Protestaufruf aus Griechenland

“Wir wollen keine Unterstützungs-Kredite mehr”

Vom International Press Release of Syntagma Square & Call for demonstrations, kommentiert von Sabine Leidig

“Freunde, Schwestern und Brüder, wir sind diejenigen, die seit einem Monat auf dem Syntagma-Platz in Athen kämpfen. Wir organisieren uns auf der Basis der direkten Demokratie und der horizontalen sozialen Struktur, unabhängig von allen politischen Parteien. Unsere Stimme ist unsere tägliche Volksversammlung.

Wir sind empört, weil man ohne uns über unser Leben entscheidet und unsere Zukunft verpfändet; weil man uns Kredite aufzwingt, deren Empfänger nicht das Volk, sondern die Interessen der Banken und der Regierungen sind; weil man uns mit dem Schreckgespenst des Bankrotts terrorisiert. So wie sie versuchen, uns zu ängstigen, so versuchen sie auch, das eine Volk gegen das andere aufzuhetzen. WIR WOLLEN KEINE UNTERSTÜTZUNGS-KREDITE MEHR. WIR SAGEN NEIN ZUM AUSVERKAUF DES ÖFFENTLICHEN LANDES UND VERMÖGENS. WIR WOLLEN DIE ANNAHME DES MITTELFRISTIGEN PROGRAMMS DURCH DAS PARLAMENT VERHINDERN. Wir sind gegen die Sozialisierung der Verluste und die Privatisierung der Gewinne! VEREINIGT EURE STIMME MIT DER UNSRIGEN. Die Wenigen bereichern sich auf unsere Kosten. Heute sind wir dran, morgen ihr. Wir sind jeden Tag auf der Straße. Jeden Sonntag versammeln wir uns zu Hunderttausenden auf den Plätzen des ganzen Landes, mit Mittelpunkt den Syntagma-Platz. DAS MITTELFRISTIGE PROGRAMM KOMMT NICHT DURCH. Die Journalisten schweigen, wir nicht.

Wir fordern alle europäischen Völker und alle Gewerkschaften auf, uns am Tag der Abstimmung über das Mittelfristige Programm beizustehen und sich mit uns zu solidarisieren, indem sie zu Demonstrationen aufrufen. ALLE ZUSAMMEN; UM UNSER LEBEN WIEDER IN DIE EIGENE HAND ZU NEHMEN”. International Press Release of Syntagma Square & Call for demonstrations Internationale Information 22.06.2011 Submitted by nim on Sat, 25/06/2011 – 19:47 ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

In Griechenland spitzen sich die Ereignisse derzeit wieder dramatisch zu. Nachdem das neuste Sparpaket in den letzten Tage in diversen Parlamentsausschüssen verhandelt wurde, soll es ab morgen wieder im Plenum des Parlaments beraten werden. Spätestens bis Donnerstag soll die Abstimmung über die Verabschiedung stattfinden. Dieses Sparpaket verlangt weitere Privatisierungen von 50 Mrd. Euro, darunter Wasserwerke, Häfen und den Energieversorger. Zahlreiche zusätzliche Steuern sollen vor allem Geringverdienern das Leben noch schwerer machen und die Schwelle, ab der der Eingangssteuersatz zu bezahlen ist, soll auch stark abgesenkt werden. Nicht nur in den dann privatisierten Betrieben, sondern auch im verbleibenden öffentlichen Dienst wird mit einem weiteren dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen gerechnet. Diesmal haben nicht nur die beiden größten Gewerkschaften des Landes und die kommunistische Gewerkschaft PAME zu einem 48-stündigen Generalstreik aufgerufen, sondern auch eine ganze Reihe kleinerer Gewerkschaften.

