Rassismus
Nur der Klassenfeind ist kein Rassist

Widerstand gegen existenzbedrohende Wirtschaftskonkurrenz, soweit nur »gruppenbezogen«, gilt in diesen Zeiten weithin als Rassismus. Eine marxistische Betrachtung

Rassismus

Unsere sozialwissenschaftlichen Studenten und die bürgerliche Öffentlichkeit sind die Opfer eines Niedergangs der universitären Forschung geworden. Ein korrumpierter Akademismus soll das Überdecken und Beschweigen vernichtender neoliberaler Marktkonkurrenz mit der gefürchteten Abscheulichkeit des Ressentimentverdachts erzwingen.

Rassismus als »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit» zu definieren, beweist geradezu schlagend den programmatischen Abschied des Bürgertums von der Aufklärung.

Rassismus ist ein hartnäckiges Überbleibsel vorzivilisatorischen, magischen Denkens.

Unabhängig davon, dass den Rassisten solche kleinteilige Differenzierung nach Gruppen immer fremd war – denn sie haben es gleich auf ganze Völker abgesehen – erwächst Rassismus, als Kategorie des Ressentiments, umgekehrt gerade nicht aus der komplizierten Gegnerschaft gegen die bloße Identität solcher Kollektive, sondern stets aus der oktroyierten Zuschreibung genuiner, prinzipiell invarianter, im engeren Sinne biologischer und charakterlicher Eigenschaften, denen eben kein Mitglied dieses Kollektivs – und erst das gilt ja als Rassismus – irgend in seinem Leben entkommen kann. Rassismus ist ein hartnäckiges Überbleibsel vorzivilisatorischen, magischen Denkens.

Gruppenbezogene Feindlichkeit jedoch gegen Kollektive wegen ihrer Identität oder ihrer politischen Macht (z. B. gegen den Adel, den Klerus, die Faschisten) war in Wahrheit häufig genug absolute Voraussetzung sowie Ferment und Ergebnis des Fortschritts, z.B. der Aufklärung, welche die Schrecken magischen Denkens einst von uns allen in Europa genommen haben. Die summarische negative Adressierung von Gruppen prinzipiell als rassistischen Angriff einzustufen, beweist die intellektuelle und moralische Verkommenheit der inzwischen in geistige Vulgarität abgetauchten, die Folgen ihrer Versäumnisse masochistisch goutierenden scheinlinken Ressentimentjäger.

Besonders die unteren Klassen und Schichten werden zur Zeit von der parfümierten Bourgeoisie und ihrem anarchischen Wurmfortsatz trommelfeuerartig unter Rassismusverdacht gestellt.

Die soziale Lage der Arbeiterschaft in unseren Ländern ist das Ergebnis allgemeiner Wirtschaftsentwicklung und ihrer sozialen Kämpfe, darunter z. B. das Streikrecht. Dabei musste sich das Proletariat auch immer wieder jener Mitglieder seiner eigenen Klasse gewaltsam erwehren, die als Streikbrecher gegen die Kollegen auftraten. Insofern ist das Misstrauen der Arbeiterschaft gegenüber Immigranten ohne die Unterstellung unzutreffender Vorurteile schon ausreichend aus der zutreffenden Feststellung des möglichen, existenzbedrohlichen Preisverfalls ihrer Arbeitsleistung durch das fremde Überangebot erklärt.

Es ist die Eitelkeit im bourgeoisen Ressentiment, nur sich selbst Vorurteilsfreiheit zuzugestehen

Es ist die Eitelkeit im bourgeoisen Ressentiment, nur sich selbst Vorurteilsfreiheit zuzugestehen; dabei hatten die Rassisten schon während der Nazizeit gerade in der Industriearbeiterschaft die geringste Anzahl von Anhängern und umgekehrt ihre allertreuesten Förderer bei den gebildeten Bürgerlichen, waren sogar weithin identisch mit ihnen.

