Antideutsches Denken
Pseudo-linke Ideologie

Die Sache hat System: Nicht nur innerhalb der Linken hat sich eine Bewegung etabliert, die die Instrumentalisierung von Juden und Antisemitismusvorwürfen gut beherrscht.

Antideutsche

Foto: Israel Defense Forces / flickr / CC BY-NC 2.0

Von Sabine Schiffer

Teil 1 Um welches Phänomen geht es?

Als der Antisemitismusvorwurf gegen den griechischen Finanzminister Varoufakis und die gesamte griechische Regierung aufkam, schickte mir mein Kollege einen Hinweis auf den Artikel in Springers „Welt“ mit dem Vermerk: „Da ist es.“ Ja, wir hatten so etwas erwartet. Denn es ist in den letzten Jahren gängige Praxis geworden, dass Kritik am Wirtschaftssystem mit Antisemitismusvorwürfen bekämpft und somit erschwert wird. Dies erging der globalisierungskritischen Bewegung Attac ebenso wie Blockupy oder Sarah Wagenknecht. Letztere wurde kürzlich in Twitter mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert, weil sie in einer Talkshow kritisiert hatte, dass man in Griechenland einen Umbau der Wirtschaft im neoliberalen Sinne durchführe. Wohlgemerkt, sie hat sich dabei nicht auf Juden bezogen, aber sie hat Kategorien der Wirtschaft angesprochen. Diejenigen, die dann „Antisemitismus“ schreien, werfen den Kritikern des Wirtschaftssystems einen Zusammenhang mit dem Judentum vor, den sie selber erst herstellen. Das hat Tradition und scheint eine effektive Strategie, um finanz-, wirtschafts- und kapitalismuskritische Positionen zu verunmöglichen.

Im Falle Yannis Varoufakis’ löste sich die Sache relativ schnell in Wohlgefallen auf – nicht zuletzt durch einen Beitrag auf Spiegel-online. Dort wurde die völkerrechtliche Position des unbequemen Finanzministers gegenüber den Palästinensern erläutert, die er vor Jahren in einer Radiosendung in Australien vertreten hat: Es ging um den „Mauerbau“ in Israel. Wurde also hier Israel als Vorwand benutzt, um eine Person zu diskreditieren, die einige Regularien europäischen und anglo-amerikanischen Neoliberalismus in Frage stellt, indem er sich gegen die Auflagen der nicht gewählten Troika stellt? [Schumann-Doku „Macht ohne Kontrolle“ 90 Min]

Es sieht ganz so aus und die Sache hat System. Gerade innerhalb der Linken – aber nicht nur dort – hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten eine Bewegung etabliert und wichtige Schaltstellen besetzt, die die Instrumentalisierung von Juden und Antisemitismusvorwürfen gut beherrscht. Dies kann man anhand der Arbeitsweise eines Bundesarbeitskreises Shalom (BAK-Shalom) der Linksjugend nachvollziehen. Wer nämlich die Prinzipien des BAK-Shalom liest, wird nicht mehr darauf hereinfallen, dass es sich – wie der Name suggeriert – um Israelsolidarität und Friedensliebe handeln könnte. Der ganze zur Schau gestellte Israel-Fetisch in Form von Fahnen, Stickern und dergleichen dient ganz anderen Zwecken.

Wie hältst Du es mit Israel?

Der Mythos einer bedingungslosen Israelsolidarität wurde nicht zuletzt durch die Studie zum deutschen Diskurs über den Nahostkonflikt von Prof. Wilhelm Kempf an der Uni Konstanz widerlegt, aus der hervorging, dass die sog. Israel-Freunde antisemitischer sind als die sog. Palästina-Freunde. Um die Komplexität und Aussagekraft der Studie einschätzen zu können, empfehle ich das Interview mit Rolf Verleger hier auf den Nachdenkseiten. Psychologieprofessor Verleger war als Berater der Studie tätig und erläutert die Ergebnisse nachvollziehbar, obwohl die Studie komplex angelegt ist – ihre Stärke und Schwäche zugleich, denn im Mediendiskurs wird Einfachheit bevorzugt.

