Guinea

Destabilisierung mit Gnaden Washingtons und Brüssels?

Von David Noack

In den letzten Monaten wurde das westafrikanische Land Guinea (Hauptstadt Conakry, Fläche 250.158 km², Einwohner: 10.187.320) zunehmend instabiler. Der vorläufige Höhepunkt der Unruhen war ein Massaker am 28. September 2009. An diesem Tag hatten Demonstranten in Conakry den Rücktritt vom Putschisten und de faco Präsidenten Dadis Camara gefordert, wurden jedoch von Soldaten aufgehalten. Diese lösten die Proteste auf und brachten dabei mehr als 150 Personen ums Leben.

Doch wer hat ein Interesse an einem instabilen Guinea? Der westafrikanische Staat Guinea hat sich in den letzten Monaten geopolitisch neu ausgerichtet – gen Osten. So wurden sämtliche Staatsanteile an bereits existierenden Joint Ventures mit ausländischen Bergbaufirmen in Guinea neu an China verkauft. Der Deal bringt Conakry sieben Milliarden US-Dollar – mehr als das gesamte Bruttosozialprodukt Guineas.

Wie bei ähnlichen Versuchen der geopolitischen Neuausrichtung von afrikanischen und europäischen Staaten (Jugoslawien, Sudan und Simbabwe) haben also Washington, Paris, London und Berlin ein finanzielles, weil neokoloniales Interesse am Sturz von Dadis Camara – schließlich sind es ihre Bergbaufirmen, -zulieferer und -abnehmer, die enteignet wurden, damit nun die Volksrepublik China Handel mit Guinea treiben kann.

Die Europäische Union ist besonders hervorgeprescht, indem sie bereits eine Militärintervention in Aussicht gestellt hat. [1] Sollte es zu einem Einsatz kommen, dann ist es ziemlich sicher, dass auf Camara ein Herrscher folgen wird, der seine Rohstoffe zu kolonialen IWF-Bedingungen an den Westen verkauft. [2]

Doch um ein Eingreifen rechtfertigen zu können, wird weiter das Verbrechen unterstützt, um die Situation in Guinea für die Regierung und die Nachbarländer untragbar machen zu können. Eine Theorie, wer dafür benutzt wird, um Camara zu stürzen, besagt, dass Kolumbien sich in die Angelegenheiten Conakrys einmischt. So wurde Bogota in den letzten Jahren immer präsenter in Westafrika. Da die kolumbianische Mafia Westafrika als Transitregion für den Drogenschmuggel nach Europa benutzt, bietet Bogota seine “Expertise” an. Unter anderem auch durch Finanzierungen durch die EU. Für ein Eingreifen in Afrika steht passenderweise in naher Zukunft Deutschland und den USA ein gemeinsamer Kanonenbootverband zu Verfügung.[3]

Prinzipiell bleibt festzustellen, dass die Unabhängigkeit und Souveränität Guineas zu wahren bleibt – wobei die Militärjunta in Conakry auch mit der UN bei der Aufklärung des Massakers vom 28. September 2009 zusammenarbeiten muss. Die Journalisten, Blogger und Politiker sind aufgerufen, aufmerksam die Prozesse in dem westafrikanischen Land zu verfolgen und immer zu hinterfragen, wer welche Interessen an der derzeitigen Situation in Guinea hat und wer nicht.

[1] http://davidnoack.net/guinea.html
[2] Zbigniew Brzezinski, einer der bedeutendsten Geopolitiker der USA, beschreibt die Unabhängigkeit des IWF folgendermaßen: “Offiziell vertreten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank globale Interessen und tragen weltweit Verantwortung. In Wirklichkeit werden sie jedoch von den USA dominiert […].” Brzezinski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, S. 51, Frankfurt 2004.
[3] http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57671

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