wieder ein anderer ist Vorstandsvorsitzender in der Firma und bekommt das hundertfache (oder mehr) des BGE. Komme mir keiner mit Verantwortung und so.

    • Wolfgang Müller sagt:

      Es wird immer eine ungleiche Bezahlung/Belohnung in irgendeiner Art und Weise geben. Das zu ändern, ist auch nicht die Aufgabe eines BGEs. Auch ist das BGE nicht der Auslöser oder Katalysator für derartige Unterschiede. Das ist eigentlich ein anderes Thema, wer wieviel dazuverdienen darf. Das gehört auch diskutiert. Aber beim BGE geht es eher darum, wieviel Freiheiten/Möglichkeiten können wir uns gegenseitig.

  14. Chris Noria sagt:

    Ich finde es immer wieder erschreckend, wenn scheinbar intelligente Leute denken, es würde mit der Einführung des BGE der Wille zur Arbeit oder dann wohl eher Beschäftigung komplett ausgelöscht werden.
    Menschen sind kreativ, fantasivoll, sozial (die meisten jedenfalls), sie werden sich andere, neue Tätigkeitsfelder suchen und tätig sein aber sie werden keinen “Herren” mehr dienen müssen.
    Frage: Warum sollte der Profit aus der durch Roboter geleistete Arbeit nur in die Taschen von wenigen fliessen?
    Forschung und Entwicklung dieser Technologien wurden zum grössten Teil durch Subventionierung also mit Steuergeldern finanziert und realisiert.

  15. Andreas sagt:

    Der Artikel über das „Bedingungslose Grundeinkommen“ ist wirklich ein sehr fundierter Beitrag!
    Er betont völlig richtig, wie wichtig es für uns Menschen ist “nützlich” zu sein, Anerkennung und Wert-Schätzung zu bekommen, indem jeder seinen individuellen Beitrag zum Erhalt der eigenen Spezies beiträgt! Deshalb sind wir “soziale Wesen”, wohl wahr!

    Aus dem gleichen Grunde können wir lange darauf warten, dass sich das Prekariat wehrt und aufbegehrt für bessere Lebensbedingungen. Ein Mensch mit hohem “Selbst-Wert-Gefühl”, der begehrt auf, der “verlangt”, der traut sich, der kämpft. Aber ein Mensch mit niedrigem “Selbst-Wert-Gefühl” begehrt nicht auf. Er tut dies deshalb nicht, weil dieses Aufbegehren sofort als eine Form des Bettelns empfunden wird! Von anderen und vor allem vor ihm selber! Wer bettelt schon gerne. Alles richtig! Gut auch, der Bezug auf die Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“!

    Aber in einem, für mich sehr entscheidenden Punkt mangelt es in diesem Artikel:

    Es wird nicht mit einbezogen, wie tief “das Denken in Werten” im modernen, kapitalistisch geprägten Menschen verankert ist. Denn das, auf was der Artikel zu Recht hinweist, ich zitiere: “was wir gemeinhin als Selbst”wert”gefühl bezeichnen”, “wodurch wir spüren, dass wir jemandem etwas “wert” sind und “was uns zu sozialen Wesen macht”, – ist ein viel tieferes und existenzielles Gefühl und dieses wird eben doch, anders als hier behauptet, zunehmend durch die heutige Form der Arbeit negiert!

    Dieses “Selbstwertgefühl” ist eine kapitalistische Entfremdung unseres natürlichen Gefühls mit dem einfachen Namen „Stolz“!

    Denn was ist “Selbst”-“Wert”-“Gefühl” anderes, als die eigene Betrachtung des “Selbst” als eine Ware mit einem bestimmten Wert? Der verinnerlichte “Preis der Ware Arbeitskraft”, wie Karl Marx es beschrieb. Euer Artikel ist voll von Wertschätzungen, meine Beschreibung oben auch: „Wert“schätzung, Selbst“wert“gefühl, Minder“wert“ig, jemanden etwas „Wert“ oder „Wert“voll sein, usw.

    Das „Selbstwertgefühl“ aber kettet uns an das kapitalistische Verwertungsprinzip, dem wir uns eigentlich nicht länger unterwerfen sollten!

    Stolz – und darum geht es, war der Mensch schon als Jäger und Sammler, dieses Gefühl war wichtig und in der Tat sozial geprägt! Stolz war der Wildbeuter, wenn er ein besonders leckeres Stück Wild für seine Sippe heim schleppte. Stolz war auch noch der Handwerker oder der Baumeister auf sein gelungenes Produkt.