So wird diesmal z.B. auch der öffentliche Nahverkehr in Athen bestreikt. Ausgenommen sind lediglich, auf Bitten eines Beschlusses der Volksversammlung auf dem Syntagma Platz, die Athener U-Bahn, damit die Menschen zu den Protesten ins Zentrum gelangen können. Selbst der Verband der Selbstständigen und Gewerbetreibenden hat mit zu den Protesten aufgerufen. Diesmal wird aus ganz Griechenland nach Athen mobilisiert. Seit Tagen wird in Thessaloniki dazu aufgerufen, dass sich alle melden sollen, die im Bus mit nach Athen fahren wollen. Aus Patras soll es sogar einen Motorradkonvoi geben. Für morgen sind alle dazu aufgerufen, sich ab 9:00 Uhr auf dem Syntagma-Platz zu versammeln. Dort werden dann die Streikenden erwartet, die sich den Protesten auf dem Platz anschließen sollen. Ab 18:00 Ihr ist ein großes Konzert auf dem Platz geplant. Am Mittwoch soll es dann wieder eine Parlamentsumzingelung geben, um die Verabschiedung des Sparpakets zu verhindern. Hier könnt Ihr eines der Mobilisierungsvideos zu den anstehenden Protesten mit englischem Untertitel ansehen.

Hier ist die Seite der Menschen auf dem Syntagma-Platz. Eine Menge Dokumente sind auch in andere Sprachen übersetzt (achtet auf die Fähnchen unter den Texten oder probiert das Sprachauswahlfeld in der linken Spalte) Eine Menge englischsprachige Hintergrundtexte und auch eine Audioaufnahme einer Diskussionsveranstaltung könnt Ihr auf der Seite finden. Letzte Meldungen zum Sparpaket bietet auf deutsch die Griechenland-Zeitung: und das Giechenland-Blog: Und jede Menge neue Berichte gibt es auch wieder auf der Seite http://greekleftreview.wordpress.com/ finden.

Letzte Meldungen zum Sparpaket bietet auf deutsch die Griechenland-Zeitung und das Giechenland-Blog

Und jede Menge neue Berichte gibt es auch wieder auf http://www.keeptalkinggreece.com/

Zum Thema:

– Live-Ticker der Ereignisse auf Indymedia

– Genug ist genug – Vernetzt euch!

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26 Kommentare zu "Protestaufruf aus Griechenland"

  1. Su Bo sagt:

    Ich bin bereit, einen zinslosen Kredit an einen ehrlichen Bauern zu vergeben! Sollte dieser Bauer in schwierigen Zeiten sogar noch seine Nachbarn ernähren können, durch die Frucht seines Bodens, würde dieser Kredit sich um das Entsprechende des Ernährungswertes pro Person verringern, bis er aufgebraucht ist!
    Carpe Diem!
    https://www.facebook.com/profile.php?id=100002213770138

  2. Florian Schirmbrand sagt:

    interessanter Artikel

  3. maziarworld sagt:

    Was sie und die Medien verschweigen, ist die Verstrickung der amerikanischen Banken. Sie waren jahrelang mit krimineller Energie in dubiösen Geldgeschäften verstrickt und das Geld, das nie da war bestätigt und bevor alles schief ging haben sie abgezapft.

  4. Eremit sagt:

    Einige Fragen: (Vielleicht kann hier jemand fundiert darauf antworten.)

    Ist es zutreffend, dass Banken bei der EZB längerfristige Schuldtitel bei der EZB als Sicherheit hinterlegen, dafür in Summe des Nominalbetrags Tages- oder Monatsgelder zu teils weniger als 1% Zins beziehen – mit diesem Geld dann erneut Ihre diversen Spekulationen betreiben dürfen?

    D.h. in meinen Augen, es findet ein täglicher Raub der öfftenlichen Kassen statt, der von den Parlamenten ohne Murren akzeptiert wird – bei Hellas Bonds gibt es Titel die 7% oder gar noch höhere Kupons aufweisen – aber auch spanische, portugiesische oder irische und italienische Bonds weisen Kupons im Bereich 5% auf!

    Früher nannte man so etwas Fristentransformation – nur, wenn man die Bilanzen der Banken studiert, kann man sagen, dass die Unabhängigkeit der Notenbanken seit etwa 10 Jahren nicht mehr vorhanden ist – Zinserhöhungen sind praktisch unmöglich (im kurzfristbereich) – da die Haushalte der BRD oder der USA zwangsläufig kollabieren würden – schon beim jetzt extrem niedrigen Zinsniveau steigen die Staatsschulden stetig an, sind der Schuldendienst teils die größten Haushaltsposten – bzw. sie gehören zu den drei größten.