Aber bereits die Gründungserklärung des BAK-Shalom vom Mai 2007 gibt genügend Hinweise, worum es wirklich geht und warum die ideologische Verknüpfung mit Israel und Juden dafür nötig ist. Ziel der Plattform ist angeblich die Bekämpfung von „Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressivem Antikapitalismus“. Dabei betont man einerseits die Rolle Israels als Paria unter den Staaten und stellt nüchtern fest, wo sich Linke rauszuhalten haben:

„Die deutsche Linke wird den Nahostkonflikt nicht lösen. Deshalb geht es uns nicht um konkrete Vorschläge für ein Vorankommen des Friedensprozesses.“

Das ist eindeutig und das merkt man, wenn Vertreter dieser Strömung auftreten – denn dem Frieden sind sie nicht verpflichtet. So wird die palästinensische Hamas (deren Gründung von Israel als Gegengewicht zur PLO unterstützt wurde), nicht als antiisraelisch, sondern als antisemitisch eingestuft und ein „eliminatorischer Judenhass“ bei ihr ausgemacht. Diese Verkürzung erlaubt es, jeder Friedensverhandlung mit dieser Organisation und den Palästinensern generell eine Absage zu erteilen.

Statt im klassischen linken Sinne Herrschaftsverhältnisse zu analysieren und den Stärkeren und den Schwächeren im Nahostkonflikt festzustellen, wird mit dem Verweis auf „antiemanzipatorische Bewegungen“, wie beispielsweise die Hamas, der Bogen zur Abschaffung einer weiteren linken Position geschlagen: die Absage an den angeblich „obsoleten Antiimperialismus“ (sic!). Die geforderte Absage an den Antiimperialismus diene als „Voraussetzung für die Neukonstituierung einer emanzipatorischen Gesellschaftskritik.“ Emanzipatorisch, also fortschrittlich, sei demnach auch, entgegen dem Antiamerikanismus nun an der Seite „Amerikas“ gegen die antimodernen und antisemitischen Feinde der USA und Israels zu kämpfen – also gegen „den politischen Islam“. Dieser sei eben keine „nationale Befreiungsbewegung“ mit „fortschrittlichen Zielen“, deshalb dürfe sie trotz der völkerrechtswidrigen Herrschaftsverhältnisse nicht unterstützt werden. Mit dieser Absage an linke Herrschaftskritik wird das Tor für die Unterstützung von Kriegstreibern aufgestoßen.

Über diese Stufen der Aushebelung linker Positionen, über denen stets das Damoklesschwert des früher vornehmlich rechts verorteten Antisemitismus schwebt, wird der Schwenk hin zu der Behauptung einer Übernahme rechter Positionen durch die Linke gemacht. Demnach seien die „nazistische Hetze gegen den liberalen Kapitalismus, das Finanzkapital und die Globalisierung“ Teil der nicht fortschrittlichen, sprich „regressiven“, Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft. Nun ist klar, was mit regressivem Antikapitalismus gemeint ist, nämlich jede Kritik am Kapitalismus.

Damit ist auch klar, dass die sog. antideutsche Bewegung (deren Gründungsgeschichte wir uns hier ersparen wollen) eine zutiefst antilinke Bewegung ist. Ein Kuckucksei im Nest der einzig verbliebenen politischen Partei, die noch in Teilen gegen den Kapitalismus als Akkumulationssystem zuungunsten der Mehrheit der Menschen und gegen die daraus resultierenden Kriege (=Imperialismus), die das Völkerrecht verletzen, sind. Und dafür muss Israel als Metapher herhalten. Und um die hier entworfene Grundkonstellation nicht zu gefährden, darf auch der Nahostkonflikt nicht gelöst werden – genauso wenig wie der gleichzeitig implizierte „War on Terror“. In diese Logik passt die von einem Stephan Grigat mit Vehemenz betriebene Initiative „Stop the Bomb“, wo es vermeintlich um die Verhinderung einer iranischen Atombombe geht – in Wirklichkeit aber um die Legitimation zum Angriff auf den Iran, angeblich aus Liebe zu Israel.

Bei Organisationen wie dem BAK Shalom handelt es sich im Grunde um eine Art Rekrutierungsplattform, von wo aus Netzwerke in die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Partei Die Linke hinein geknüpft werden. Bestimmte Karrieren wurden gezielt gefördert und damit können durchschaubare Interessen durchgedrückt werden – wie in einem Artikel des Magazins Hintergrund ausführlich beschrieben wird.