    Genau dieser Stolz auf die eigene soziale Leistung wurde durch die Industrialisierung entfremdet, was zu Recht damals die Proteste der Luditen und Maschinenstürmer hervorrief, die dafür vielfach hingerichtet wurden. Das Problem der Entfremdung wurde von vielen Linken, Fortschrittsglaube lässt grüßen, stark vernachlässigt! Es geht eben nicht nur um die Steigerung der Produktivität! Es ging auch um die Freude an der Tätigkeit selber. Wichtig war die Identifikation des Produzenten mit seinem Produkt und nicht der Wert des Produzenten selber!
    Der verlorene Stolz musste nun durch etwas anderes ersetzt werden, weil die entfremdete Arbeit diesen nicht mehr gewährleisten konnte!

    Der “Nationalstolz”, verführte die Menschen dazu, sich im Dienste der Herrschenden gegenseitig umzubringen. Nationalistische Parteien verwenden aus diesem Grunde den Begriff “Stolz” immer wieder gerne, um ihn natürlich sofort in Nationalstolz zu verdrehen. Zu Recht ist deshalb der Begriff “Stolz” bei traditionell geprägten “Linken” verdächtig. Dennoch kommt der Bezug zum Stolz bei denjenigen gut an, denen dieser am meisten fehlt. Den armen und erniedrigten Menschen.

    Die Ersetzung durch den Begriff “Selbstwertgefühl”, macht die Sache aber nicht besser. Im Gegenteil, diese Ersetzung bringt es auf den kapitalistischen Punkt: Der Mensch fühlt sich mittlerweile selbst wie eine Ware, die auf dem Markt getauscht werden muss(gegen Lohn). Und er muss den “Ehrgeiz” entwickeln, seinen “Skill”, sein “kulturelles Kapital”, seine “berufliche Bildung” zu vergrößern, um davon hinterher “auf dem Arbeitsmarkt profitieren zu können”.

    Aus diesem Grunde hat das bedingungslose Grundeinkommen eine zweite Seite, auf die leider in diesem Artikel überhaupt nicht eingegangen wird. Gerade diese Seite macht aber den eigentlichen Reiz aus: Durch Wegfall des Zwanges zur Selbst-Vermarktung, soll die Möglichkeit von kreativer Tätigkeit außerhalb der kapitalistischen Selbstverwertung geschaffen werden! Kreative Tätigkeiten, also “Arbeit”, die sich eben nicht “rechnen” muss, sondern einfach nur Spaß machen könnte und eventuell ein wenig nützlich oder vielleicht sogar sehr nützlich werden könnte!

    Die Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen beruht ja gerade auf der Prämisse, dass Arbeit eigentlich ein menschliches Grundbedürfnis ist! Aber natürlich nicht, eine kapitalistisch entfremdete Arbeit! Jeder der nun davon ausgeht, durch Wegfall des Arbeitszwangs, würden sich Resignation und Selbstbeschädigung breit machen, zeigt damit, dass er selber von einem völlig negativ besetzten Verständnis der Arbeit ausgeht. Behauptet letztlich, der Mensch muss zum Glücklich-sein gezwungen werden.

    Zusätzlich – und das sollte unbedingt beachtet werden, muss innerhalb des Kapitalismus selbst eine Alternative zu ihm selber entwickelt werden! Denn wie wir immer offensichtlicher erkennen, zerstört der Kapitalismus sich, aus sich selbst heraus. Wie sollte aber eine solche Alternative entstehen, wenn die Möglichkeit entweder nur aus kapital-konformer Selbstvermarktung, also Erwerbsarbeit oder aus Resignation bestehen?
    Eine sich entwickelnde Alternative ist Voraussetzung dafür, dass wir dem Kapital- und Menschenverwertungssystem beruhigt einen bewussten(!!!) Tritt geben können und keine (Existenz)Angst vor seinem sich eh anbahnenden Zusammenbruch haben müssen. Und gerade die Entwicklung solcher Alternativen werden einen enormen Stolz erzeugen aber eben kein Selbst-Wert-Gefühl.

    Und selbstverständlich: Ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Möglichkeit zur Entwicklung nicht-kapitalistischer Arbeits- und Lebensformen, ist ohne eine parallel stattfindende Bewusstseinsentwicklung nicht sinnvoll und auch nicht denkbar. Aber ohne eine politische Bewusstwerdung, wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen sowieso nicht durchsetzbar, übrigens genauso wenig wie höhere Löhne oder ein höheres Arbeitslosengeld, bessere Schulbildung, bessere Gesundheitsfürsorge oder weiß ich was.
    Solange wir uns dem Prinzip der Kapitalverwertung unterwerfen wird jede Forderung nach einem besseren Leben von der Notwendigkeit der Wettbewerbsfähigkeit plattgebügelt werden.
    Das aktuelle Ziel sollte in dem Recht zur Entwicklung nicht-kapitalistischer Lebensweisen bestehen. Egal ob über ein BGE oder andere soziale Absicherungssysteme. Das wird ohne Kampf nicht zu haben sein!