    Ein Ackermann betont stehts, dass er immer nur das Interesse seiner Aktionäre – das Interesse der Bank vertritt, trotzdem geht er im Kanzleramt, bei der EZB, in Washington, London etc. wie ein Supervisor über die Türschwellen der Staatschefs und schüttelt lächelnd deren Hände.

    Ackermann ist ehrlich, er tut auch was er sagt – ebenso viele andere Großbanken.
    Andererseits bieten sich etwas dümmliche – durch Incentives geschmeichelte Entscheidungsträger des öffentlichen Spektrums (Landesbanken, Sparkassen, Kommunen, Länder…) an, als Conterpart der Deutschen Bank bei Wetten die Zahlmeisterrolle einzunehmen.
    Alleine in den letzten beiden Jahren haben diese Sektoren ohne signifikante Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit via Derivategeschäfte annähernd 3 Milliarden Euro verloren (… Netto!!!!!!!!!!!!).

    Die Sozialisierung der Verluste ist zum System geworden, gleichzeitig um die Sache noch dreister zu machen, ermöglicht diese Verfahrensweise eine jährliche Umverteilung von etwas mehr als 150 Milliarden jährlich – europaweit durch Zinsdifferenzgeschäfte – ohne jegliches Risiko für die Profiteure – ohne jegliche Aufregung Seitens der Öffentlichkeit.

    Mir persönlich scheint Geld ohnehin zweitrangig, ich möchte mit Ackermann nicht tauschen müssen, doch mir scheint die Bevölkerung sieht das in großer Zahl derzeit etwas anders, jetzt, da sie mit dem Endstadion jeder Parasitenplage konfrontiert wird – der Parasit ist größer als der Wirt geworden, es ist kein Blut mehr da zu saugen, der Parasit fällt ab, der Wirt bleibt tod zurück.

    Er sucht schon einen neuen – Afrika ist längst gegessen, Südamerika schmeckt wunderbar, Asien ebenso, Europa sollte man endlich stärker ansaugen – dort hat das Volk lange genug gut gelebt – die USA sind Europa einen Schritt vorraus.

    Nun – bitte zerpflückt meine Worte, widerlegt sie, ich wäre dankbar dafür.

    • paulpic sagt:

      Die Realität ist viel bitterer als den Menschen bewusst ist, nicht nur im Bereich des Bankenwesens, auch im Bereich der Arbeitslosigkeit, des Bildungswesens, des Gesundheitswesens usw. Es brennt an allen Enden, aber keiner will es wahrhaben.

      Aber selbst wenn man um diese Dinge weiß, ist das eigentlich so lange akademisches, unfruchtbares Wissen, wie man nicht daran interessiert ist, diese Zustände zu verändern. Um diese Zustände verändern zu können, muss man allerdings wissen, wie man eine Lösung herbeiführen kann.

      Ich persönlich verstehe einfach viel zu wenig von all diesen Dingen, als dass ich da etwas beitragen könnte. Und so geht es fast jedem. Also bleibt alles beim Alten, jeder meckert vor sich hin, der eine oder andere hat vielleicht auch mal eine isolierte Einsicht, die aber folgenlos bleibt, und nach der nächsten Katastrophe sagt jeder: Wie konnte das denn nur passieren?

      Aber auch diese Frage ist eigentlich eher rhetorischer Natur, denn man wird wie immer weitermachen, als ob nichts geschehen sei, und die Kleinen werden die Zeche bezahlen wie eh und je.

      Da muss man sich doch fragen, ob es nicht irgendwo jemanden gibt, der etwas davon versteht? Jedes Jahr werden Nobelpreise für herausragende Leistungen auch im Bereich der Wirtschaftswissenschaften vergeben – aber einige Wirtschaftswissenschaftler wissen wenigstens, dass ihre Theorien noch nie etwas genutzt haben und sich sogar widersprechen. Lösungen kann man von denen nicht erwarten. Sie haben Zeit genug gehabt, welche zu entwickeln, und es ist ihnen nicht gelungen.