Der Ausländer kann also schon durch seine bloße Gegenwart der potentielle wie reale Streikbrecher sein. Zu dieser Einsicht bedarf es keines Vorurteils, sondern bloß des realistischen Wissens um die eigene soziale Lage. Dagegen hat die müßige Einbildung, zu einer besseren Rasse als andere zu gehören, dem Realismus der Arbeiterklasse historisch nachweislich nie standhalten können. Rassismus war stets die Droge der bürgerlichen Klasse und ihrer Schichten.

Freizügigkeit als erpresster menschlicher Wanderungszwang, also Unfreiheit, steht nunmehr unverhüllt als höchstes Freiheitsziel

Der wahre Extremist ist nämlich stets die Bourgeoisie selbst: Entweder sie errichtet Menschenschlachthäuser oder sie bewinselt unterschiedslos den ganzen Globus, solange es nur ein gutes Geschäft ist. Der empfindsame Einsatz ihrer scheinlinken Mitglieder für das entferntere Elend der Flüchtlinge und Migranten ist insofern auch wesentlich dem Stolz auf das Alleinstellungsmerkmal bürgerlicher Gewolltheit geschuldet, das sich wie gewohnt polyglott an der natürlichen Vorsicht und dem Misstrauen der einfachen Leute als Ungebildete und Verlierer weidet. Ihre in letzter Zeit deutlich nachlassende Hilfsbereitschaft ist der Beweis.

Gleichwohl gilt in der kapitalistischen Welt nur noch ein einziges Hauptprogramm: Das vom Kapital im Gefolge seiner Metzeleien produzierte billigste Menschenmaterial hat umstandslos und jederzeit in großer Menge und für den beliebigsten Zweck gerade an den hochagglomerierten Orten des Globus bereitzustehen. Freizügigkeit als erpresster menschlicher Wanderungszwang, also Unfreiheit, steht nunmehr unverhüllt als höchstes Freiheitsziel moralisch sogar gegen geschriebene Gesetze und vor allen Dingen gegen die gleichmäßige Entwicklung der Länder und Regionen, der wichtigsten Voraussetzung friedlicher Entwicklung. In der Konkurrenzgesellschaft sollen die billigeren Menschen aus sogar entfernteren Weltteilen jederzeit die Wölfe der je hiesigen werden können. Der Weltmarkt als Circus Maximus, in dem die Bevölkerungen in Echtzeit gegeneinander antreten. Die Apotheose der kapitalistischen Ausbeutung als Aufhebung des Raumes im Triumph ihrer Zeitökonomie. Kein Schutz mehr, nirgends.

Illegale Einwanderung im Einzelfall zu verteidigen, beweist Kenntnis und Menschlichkeit; sie allgemein zu fördern, verrät Ignoranz und Ausbeutung.

Die Inhaber des aus den deutschen Exportüberschüssen, also aus der exorbitanten Verschuldung anderer Länder, stammenden vagabundierenden Kapitals entdecken die Humanität als Rettung aus der drohenden Sackgasse der gescheiterten Beggar-my-Neighbour-Politik. Und naturgemäß werden die verlangten Gewinne beim Einsatz für das Überleben der Stärksten entfernter Länder den hiesig Schwächsten (nicht bloß, wenn sie keine Rassisten sein wollen) aufgeladen. So verliert die ehrliche und störrische Gesetzestreue des Proletariats wieder und wieder und ausgerechnet vor der ausgerufenen Menschlichkeit des kriegführenden Kapitals jede moralische Rechtfertigung. Denn das Kapital setzt sich stets ins Recht und das Recht ins Unrecht.