  16. era sagt:

    Aus der Mitte entdecke ich den Satz, der mir der Schlüssel zu sein scheint, an dem die verschiedenen Standpunkte sich treffen können:

    >>Ein wirklich sozialer Staat – was ein Staat, der das BGE verwirklichen würde, genauso wenig ist wie derzeit die Bundesrepublik – müsste darauf hinwirken, soziale Ungleichheit zu beseitigen, indem er Menschen ermöglicht, besser an ökonomisches, an soziales, an kulturelles und an symbolisches Kapital zu gelangen.<>Bereits in der legendären Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel (1933), die quasi den Beginn der empirischen Sozialforschung darstellte, wurde in beeindruckender Präzision festgehalten, wohin lang andauernde Arbeitslosigkeit führt:<>ein utopischer Zustand bezahlten Nicht-Arbeitens<>…der hat entweder gute temporäre Kompensationsmechanismen gefunden (wie bspw. ehrenamtliche Tätigkeiten, die in psychologischer Hinsicht zeitweilige Substitute bilden können, aber schwerlich eine gesellschaftsweite Lösung für die Problematik bieten) oder reduziert kognitive Dissonanzen (anders gesagt: macht sich etwas vor).<>die widernatürlichen Aspekte des BGE<>…absehbaren sozialen Konflikten, die aus Sozialneid und Unzufriedenheit darüber resultieren, dass man selbst zur arbeitenden Klasse gehört, damit eine nicht-arbeitende ernährt, deren Kinder sich ihrerseits gar nicht mehr vorstellen können, zu der anderen zu gehören, weil sie vom sozialen, kulturellen und symbolischen Kapitalzufluss der arbeitenden Klasse abgeschnitten wurde.<<
    Das kann man auch als eine Beschreibung des derzeitigen HartzIVsystem lesen. Dieses Problem erscheint mir unabhängig davon aufzutreten, welche Art von Transferleistungen getätigt werden.

    Zum Schluß ein Gedanke über Geld. Warum? Weil Zwischenmenschlichkeit heute fast komplett monetären Regeln unterworfen ist. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch nicht so.
    Die Realität in unserer jetzigen Arbeitsgesellschaft, scheint mir durch "Geld" als Transmissionsriemen für fast alle gesellschaftlichen Transaktionen bestimmt. Nur ganz wenige gesellschaftliche Handlungen sind diesem Vermittler entzogen, wie Heirat, Liebe, Freundschaft etc. und auch hier nicht in allen Fällen. Selbst Kindererziehung, Altersbetreuung, Altersvorsorge usw wird heute durch Geld vermittelt. Geld formt auf diese Weise so gut wie alle zwischenmenschlichen Handlungen und DEFORMIERT sie meiner Meinung nach. War es für Adam Smith noch eine UTOPIE und die von ihm skizzierte monetäre Welt um ihn herum noch nirgends Realität (genauso, wie die von ihm postulierte Tauschwirtschaft nirgendwo Realtiät war, sondern seinem Wunschdenken entsprang – ich beziehe mich auf Graeber),
    so ist diese monetär vermittelte Gesellschaft heute praktisch umgesetzt.
    Unsere Vorstellungen von "Gesellschaft", "Zwischenmenschlichkeit" und gerade auch von "Arbeit" sind also etwas verhältnismäßig Junges, etwas Neues. Und so wären es eher DIESE Vorstellungen, die widernatürlich wären.

    Das BGE könnte Freiräume schaffen (muss es natürlich beileibe nicht!) nicht-monetäre Gruppen zu bilden, die sich aus anderen, rein menschlichen Motiven heraus zusammenfinden und die die Menschen wieder dazu befreiten, nach ihren Veranlagungen zu leben.