Tod auch dem Antifaschismus

Die Aufsatzsammlung von Susann Witt-Stahl und Michael Sommer mit dem Titel „Antifa heißt Luftangriff“ unterstreicht, wie der Antifaschismus durch diese Strategie neutralisiert wird. Die Herausgeber legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen Antifaschisten und Nazi-Gegnern. Letztere bekämpfen nur Nazis, eine bestimmte Erscheinungsform von Faschismus. Erstere hingegen nehmen alle Erscheinungsweisen des Faschismus in den Blick, bekämpfen seine Ursachen, also die kapitalistische Produktionsweise, und fordern deren vollständige Beseitigung.

Pseudo-Antifaschisten wie etwa „Antideutsche“ nennen sich oft genug weiterhin „Antifa“, obwohl sie im Grunde für den Erhalt der kapitalistischen Verhältnisse kämpfen – sie sind getarnte Neocons oder Neurechte. Wie militant die Vertreter dieser anti-Antifa auftreten, erfuhr Herausgeberin Witt-Stahl bei einer Lesung während der Leipziger Buchmesse. Antideutsche begnügten sich nicht mehr nur mit Stören und Pöbeleien, sondern gingen physisch aggressiv gegen anwesende Araber im Publikum vor.

Zu den neuen Strategien der Bewegung weiter unten mehr. Im Moment bleiben wir noch bei den antilinken Argumentationsmustern, weil man diese inzwischen in einigen Diskursen zur Befürwortung von Krieg und Neoliberalismus wiederfinden kann – und zwar überparteilich. Wenn es nicht verblendete Jugendliche wären, könnte man glatt meinen, das ausgeklügelte System hätten sich Agenten ausgedacht.

Teil 2 Entlarvende Argumentationsmuster
Teil 3 Neue PR-Strategien für den Kampf der Neocons

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23 Kommentare zu "Antideutsches Denken
Pseudo-linke Ideologie"

  1. kaufi sagt:

    In Schulnoten ausgedrückt, eine glatte Eins für den Artikel.

    Herzliche Grüße,
    http://www.fogy-wirbelwind.de/images/himmlisches-24.11.2013–40_579.jpg
    kaufi

  2. Pique Dame sagt:

    Herzlichen Dank für diesen aufschlussreichen Text!

  3. Herzlichen Dank!
    Ich werde zur Verbreitung dieser Fakten meinSchärflein beitragen.

  4. Großherzog & Kapitän sagt:

    Liebe Frau Schiffer,

    vielen Dank für Ihren wirklich sehr aufschlüsselnden Artikel. Ich beobachte dieses Phänomen seit einiger Zeit, meist eher am Rande des Geschehens, bin jedoch zunehmend davon überrascht, an welchen Stellen, medial oder im sozialen Raum, diese neuen Definitionen (insbes. verkürzte Kapitalismuskritik wie auch Antisemitismus, -amerikanismusvorwürfe innerhalb wirtschafts- und kapitalismuskritischer Diskussionen und Debatten) mit steter Zunahme aufkeimen. Selbst auf Veranstaltungen der Antifa selbst sind derlei Trends zu bemerken. Meines Erachtens hat die Linke oder die Linken, Antifaschisten, Marx- und/oder Leninisten w.a.i. dieses Problem noch nicht oder noch nicht in seinem vollen Umfang erfasst und verstanden. Die potentielle Gefahr, die es besonders für die politische Debatte der eigentlichen Themen und der Verteidigung linker und humanistischer Positionen und Friedensbemühungen hat, wird stillschweigend hingenommen, als gäbe es sie nicht. Dieser Teufelskreis ergibt sich jedoch m.E. zum einen aus einer, wie sie richtig beschreiben, Begründungsstrategie, deren Eckpunkte unhaltbar sind, sich jedoch gegenseitig stützen und damit eine Diskussion ohne tiefergehendes Wissen im Keim ersticken und zweitens das Unverständnis über eben diese Systematik. Ihr Artikel setzt hier einen wunderbaren aufklärerischen Meilenstein in dieser Debatte, die endlich eine werden soll, damit wir endlich wieder zu dem Punkt politischer Diskussion kommen können, in der es um des Kaisers Kleider geht und nicht der Zersetzung einer humanistischen, friedlichen und aufgeklärten Gesellschaft. Die Linken sollten sich der Schlagwortkampagne so rasch wie möglich entledigen. Aufklärung ist hier der Schlüssel und Ihr Artikel zeigt, wie dumm und ideologisch verblendet diese Kampagne geführt und wie einfach sie doch zu durchschauen ist. Ich werde Sie weiter empfehlen! Meinen ergebensten Dank.