Illegale Einwanderung im Einzelfall zu verteidigen, beweist Kenntnis und Menschlichkeit; sie allgemein zu fördern, verrät Ignoranz und Ausbeutung. Der Mensch ist nur das mechanische Anhängsel seines Passes, sagte Bertolt Brecht. Kein Mensch ist illegal, sagte Dschingis Khan. Den Widerspruch zwischen Mensch und Horde aufzulösen, waren die Kommunisten angetreten.

lllegalität bedeutet nicht einmal abstrakt Freiheit; in der Realität befördert sie stets die schleichende Verslumung der Gesellschaft

Doch es ist gelungen, sie zu diskreditieren. Und so glauben heute unsere Enragés der Antifa: Nur noch Dschingis Khan wird was ändern. Wie auch das überschüssige Kapital scheuen sie nicht – legal, illegal, scheißegal – den permanenten Gesetzesbruch. Doch lllegalität bedeutet nicht einmal abstrakt Freiheit; in der Realität befördert sie stets die schleichende Verslumung der Gesellschaft – wie in vielen Ländern zu besichtigen – durch den subtraktiven Ausstoß monströsen Extraprofits für die beherrschenden Cliquen der Ober- und Unterwelt.

Spürbar wird für die arbeitende Bevölkerung darüber hinaus bereits seit längerem in ihrem Wohnumfeld die beschwiegene Verachtung und Bedrohung durch die vom Kapital zur millionenfachen Einwanderung aufgeforderte intransigente religiöse Kultur des Islam. Sämtliche politische Lager aller historischen Zeiten von links bis rechts außerhalb der moslemischen Welt zeigen – einmalig in der menschlichen Geistesgeschichte – hinsichtlich des Islam dieselbe vernichtende Kritik.

Karl Marx hielt sogar die gewaltsame Entfernung dieser religiösen Kultur aus Europa für eine »absolute Notwendigkeit«. (Die u. a. gegen Metternich gerichtete sensualistische Orientschwärmerei zwischen Klassik und Romantik nehme ich aus; mit ihrer sehnsüchtigen Beschmunzelung der Sex-Sklavinnen im Harem war sie nicht ernst gemeint, wie z.B. spätere Bemerkungen von Goethe, Heine u.a. zeigen, auch wenn der frühe Vers des jugendlichen Heine, wo man Bücher verbrenne, verbrenne man am Ende auch Menschen, es ausdrücklich am Koran veranschaulicht sehen wollte.)

Die Begriffe von Aufklärung und Fortschritt sind längst von der transnationalen Bourgeoisie gekapert

Die Begriffe von Aufklärung und Fortschritt sind längst von der transnationalen Bourgeoisie gekapert, die mit den islamischen Kulturen eigentums- und geschäftsmäßig bis in die Poren verwoben ist und nunmehr programmatisch deren systematische Verharmlosung zur Durchsetzung auch der verlangten Freizügigkeit betreibt. Die einigermaßen ahnungslosen europäischen Bevölkerungen werden wider alle Vernunft überfallartig und in kultureller Blindheit diesem Einbruch in ihren Alltag einzig aus Profitgründen ausgesetzt.

Während vor unserer Nase in den Städten Elende und Obdachlose auf offener Straße und unter zugigen Brücken unbeachtet vor sich hin verrecken – nicht entfernt sollten sich je seit dem letzten Krieg die Bürger an solche entsetzliche Grausamkeit der verantwortlichen Politik gewöhnen – bejammert die bürgerliche Scheinlinke lieber noch die nächste Ausstülpung bourgeoiser Lebensart als unterprivilegierte Minderheit, der zuerst und sofort ihre humanen Widmungen zu gelten hätten.

Ihre den Prekarisierten gegenüber fortwährend geäußerte Verachtung mit Verleumdungen wie Abgehängte, Verlierer, Überflüssige, White Trash verrät diese bürgerliche Scheinlinke als unbarmherzige Gegnerin der Arbeiterschaft, ihr Stolzieren im linken Spektrum als betrügerischer Aufzug des altbekannten Klassenfeinds.

Der neoliberale Rassismusvorwurf ist das zerreißfeste Präservativ des Klassenkampfs.

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