    All das sind natürlich reine Spekulationen. allerdings nicht mehr, als Ihre Zukunftsaussichten Spekulationen – fundierte Spekulationen – sind. Aber ich mache meinen Zweifel an Ihrer Kritik zum Schluß an der legendären Umfrage fest, nach der etwa 70 % auch bei Bezug eines BGE arbeiten würden, aber 70 % aussagten, dass es nicht funktionieren würde, weil "die anderen" nicht mehr arbeiten würden. Ich kann Existenz dieser Studie nicht belegen, sie geistert als ein Mythos durch meinen Bekanntenkreis.
    Ich glaube aber, dass dieser Widerspruch zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung die Grundlage für die meisten Kritikpunkte am BGE ist.
    Die Einführung eines BGE würde eine weitreichende Umformung jeder Art menschlicher und wirtschaftlicher Beziehung bedeuten. Ein fundamentaler Paradigmenwechsel. Und bis dahin ergäben sich zahlreiche Umstellungsverluste. Wenn es gut läuft.
    Wenn es nicht gut läuft, wäre das BGE nur ein weiteres, neoliberales Projekt zur Gewinnmaximierung, wie die Überlegungen in Finnland letztes (?) Jahr gezeigt haben.

    Es wäre also eine Aufgabe der Politik, den Wechsel verantwortungsvoll zu gestalten. Und hier verläßt mich mit dem derzeitigen Personal alle Hoffnung.

    • fakeraol sagt:

      Ich hab zunehmendes Magengrummeln beim Lesen bekommen, bis ich an DIESE STELLE gekommen bin:

      “Wer seinen Bourdieu richtig gelesen hat, …”

      Dann hab ich aufgeatmet, klar, “meinen Bourdieu” hab ich einmal auf der Küchenanrichte liegen, und einmal auf dem Küchentisch. Dann einmal im Klo am Band, im Schlafzimmer rechts und links im Nachtschrank, am Computer als Audiobook, und in der Abstellkammer steht er zwischen den Eintopf-Dosen.

      WAS würde ich nur OHNE “MEINEN BOURDIEU” machen, ich müsste mich ja verzweifelt und gequält am Boden winden, wenn er mir nicht die Welt erklärte!?

      – kann dem Studi bitte mal einer nen Spaten in die Hand drücken, damit er das REALE Leben mal kennenlernt (aber bitte mit Halterung für seinen Bourdieu am Griff) –

      Die gleiche Sorte Studierte “in Grün” (oder “Blau”) rennt mir jeden Tag über den Weg, dann mit “ihrem Mieses” oder “ihrem Marx”, oder “ihrem Hayek/Friedmann/etc. pp.”, hoch über ihren Köpfen erhoben, laut rezitierend, die Ungläubigen von ihrem Leiden zu erlösen, keinen Anzubetenden über sich zu haben.

      ****************************************

      Dieser ganze Tanz funktioniert nur mit verallgemeinernden Gleichsetzungen

      * “Gesellschaft” = die von meiner Arbeit leben: Kapitalist, Anleger, etc.

      * sinnstiftendes Gebrauchtwerden = Ausbeutungsplatz

      * Motivation, etwas Nützliches zu tun, nur durch den Zwang der ökonomischen Abhängigkeit

      * Eremiten und „Aussteiger“ als arbeitsscheue Asoziale, die sich nur den segensreichen Wirkungen eines Ausbeutungsplatzes zu entziehen suchen

      In solchen Momenten kommt mir immer der Gedanke, daß jemand, um anderen so etwas unterstellen zu können, wohl selber so ticken muß.

      ———————————————–

      Das BGE krankt nicht daran, daß es die Menschen “faul” machen würde, im Gegenteil. Es krankt daran, daß es wie bei Archimedes keinen festen Punkt gibt, an dem man die Höhe des BGE festmachen kann. Jede Erhöhung des BGE bedeutet mehr Kaufkraft auf dem Markt, die dieser durch höhere Preise zumindest teilweise wieder ausgleicht, womit die nächste BGE-Anpassung fällig wäre.
      Daraus folgt, daß sich der Charakter des Kapitalismus auch mit dem BGE nicht entschärfen lässt, er kann nicht reformiert werden, nur abgeschafft. Außerdem ändert es auch nichts an den systemimanenten Problemen, an der unendlichen Jagd nach höheren Profiten, die zwangsläufig zur Verschärfung der eingesetzten Mittel. bis hin zum (nächsten Welt-)Krieg führt. Ich möchte jedenfalls für kein BGE der Welt als Soldat/Kanonenfutter zu dienen gezwungen sein.

  17. Raoul sagt:

    In einer Welt, in der Arbeitseinkommen immer mehr von Kreativität, Chancen, und Kundengewohnheiten abhängt, immer weniger von Arbeitsqualität- und Quantität, da ist ein Grundeinkommen ein Muss.

    Aber nur ein Grundeinkommen das tatsächlich als Ausgleich für verpasste Gelegenheiten und Chancen gedacht ist, finanziert durch Steuern auf Land und Ideenrenten, auf Superstar- und Supermarkeneinkommen, macht da Sinn.