  5. manuel sagt:

    dieser peinlich artikel macht vorallem folgendes deutlich:
    die eigene israelfeindliche und regressiv kapitalismus-kritische position wird versucht gegenüber der treffenden kritik zu verteidigen und zu rehabilitieren und die kritik an strukturell antisemitischen positionen (bzgl israel und “kapitalismuskritik”) wird auch trotz lektüre der “antideutschen”-texte nicht verstanden. peinlich peinlich

  6. manuel sagt:

    “Pseudo-Antifaschisten wie etwa „Antideutsche“ nennen sich oft genug weiterhin „Antifa“, obwohl sie im Grunde für den Erhalt der kapitalistischen Verhältnisse kämpfen – sie sind getarnte Neocons oder Neurechte.”

    haha. dass die sogenannten “antideutschen” eine radikale kommunistische position vertreten lasst ihr einfach mal fallen. würdet ihr euch wirklich mit den “antideutschen” beschäftigen, wüsstet ihr, dass hier die marx-lektüre und die kapitalismus-kritik besonders ernst genommen wird. woher auch die kritik an verkürzten kapitalismuskritiken herrührt.

    “Wie militant die Vertreter dieser anti-Antifa auftreten, erfuhr Herausgeberin Witt-Stahl bei einer Lesung während der Leipziger Buchmesse. Antideutsche begnügten sich nicht mehr nur mit Stören und Pöbeleien, sondern gingen physisch aggressiv gegen anwesende Araber im Publikum vor.”

    Glatte Lüge. Die “Araber” haben nachweislich kritische Anwesende angegriffen und verletzt. Dreister Scheiß der hier verbreitet wird. Antisemitische Schläger zu Opfer umdeuten ist halt deutsche Tradition.

    • Idahoe sagt:

      Antideutsche vertreten nur EXTREM WIDERSPRÜCHLICHE Positionen.

      Um etwas verstehen zu könne, muß ein Mensch einen Text auch nachvollziehen können, wenn dieser voller Widersprüche steckt, ist es gerade nicht möglich diesen zu verstehen.

      An eurer Logik solltet ihr endlich mal arbeiten. Obwohl…

      …einem Gläubigen die eigenen Widersprüche gar nicht erst auffallen, denn er ist ja bereits im Besitz der einzig wahren Wahrheit, da wäre, nach Franz Arwee, Wissen nur eine Behinderung.

      • Oops, I bombed them again sagt:

        Um antideutsche Kritik kapieren zu können, müsste man sich halt mal mit kritischer Theorie beschäftigen. Wer das tun würde, der wüsste dann eventuell auch, dass dies allein schon kaum mit einem Anspruch auf den “Besitz der einzigen Wahrheit” einhergehen kann. Aber gut …

        All jene, die hier so vehement gegen böse “Antideutsche” wettern:
        Warum macht ihr Euch nicht die Mühe und lest mal antideutsche Texte / Bücher? Setzt Euch doch mal tatsächlich inhaltlich damit auseinander, statt die ewiggleichen Ressentiments widerzukäuen.
        Aber gut, das kann man wohl nicht erwarten … identitätsstärkendes Gemaule, dass einen mit der Masse versöhnt, ist vermutlich einfach bequemer und “gewinnbringender”!?

  7. nejtysk sagt:

    Hier scheinen mir beide Seiten in “linken” Sektendenken verheddert zu sein in denen bestimmte Begriffe verehrt werden. Begriffe wie Anti-Faschismus oder Anti-Imperialismus sind komplett unzureichend um irgendetwas heute zu erklären oder gar zu lösen. Faschismus war eine italienische Ideologie bestehend aus Nationalismus, Kult des alten Roms und einigen nicht-marxistischen Sozialismus Ideen. Durch Stalin hat sich später der Begriff auf im Prinzip alle anderen Ideologien übertragen, egal ob nun Christlich-Konservative (“Klerikalfaschisten”) oder Sozialdemokraten (“Sozialfaschisten”). Der Begriff “Faschismus” sagt ausserhalb Italiens und kleinerer Bewegungen in z.B. Spanien (die dort aber nie dominierend waren und von Franco mit ein paar symbolischen Brotkrumen versorgt wurden) ist also vollkommen hohl und nichts sagend.