      Desto unerwarteter die Erkenntnis, dass ein gewisser Jörg Gastmann, ein absoluter Noname, schon 2006 ein Buch mit dem Titel „Die Geldlawine“ vorgelegt hat, das nicht nur eine Fülle von Gegenwartsproblemen kenntnisreich und mit offiziellen Daten gut belegt und das Irrenhaus von Politik und Verwaltung gnadenlos anprangert, sondern eine Lösung präsentiert, die logisch, einfach und vor allen Dingen wirksam ist.

      Aber wer ist schon an Lösungen interessiert? Sobald man eine Andeutung davon macht, kommen schon die Einwände, ohne dass sich der Angesprochene überhaupt mit der Sache beschäftigt hätte. Der Volksmund sagt dazu: „Wat de Buer nich kennt, dat frett hei nich.“

      Dagegen sein ist absolut vorrangig, protestieren ist sexy, man fühlt sich in der Masse so wunderbar, Solidarität ist wie eine Droge. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es 1968/69 an der Freien Universität Berlin zuging – und deshalb kann ich der Euphorie der Griechen überhaupt nichts abgewinnen. Dabei wird nichts herauskommen außer Gewalt und Leid, mit Sicherheit aber keine Lösung.

      Lösungen müssen her, doch daran sind die Protestierenden gar nicht interessiert, insofern unterscheiden sie sich nicht von jedermann. Wie sollten sie auch? Warum sollten ausgerechnet die Menschen auf der Straße an Lösungen interessiert sein? Es ist doch viel einfacher, anderen Leuten die Schuld zuzuschieben und Wut und Hass zu pflegen. Und so wird die Welt sich halt weiterdrehen wie immer. Deshalb gibt es auch gar keinen Grund zur Besorgnis.

      Ich wette, dass auch von denen, die dieses hier lesen und sich möglicherweise mit den Griechen solidarisch fühlen, niemand sich für das genannte Buch und die mit dem Stichwort Bandbreitenmodell bezeichnete Lösung interessieren wird, geschweige denn für die Frage, wie man diese Lösung tatsächlich praktisch durchsetzt.

      Letzten Endes kommt es nur auf die Durchsetzung der Lösung an, auf nichts anderes. Dazu muss man freilich erst eine Lösung haben, und die haben die Protestierenden in Griechenland nicht und auch sonst niemand in Deutschland und in der Welt.

      Und eine nicht vorhandene Lösung kann man auch nicht durchsetzen. Wollen wir wirklich ewig so weiterwurschteln? Oder macht sich mal jemand die Mühe, sich zu informieren und denjenigen Kredit zu geben, die sich bereits intensiv damit beschäftigt haben, statt gleich loszupoltern und billig zu polemisieren?

      Technische Probleme sind lösbar, wissenschaftliche Probleme sind lösbar, wirtschaftliche Probleme sollen nicht lösbar sein? Googeln Sie doch mal nach den Stichwörtern Gastmann und Bandbreitenmodell und investieren Sie ein paar Stunden! Sie werden eine Menge lernen und vielleicht Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Vielleicht wird sich auch Ihr Leben ändern. Und zwar zum Positiven.

  5. peter sagt:

    Prügelt Papandreou und seine Partei aus dem Amt,verweigert Ackermanmn,Lagarde und ihren gierigen Marionetten die Einreise und es wird irgendwann besser in Griechenland!

  6. Systemfrager sagt:

    @ paulpic
    War ich sofort dort. Die ganze Vision:
    >>> Das Umsatzsteuergesetz ersetzt alle anderen Steuergesetze. Das Arbeitsplatzprämiengesetz bildet das eigentliche Bandbreitenmodell ab und nutzt das Umsatzsteuergesetz als Grundlage.

    Entschuldigung! Das ist keine Vision. Es gibt keine Bierdeckelvisionen. Das ist eine Flickschusterei. Ein naiver Pragmatismus: “Wir tun was!” Vergiss es!

    • paulpic sagt:

      Das meine ich ja: Einen Satz rauspicken, klugscheißen. Mit solchen Leuten kann ich nicht diskutieren, tut mir leid.Mit solchen Leuten kann man aber auch keine Häuser bauen. Solche Leute kann man vergessen. Wenn Sie etwas bewegen wollen, müssen Sie erst mal bei sich selber anfangen.