    Bedingungsloses Grundeinkommen ist die zentrale Vorderung um Sozialer Gerechtigkeit Substanz zu verleihen, im 21. Jahrhundert.

    Natürlich kann die Idee auch von irgendwem verhunzt weden. Auch desshalb muss das Grundeinkommen von der breiten Masse der Bevölkerung eingefordert werden, als Ausdruck von einem Recht auf Teilhabe an dem Wohlstand den wir alle ermöglichen, schaffen und gestalten, als Forderung nach Gerechtigkeit.

    Ach und BGE fördert übrigens die Nachfrage nach Arbeit, zu dem Ausmaß, zu dem es die Gesamtwirtschaftliche Nachfrage ankurbelt.

    Und wenn uns wegen der Automatisierung weiterhin die Arbeit ausgeht, einfach mehr Nachfrage schaffen (Umverteilung von oben nach mitte und unten), oder damit leben dass halt weniger gearbeitet werden muss.

  18. -Ute Plass sagt:

    Der Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative Grundeinkommen meint:
    “Mit Grundeinkommen hätte Trump nie gewonnen”.

    Das verweist einmal mehr darauf, dass das Recht auf eine bedingungslose Existenz-
    sicherung nicht national, sondern universal zu denken ist. Tja, wo ist sie geblieben,
    die linke Internationale?!

    http://www.handelszeitung.ch/politik/mit-grundeinkommen-haette-trump-nie-gewonnen-1292409#disqus_thread

  19. Auch wenn die Deutschen ihn nicht besonders mögen, den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, seine prägnante Forderung nach einem weltweiten BGE ist bemerkenswert:
    http://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Bedingungsloses-Grundeinkommen-BGE-Varoufakis
    (Auf infosperber.ch ins Deutsche übersetzt).

  20. QuestionMark sagt:

    Man vergisst bei der obigen Diskussion immer wieder, dass es bei solchen Transfermodellen lediglich darum ging und geht den Status Quo zu erhalten. Von Anfang an war es das Ziel dabei den Sozialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. (s.dazu Sozialgesetzgebung unter Bismarck).
    Im aktuellen Herrschaftssystem (und das nennt sich nicht Demokratie) geht es nicht um die Menschen. Insofern gesehen würde ein BGE natürlich nur dazu dienen dieses Unrechtssystem aufrechtzuerhalten. Ziel wäre es die Volksmassen noch weiter zu entpolitisieren und damit noch ungefährlicher zu machen. Eine ähnliche Entwicklung haben wir bereits bei den Hartzern in den letzten Jahren sehr schön beobachten können. Die Leute sind politisch deaktiviert und mittels Sozialleistungen/Glotze (Brot und Spiele) sediert.

    Was wäre stattdessen zu tun? Ihr werdet dem Klassenkampf nicht ausweichen können, wenn ihr bessere Verhältnisse für die Massen erreichen wollt. Nur wer die Macht über die Produktionsmittel besitzt, kann auch die aktuellen Herrschaftsverhältnisse brechen.
    Man verkennt auch die Dramatik der aktuellen Situation, wenn man glaubt die Mächtigen hätten die Volksmassen noch nötig um überleben zu können.
    Tatsächlich braucht die Oberschicht den größten Teil der Menschen auf diesem Planeten überhaupt nicht mehr.
    Das sollte euch zu denken geben. Ihr habt nämlich für die Oberschicht längst keinen Wert mehr. Gleichzeitig verschlingt ihr Ressourcen.

    • -Ute Plass sagt:

      “Was wäre stattdessen zu tun? Ihr werdet dem Klassenkampf nicht ausweichen können, wenn ihr bessere Verhältnisse für die Massen erreichen wollt. Nur wer die Macht über die Produktionsmittel besitzt, kann auch die aktuellen Herrschaftsverhältnisse brechen.”

      Wen meinen Sie mit “ihr”?
      Wie sieht ihre Idee aus, “die Macht über die Produktionsmittel” zu bekommen?
      Haben Sie die Kommentare auf diesen Beitrag hier überhaupt zur Kenntnis genommen?

      Antworten auf ihre Einwände gibt hier der marxistische Philosoph Karl Reitter:
      http://homepage.univie.ac.at/karl.reitter/artikel/dimensionen%20des%20grundeinkommens.htm

      • QuestionMark sagt:

        Die ganze Diskussion krankt doch ziemlich. Zum einen werden die Herrschaftsverhältnisse ignoriert. Zum anderen meint man, wir hätten primär ein Geldproblem.
        Beides stellt einen völlig falschen Ansatz dar.