    Sonst geht es hier um zwei Phänomene der Antideutschen Ideologie:
    1. Die Instrumentalisierung von Antisemitismus Vorwürfen zur Schädigung von Kapitalismus Kritikern.
    2. Die Anbetung des Staates Israel als ultimativen Zweckes des Seins. Israel ist für die Antideutschen eine Art Gottheit, die sie aus einem Empfinden der eigenen nationalen Schuld verehren. Durch die ständige Bekämpfung der eigenen nationalen Identität (womit die Antideutschen auch im Nationen-Denken gefangen sind) wird das Gefühl von eigener moralischer Überlegenheit und das Gefühl der religiösen Erlösung hervorgerufen, oder zumindest ist dies die Hoffnung, die sich allerdings selten länger einstellt.

  8. Chris sagt:

    @manuel @nejtysk schön, wie die antideutsch indoktrinierten sich immer wieder selbst entblössen

  9. saywhat sagt:

    @Chris

    Gegenüber nejtysk ist der Vorwurf doch völlig unangebracht?

    Und lasst manuel doch besser erklären, was er damit meint, dass die antideutsche Bewegung antikapitalistisch eingestellt sein soll, wenn sie mit der USA und Israel lobbygeleitete Kapitalismusbefürworter blind und geradezu nationalistisch unterstützt (siehe “DROP-THE-BOMB” Aktion). Vielleicht kann er uns das genauer erläutern? Würde mich interessieren.

    • ernte23 sagt:

      Dialektik heißt – schätze ich – das Zauberwort zum Verständnis, denn, um antideutsch sein zu können, braucht es Deutschland, wie nejtysk schon richtig anmerkte. Der Widerspruch von antideutsch und deutsch soll dialektisch aufgehoben werden, d.h., Deutschland soll auf einer höheren Ebene überwunden werden, dürfte das Grundmuster sein, nach dem diese Geschmacksrichtung der Diaklektik funktioniert. Wie genau lässt sich daraus aber nicht klar folgern. Mein Eindruck ist nur, dass je widersprüchlicher politische Stellungnahmen sind, desto sicherer sind sich manche Dialektikfans, dass sie das richtige tun.

  10. saywhat sagt:

    srry ich meinte “STOP-THE-BOMB” (aka Iranisches Atomprogramm)

  11. Chris sagt:

    @saywhat ich fand dropp the bomb ganz passend, wenn man sich mal das programm durchließt

  12. chomskyy sagt:

    Zu den Antideutschen und dem Antisemitismus-Vorwurf lohnt sich die Lektüre von Moshe Zuckermann:

    2004: Was heißt: Solidarität mit Israel? In: Gerhard Hanloser (Hrsg.): „Sie waren die Antideutschesten der deutschen Linken. Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik.

    „Antisemit!“. Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument. Promedia, Wien 2010

    Und sonst: Heute gerade auf den Nachdenkseiten ein Beitrag erschienen:

    Die Antisemitismus-Kampagne gegen links

    Wolfgang Gehrcke
    Auf Erhebungen und Widerstand reagieren die Medien stets mit Spaltungs- und Diskreditierungsversuchen wider die politische Opposition. Da ist, so wird behauptet, die Friedensbewegung dann mal eben „Querfront“, besteht der Blockupy-Protest aus einem Haufen gefährlicher „Radikaler“ und „Extremisten“ und wird ein zu Gentrifizierung forschender Wissenschaftler zum „Terroristen“. Und da ist eine Anti-NATO-Position eben „antiamerikanisch“ und friedenspolitisches Engagement durch „Antisemitismus“ bestimmt. Und überhaupt sind viele linke Kritiken an den bestehenden Verhältnissen eigentlich antisemitisch konnotiert. Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke, der in einem aktuellen Buch eine Rufmordkampagne vermittels des Antisemitismus-Vorwurfes konstatiert.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=25805

  13. Pistepirkko sagt:

    Ich bin nicht mehr links, sondern Mensch geworden.
    Warum? Nun, weil auch die Linken nur die Kehrseite der kapitalistischen Madallie sind und niemals wirkliche eine Alternative zum warenproduzierendem System waren.
    Rechts ist die Ausnutzung von Arbeitskraft um in einem warenproduzierendem System einen Mehrwert zu schaffen. Für andere zu schaffen = Kapitalismus.
    Wer nichts besitzt muss sich, seine Arbeitskraft, verkaufen. War auch im Ostblock so. Da war der Staat der Kapitalist.