      „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom.“
      (Albert Einstein)

      • Eremit sagt:

        Ich habe schon als 16 jähriger eine Facharbeit zum Thema globale Resourcenverteilung abgeliefert, darin – das war 1987, legte ich dar, dass nach damaligen Methoden unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit – also ohne Pflanzengift, künstlich hergestellten Düngemitteln, ohne industrielle Landwirtschaft die qualitativ und quantitativ ausreichende Ernährung einer Weltbevölkerung von etwa 10 Mrd. Menschen möglich ist.

        Seither sind in 24 Jahren mehr als 800 Millionen Menschen verhungert, etwa genauso viele starben an den Folgen einer Krankheit, deren Ursache mangelnde Versorgung war – die bei uns nie und nimmer tödlich verlaufen wäre.

        Also – lasse ich die Kriege beiseite – starben 1,6 Mrd. Menschen unter Qualen, schlimmer als ein Tode Verurteilter.

        Global ist die Welt eine Hölle – seit jeher – für etwa ein Viertel der Menschheit.

        Wir brauchen keine Systemänderung, wir brauchen einfach ein Ende der Menschheit, da diejenigen unter uns, die vermeindlich die begnadeten, die besonders klugen, die milden, die empatischen oder auch die alltruistischen alle genauso von ihrem Ego und ihrer Eitelkeit beherrscht werden, als dies dem ganz normalen Durchschnittsmenschen widerfährt. Es gibt kein funktionierendes System – egal was man formuliert, am Ende steht immer die Umverteilung, die Ausbeutung, die Korruption, der maximal mögliche Raub – am Nächsten und an der Natur.

        Persönlich lebe ich seit etwas mehr als 10 Jahren als Eremit, von etwa 10 Euro am Tag – das Geld habe ich, da ich auch studierte, als Student schon arbeitete (der schönste Job war Assi eines Professors, der Abrissbauten dokumentierte – in 89 – 50,– Mark die Stunde – es hat mir super gefallen – ich hab faktisch nur Photos von Räumen gemacht – das hätt ich schon als 5jähriger geschafft – und bekam mehr Geld als jeder hart arbeitende Industriesklave – trotzdem hab ich es getan – ich hab zugegriffen!)

        12 Jahre habe ich als Lehrer gearbeitet – es war teils schön, meist aber frustrierend – mein Plan zum Ausstieg lag schon nach etwa 4 Jahren fest. Dann gab es nur noch eines – sparen.

        Ich trage teils heute noch Jeans und Shirts die 20 Jahre alt sind, seit 8 Jahren habe ich keinen Artz mehr aufsuchen müssen, Lebensmittel container ich, in diesem Jahr habe ich noch nie ein Geschäft von innen gesehen, die 10 Euro brauch ich vor allem für das Wohnen (24 m²) und das I-Net.

        Übrigens ich schreibe fleissig – Kurzgeschichten, die vielleicht post mortem mal entdeckt werden.

        Ich bin immer noch korrumpierbar, allerdings verkaufe ich mich nicht für 100 Euro die Stunde – ich denke bei 10.000 Euro würde ich schwach werden.

        Meine Entscheidung war klar, so ich es nicht schaffe absolut unabhängig in Wohlstand zu leben, ziehe ich die Armut vor – die Unabhängigkeit ist das absolut Wichtigste – zumindest für mich.

        Nochmal auf Anfang – stell dir vor, eine somalische Mutter mit ihrem Kind steht vor dem Hungertod, sie wird von einem US-Milliardär entdeckt und gerettet – mit ihrem Kind, das Kind wird adoptiert – es wird Präsident der Vereinigten Staaten, glaubst du , unter seiner Präsidentschaft würde auch nur ein einziges Leben vor dem Elend gerettet, das weltweit herrscht?