        Aber zuvor wollen wir mal definieren wen ich mit “Wir” gemeint habe. Mit “Wir” meinte ich: All diejenigen, die sich als Mietsklaven auf dem Sklavenmarkt (umgangssprachlich “Arbeitsmarkt”) verkaufen müssen um ihre Existenz bestreiten zu können.
        Warum müssen wir das denn tun? Warum müssen wir uns am Markt verkaufen?
        Darum: Wir verfügen nicht über die notwendigen Produktionsmittel um uns organisieren und selbst versorgen zu können. Wir benötigen Tauschmittel (=Geld) um das Lebensnotwendige erwerben zu können.
        Wem gehören die Produktionsmittel?
        Vereinfachte Antwort: Dem Staat und den “Kapitalisten”.
        Die Produktionsmittel sind in den Händen einiger Weniger und diese Enteignung der Gesellschaft führt zur gegenwärtigen Massensklaverei.
        So weit die wenig berücksichtigten Fakten.
        Wer also die Massensklaverei zurückführen will (=Befreiung des Menschen vom Joch der Kapitalisten), der muß dafür sorgen, dass die Produktionsmittel wieder in die Hände der Gemeinschaft fallen. Dazu wird man sich (wohl oder übel) mit dem Herrschaftssystem anlegen müssen. Freiwillig werden die diese Mittelchen nicht herausgeben.

        Warum ist das BGE keine herrschaftskritische Alternative? Darum: Man übernimmt weiterhin keinerlei Verantwortung für die Produktion und möchte lediglich den “Basiskonsum” über Geldtransfers abwickeln.
        Ganz im Stil eines Schmarotzers. Motto: Sollen doch die anderen für den Kapitalisten schuften. Ich lasse mir einfach einen Brocken überweisen und lebe dann auf Kosten der anderen. Juhu!

        Das ist wirklich ein wirtschaftspolitisch dummer Ansatz. Denn: Mit den Geldtransfers lässt man sich abspeisen (=>man kann ja jetzt ein bißchen konsumieren; genauso leistungslos wie der Kapitalist; wie toll) und akzeptiert damit die aktuellen Produktionsverhältnisse und damit auch die Enteignung der Gemeinschaft durch Kapitalisten und Staat.

        Wie die ganze Sache praktisch aussieht, das kann man schon jetzt anhand der vielen Hartzer erkennen: Wir haben eine völlig unpolitische und sedierte Gruppe bekommen, die man zu Schmarotzern und Almosenempfängern heruntergestuft hat und die mittellos und perspektivlos vor sich hin vegetieren.
        Deshalb: Weg vom Almosenverteilen. Vergemeinschaftung der Produktionsmittel damit JEDEM eine Perspektive gegeben ist und JEDER sich etwas erarbeiten kann.

  21. Es ist erstaunlich, wie tief der Erwerbsarbeits-Fetisch immer noch ins linke bzw. kritische Spektrum hinein ragt. Man will sich partout nicht von der Vorstellung trennen, dass der Mensch von Natur aus bequem und egoistisch ist und zum Tätigsein in einer Gemeinschaft erst nachdrücklich gezwungen werden müsse.

    http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/unmenschfaktor-lohnarbeit

    • QuestionMark sagt:

      Und die Verfechter des BGE haben noch nicht erkannt, dass nicht das (bedingungslose oder bedingte) “Einkommen” das Problem ist, sondern die fehlenden Produktionsmittel um eigenverantwortlich seine Existenz bestreiten zu können.

  22. -Ute Plass sagt:

    @QuestionMark – Sie irren sich.

    Nicht wenige BefürworterInnen einer
    bedingungslosen Existenzsicherung betrachten ein BGE als Teil der (Los)Lösung
    aus kapitalistischen, lohnabhängigen Verhältnissen.
    Ich verweise nochmal auf die o.a. verlinkten Beiträge von Andreas Exner und Karl Reitter.
    Sie dürfen davon ausgehen, dass Sie nicht allein auf der Welt sind, der
    Kapitalismus- und Herrschaftskritik übt. An Ihrer Art von Kritik stört mich,
    dass sie nicht wenigen Menschen unterstellen, dass es ihnen am ‘richtigen Bewusstsein fehle’. Mit Abwertung und Überheblichkeit werden sie diese Menschen
    für die notwendige Weltveränderung nicht gewinnen.