    Und was hat das mit links zu tun?
    Die linke Seite bietet keine Alternative. Die linke Seite will nur die Zumutungen der kapitalistischen Marktwirtschaft abmildern. Sie hat in keinem Falle auch nur annähernd daran gedacht die Möglichkeiten des Systems zum Wohle der Menschen einzusetzen. In den Kernländern der Marktwirtschaft hat sie schon immer mit der Rechten geheult. Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. 1914 wie mit der Agenda 2010. In den Randgebieten der kapitalistischen Marktwirtschaft war sie nur ein Modernisierungsschub um eine Aufholjagd gegenüber den etablierten Ländern zu starten. Alles unter dem Mantel des Sozialismus um sich einen sozialen Anstrich zu geben. Dabei wir aber vergessen diese “Linken” die 300 Jahre an Zumutungen die schon im Kapitalismus herrschten, in die Jahren 1925 bis 1989 komprimierten.

    Dieses anerkennen kapitalistischer Hoheitsstruckturen bedingt den Konkurrenzkampf in sich, der sich bis auf die zwischenstaatlichen Beziehung auswirkt und zum ablenken der eigenen Unzulänglichkeit, in Bezug auf eine wirkliche Alternative zur Marktwirtschaft, instrumentalisieren lässt.
    Dies ist auch 2000 Jahre alte Gesellschaftspolitik. Teile und herrsche.

    Somit ist die logische Konsequenz nur diese das der Nahe Osten geteilt werden muss und Israel und die arabischen Stämme unter sich geteilt werden müssen. Denn nur dies garantiert das die Menschen geteilt und beherrschbar bleiben.
    Denn nur so bringt man die Leute dazu Angst zu haben, um das bisserl Besitz das sie haben. Obwohl alle Alles haben könnten in einer Überflussproduktion wie wir sie gerade erleben. Wir produzieren z.B. doppelt soviel Lebensmittel wie die Menschheit braucht und dennoch hungern Leute und die UN mildert die kapitalistische, wohlfahtssteigernde Zumutung Hunger nur ab mit dem World Food Program.

    Links ist nur die Kehrseite von rechts.

    Ich gehe soweit zu behaupten das sogar der IS dies ausnutzt.

    • Oops, I bombed them again sagt:

      “Links ist nur die Kehrseite von rechts.”

      Wer solchen Unsinn wirklich glaubt, der war einfach auch nie “links”, weil er offensichtlich nie kapiert hat was “linkes Denken” auszeichnet.

  14. adam christ sagt:

    ‘…es faellt immer wieder auf…’
    Es faellt immer wieder auf, wie weit entfernt von der Realitaet diese selbsternannten Gurus der Hochschulen, des Journalismus und die vielen Leserbriefschreiber sind.
    Mit den Gesetzen, dem Leben und Arbeiten und der Koexistenz Araber-Israeli in Israel haben sie sich wirklich nicht befasst… sie sind auch noch nie in Israel gewesen, haben keine israelischen Freunde und kennen trotzdem alles viel besser und koennen die gesamte politische und wirtschaftliche und menschliche Situation der Israelis und der Araber besser beurteilen als diejenigen welche in diesen Laendern leben… Aber was soll man schon erwarten von Kindern, deren Eltern und Grosseltern zweimal ‘ja’ gesagt haben zu Weltkriegen, die Moral und Menschenwuerde der ach so gerechten Deutschen getoetet und ihnen wohl einen irreparablen geistigen Schaden, der anscheinend vererbt wird, zugefuegt haben…

  15. Manfred H sagt:

    Danke für diesen treffenden Artikel.
    Die verkürzte Sichtweise der Antideutschen,die jeden Kritiker an der Siedlungspolitik des Staates Israel und an den rassistischen Äusserungen der israelischen Rechtsextremen zum Antisemiten stempelt ist eher ein Armutszeugnis. Zum Glück werden die Antideutschen eine laute aber unbedeutende Minderheit bleiben,mögen sie noch so toben und kreischen und noch so wirre Theorien entwickeln.Neocons und Antideutsche united,wer mir sowas früher mal erzählt hätte…..

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