        Was ich damit sagen möchte, wir sind alle gleich – hätten die Armen die Macht, würden sie sofort damit beginnen alle Reichen zu enteignen, untereinander in Konkurrenz zu treten, in anderer Form das gleiche Umverteilungsspiel zu spielen. Schau dir die Geschichte an – wo gabe es je Armut und Macht? – wo konnte auf Dauer die Bescheidenheit über die Eitelkeit den Sieg erringen? – Sicher – es gab – ab und an – Führungspersönlichkeiten, die
        für sich selbst wenig beanspruchten – das sind jedoch Ausnahmen – und diese waren dann oft überdurchschnittlich grausam und represiv.

        Einzig die Schönheit der Natur, der Musik, der Literatur und der bildenden Künste macht das Leben erträglich – es sei den, man schafft es sich in grenzenlosem Zynismus oder in bodenloser Ignoranz zu verschanzen.

        Ich stimme Blochs möglicher Utopie, und seinem Prinzip Hoffnung – ausdrücklich nicht zu – Ihn hier und jetzt zu widerlegen – seh ich mich allerdings auch nicht im Stande.

        Somit wünsche ich den Optimisten unter Euch, dass sie eines Tages Recht behalten mögen.

        ( Tipp- und Schreibfehler sind großteils meiner völlig ausgeleierten Tastatur geschuldet – der Cursor springt ständig im Text herum – ein echter Anarchist ;-) )

  7. heinzel mann sagt:

    wenn ihr das wahre problem und die dazugehörigen lösungen im crashkur erfahren wollte müsst ihr euch den film hier angucken http://www.youtube.com/watch?v=RKMpjrw2Sm0
    oder gebt bei youtube “the secret of oz deutsch” ein

  8. Systemfrager sagt:

    @ heinze
    Der Film ist supper. Ich füge hinzu:

    Wenn z.B. ein Staat durch seine eigenen arbeitslosen Bürger in einem Jahr 100 Meilen Landstraßen bauen läßt und dafür 3 Millionen Thaler ausgibt, so ist dieser Staat am Ende dieses Jahres um den ganzen Werth dieser Landstraße reicher als er am Anfang des Jahres war; denn das Geld, welches die Landstraße gekostet hat, wird noch bis zum letzten Pfennig im Lande seyn, und die Landstraße dazu .

    Heinrich Ludwig Lambert Gall (1791-1863), ein unbekannter Frühkeynesianer des 19. Jahrhunderts

    Während die Ausdehnung der Aufgaben der Regierung … einem Publizisten des neunzehnten Jahrhunderts oder einem zeitgenössischen amerikanischen Finanzmann als ein schrecklicher Eingriff in die persönliche Freiheit erscheinen würde, verteidige ich sie im Gegenteil, sowohl als das einzige durchführbare Mittel, die Zerstörung der bestehenden wirtschaftlichen Formen in ihrer Gesamtheit zu vermeiden, als auch als die Bedingung für die erfolgreiche Ausübung der Initiative des Einzelnen.

    John M. Keynes, Allgemeine Theorie , 1936

    Da Geld sowieso eine gesellschaftliche Konstruktion ist, müssen wir uns nicht an der toten Materie orientieren, die in früheren Jahrtausenden die praktische Manifestation von Geld war. Geld selbst besitzt ja lediglich eine Informationsfunktion. Ein Staat müsste sein Geld eigentlich selbst erzeugen, und zwar basisdemokratisch.

    Franz Hörmann, Banken erfinden Geld aus Luft, Der Standard, 13.10.2010

    Staatliche Investitionen als Alternative zu Krediten von privaten Banken
    dahin >>>

  9. Schamane sagt:

    Es wurde Nichts beendet. Wir befinden uns nur am Anfang. Wir wissen wohl, was wir genau wollen. Die Vernetzung ist ein entscheidender Akt, aber nicht der einzig Entscheidende. Die Antworten, die wir auch suchen kommen nicht von alleine her, weder koennte man sie uns Buergern vordiktieren oder unterzeichnet vorlesen. Es kommt mit der Zeit, die die Menschen in die Selbstverwaltung lei(s)ten. Lasst euch nicht runterkriegen man. Am 25/5/2011 fing fuer uns alles an:

    http://www.real-democracy.gr/de/minutes/2011-05-25-protokoll-der-1en-buergerversammlung-auf-dem-syndagmaplatz

    http://www.youtube.com/watch?v=fuYWINcCmZQ

  10. Bettyabo sagt:

    Schön und Gut, Artikel, Proteste usw. machen aufmerksam. Mich nimmt wunder was denn die Alternative ist?
    Wie würden denn die Protestler die jetzige Situation meistern wenn kein Geld kommt?
    Ich bin nicht dafür Krach zu machen wenn ich keinen Ausweg bereit halte.
    Einfach nur Lärm und keine Lösung? Oder habe ich etwas übersehen?
    Wer zahlt dem Mütterchen denn die vierhundert Euro ? Werden es dann zweihundert oder Null, oder tausendzweihundert?