    Ihre Einlassungen lassen vermuten, dass Sie nicht interessiert sind zu erfahren,
    welches Potential eine bedingungslose Existenzsicherung bietet, um aus vorherrschenden Ausbeutungsverhältnissen heraus zu finden. :-(

    • QuestionMark sagt:

      Ich habe den verlinkten Text vollständig gelesen. Es sind darin durchaus auch herrschaftskritische Gedanken enthalten. Leider aber nicht konsequent zu Ende gedacht.
      Der eigentliche Fehler beginnt schon am Anfang. Dort wird das zugrundeliegende Problem (=der gesellschaftliche Klassenkonflikt) überhaupt nicht thematisiert.
      “Falsches Bewußtsein” will ich den Autoren überhaupt nicht unterstellen. Vermutlich wissen die schon worum es geht. Aber oft ist es aktuell so, dass man sich aus purer Verzweiflung an jeden Strohhalm klammert. Und einer dieser Strohhalme ist da eben das BGE.

      Ich habe übrigens deshalb auf die Hartzer verwiesen, da wir dieses Experiment dort bereits beobachten können. Und: Wir erleben eben keine Emanzipation wenn wir die Menschen implizit demütigen indem wir sie mit Almosen versorgen. Das vergiftet nur das gesellschaftliche Klima. Sowohl auf Seiten der Almosenempfänger als auch auf Seiten derjenigen die (durch Zwangsabgaben) zur Finanzierung der Almosen herangezogen werden.

      Wir müssen es irgendwie schaffen, dass wir den Menschen aufzeigen das sie in diesem System unterdrückt werden. Und das dieses ganze System nur funktioniert weil man uns alle enteignet hat. Dieses Unrecht muß man irgendwie “rüberbekommen”.

      Deshalb übrigens auch der aggressive Ton. Er soll die Leute aus ihrem sedierten Zustand holen.

      • -Ute Plass sagt:

        Dass Menschen sich aus vorherrschenden Unterdrückungsverhältnissen befreien wollen zeigt doch gerade die vielschichtige Debatte um ein BGE.

        Daher bleibt mir unverständlich, warum immer wieder Hartz-Bezieherinnen
        als Argument gegen ein BGE angeführt werden, wo gerade doch eine bedingungslose Existenzsicherung allen erst die Basis gibt, in Freiheit
        tätig werden zu können.
        Der Rückgriff auf eine überholte, verstaubte Studie wie “Die Arbeitslosen
        von Marienthal” ist lediglich die Bestätigung dafür, wie Repressionsverhältnisse Menschen zurichten und kann doch nicht ernsthaft
        als Beweis dafür gelten, dass Menschen nicht fähig wären zu selbst bestimmtem Leben.

        Und dass immer noch Klassenkampf in der Welt vorherrscht, kann angesichts
        der Sprüche eines Warren Buffet gar nicht in Vergessenheit geraten!

        Niemand behauptet, dass ein BGE der Weisheit letzter Schluss wäre.
        Dass es mit zur Transformation kapitalistischer Verhältnisse beitragen kann, davon bin ich überzeugt.
        Folgende Lektüre bestätigt mich darin:http://aufhebung.masch-hamburg.de/

        Hörens- bzw. lesenswert auch das hier:
        http://www.deutschlandfunk.de/oekonomisches-weltsystem-postkapitalistische-perspektiven.1184.de.html?dram:article_id=377145

        Könnte auch Ihnen gefallen und Sie unterstützen in Ihrem
        Engagement für das gute Leben aller Menschen. :-)

        • QuestionMark sagt:

          Ich hatte es weiter oben schon erwähnt: Nicht das fehlende Grundeinkommen ist das Problem. Auch nicht das fehlende Geld. Sondern: Die (für die meisten) fehlenden Möglichkeiten sich eine eigene Existenz erwirtschaften zu können.
          Es fehlt der Zugriff auf die Produktionsmittel. Letztere sind in den Händen von Staat und Kapital. Und werden damit von den Unrechten beherrscht.

          Wenn sie die Leute über Almosen weiterhin zu Schmarotzern degradieren, dann lösen sie überhaupt kein Problem. Sie haben tatsächlich das eigentliche Problem noch nicht mal erkannt.
          Tatsächlich legen sie dann “vertrauensvoll” ihre Existenz weiterhin in die Hände von Lumpen, Lügnern und Betrügern (Staat und Kapital).

          Ich erinnere auch noch mal an Bismarck: Der hat die sozialen Sicherungssysteme neben den Sozialistengesetzen eingeführt. Und das eben nicht um das herrschende System in Frage zu stellen. Sondern: Um die herrschende Tyrannei zu konservieren. Bismarck dokumentiert seine Motivation relativ deutlich in seinen Publikationen.

          Sie bewegen sich also (nach wie vor) innerhalb der Systemlogik. Nicht das herrschende System ist das Problem, sondern nur der (vermeintliche oder tatsächliche) Geldmangel. Aber: Geld kann man nicht fressen.

  23. -Ute Plass sagt:

    “Was sind eigentlich die Ziele des Grundeinkommens? Der Zwang zur Lohn- und Erwerbsarbeit soll möglichst aufgehoben und alle Tätigkeiten, vor allem auch die unentlohnten, gesellschaftlich anerkannt werden. Zudem formuliert das Grundeinkommen ein Distributionsprinzip, das auch in einer nachkapitalistischen Gesellschaft Grundlage der Verteilung des geschaffenen Reichtums sein könnte.[3] Dem wird entgegengehalten, das sei alles zu wenig radikal, das taste das Eigentum an Produktionsmitteln nicht an und ob das Grundeinkommen den „Arbeitszwang“ (Angela Kein) wirklich aufhebe, sei von der Höhe abhängig. Zweifellos, als gesellschaftliche Institution bleibt die Lohnarbeit einmal bestehen, die Frage nach dem Eigentum an Produktionsmitteln wird nicht umfassend gestellt (obwohl Produktionsmittel keineswegs ausschließlich mit industriellen Produktionsanlagen gleichgesetzt werden können). Darüber hinaus löst ein bedingungsloses Grundeinkommen keineswegs die Frage nach den Strukturen einer nachkapitalistischen Ökonomie. Welche Alternativen skizzieren nun die KritikerInnen des Grundeinkommens? Wie greifen sie den Impuls auf, der von der Vorstellung, „in Freiheit tätig zu sein“ (so lautete das Motto des großen Kongresses zum Grundeinkommen letzten Herbst in Wien) ausgeht?”

    “Was ich an der linken Kritik am Grundeinkommen so ärgerlich finde ist nicht, dass die KritikerInnen über keine klaren Vorstellungen möglicher Alternativen verfügen, sondern dass sie so tun, als hätten sie welche.”

    Zitiert aus: http://www.trend.infopartisan.net/trd0207/t110207.html

    • QuestionMark sagt:

      Also ich hätte da schon einige klare Vorstellungen von einer (halbwegs) vernünftigen Gesellschaft.
      Beginnen wir mal mit einer banalen und trotzdem elementaren Sache.
      Grund und Boden beispielsweise.

      In einer sozialistischen nichtkapitalistischen Gesellschaft würde jeder (ja, einfach so) Grund und Boden zugeteilt bekommen. Und sie würden auch mindestens ein bißchen Baumaterial in die Hand gedrückt bekommen um sich auf ihrem Grundstück dann eine “Bretterbude” stellen zu können. Wäre doch schon mal etwas, oder?
      Das geht auch ganz ohne Geld, so lange genügend Ressourcen da sind.

      Wie sieht die Sache heute aus? Sie müssen sich beim (boshaft gesprochen) “Zinsjuden” erst mal einen Kredit besorgen (Laufzeit 30 Jahre und mehr) um sich dann ein erschlossenes Grundstück kaufen zu könnnen (70.000 Euro und mehr) und sich dann darauf einen Betonbunker (drunter geht nicht; das wird ihnen vom Bauamt verboten; passt nicht ins “Landschaftsbild”; Preis 200.000Euro) stellen lassen zu können. Selbst können sie das Ding nicht hinstellen, da sie ihre liebe Lebenszeit auf “Arbeit” abhängen und sich dort vom Kapitalisten auspressen lassen müssen (sofern noch Arbeit da ist; ansonsten hängen sie dort einfach nur ab).

      Und so können sie jedes Thema durchgehen. Letztlich würden die Kapitalisten entmachtet werden und die Ressourcen wieder vergemeinschaftet. That’s it.

      Ich hoffe die Herrschaftsebene (“Zinsjude”) ist jetzt endlich rübergekommen. Es handelt sich bei alledem eben nicht um eine “natürliche” Ordnung. Sondern um ein repressives Herrschaftssystem.

  24. -Ute Plass sagt:

    In Wien findet ab 9. Februar ein Kongress statt, bei dem das BGE eine Vision
    von vielen sein wird:

    http://www.guteslebenfueralle.org/de/kongress.html

    Da bereits ausgebucht, kann man via Livestream teilnehmen.

  25. Paul Lafargue sagt:

    Ich brauche Deine Arbeit nicht, behalte sie!
    Und: Ich beziehe mein Selbstwertgefühl nicht aus Arbeit.
    Weiterhin hoffe ich mal, dass der Autor an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW nicht Mitarbeiter von Arbeitsämtern ausbildet.

Einen Kommentar hinterlassen

Kommentar abschicken

le-bohemien