  11. Systemfrager sagt:

    @ Bettyabo

    Ja, Recht hast du. Nichts hast du übersehen. Man hat heute die Wahl:
    Zwischen Pest und Cholera
    Man muss wirklich gut aufpassen, sonst kann man falsche Wahl treffen
    ;-)

  12. paulpic sagt:

    Genau das meinte ich mit meinem ersten Beitrag. Und dort habe ich auch auf eine Alternative hingewiesen. Ich wiederhole nochmal: Googeln nach Bandbreitenmodell und Gastmann; der Mann hat auch sehr interessante Interviews gegeben, auch danach lohnt es sich zu googeln.

    • Bettyabo sagt:

      Na schön! Bin ich froh dass ich nicht ganz Mattscheibe habe.
      Dann hauen wir also mal angenommen- der Regierung den Kopf ab. Dann gibt es einen Untergang, aber wenigstens haben wir uns abgeregt.
      Die oberen 10000 sollten die Zinsen und Schulden tragen aus der Vergangenheit.
      Die privaten Angestellten eine Ausländisches Arbeitsamt, welches genau zusieht, dass die Arbeiter das von der EU VORGESCHRIEBENE Gehalt bekommen. DA sollte das jetzige Geld hin, in dieses Amt.
      Wenn dann die Normalsterblichen auch soviel verdienen wie die Staatsangestellten, dann können sie auch bezahlen.
      Übrigens jetzt kommt der Hammer: Wusstet ihr dass die meisten Staatsangestellten, die ja um 14.00 Uhr Feierabend haben, meist noch einen zweiten Job oder ein Geschäftchen innehaben? Das gilt auch für Rentner die noch fit sind. Nehmen also gleich noch einen Arbeitsplatz von einem armen Schlucker weg.
      Auch DAS sollte ein ausländisches Arbeitsamt kontrollieren.
      Sorry meine Sprache, aber die Sauerei sitzt ganz tief, schon eine richtige Tradition.
      Hui, und fast vergessen: Die Hoteliers hier auf den Inseln heuern Polen, Tschechen usw. an, die ja für € 500 so um die 10 Stunden umherrennen. Dass die einen nicht verstehen ist ja egal, Hauptsache billig.
      Vor einer Woche meinte ein Chef de Reservation dass es “gut gehe”, das Hotel voll. Genau der ist einer von denen. Der Bar-Besitzer hundert Meter weiter vorne sagte aber wie es ist: Die ALL INKLUSIV haben den Tourismus kaputt gemacht.
      Ein junger Mann mit einem Pony auf einem Platz meinte: Touristen sehe ich keine die zu mir kommen. Die Albaner und Griechen, die kommen mit Oma und leisten sich das. Oma verzichtet bei denen lieber auf einen Kaffee für ihr Enkelkind. Was genau macht man denn mit solchen Tourismus?
      Vorne ein Abhang und hinten eine Schlucht, sagt man hier.

      Lieben Gruß aus Griechenland!

  13. Schamane sagt:

    Democracy’s Cradle, Rocking the World
    By MARK MAZOWER

    http://www.nytimes.com/2011/06/30/opinion/30mazower.html?_r=1

  14. Pit sagt:

    Hier sind mit Sicherheit sehr interessante Kommentare,aber nicht einer befasst sich mit dem eigentlichen Problem.Wir müssen endlich auch auf die Straße,wir lassen die griechischen Menschen im Stich,wir warten einfach Gott ergeben darauf das uns nichts passiert.Kann man denn wirklich so naiv sein und glauben uns würde man verschonen?

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