Briefwechsel
Lasst uns über die Neue Rechte reden

Ein Nachtrag zu dem kontroversen Briefwechsel zwischen Armin Nassehi und Götz Kubitschek.

Götz Kubitschek

Bild: Caruso Pinguin / flickr / CC BY-NC 2.0

Die Krautreporter haben einen etwas älteren Briefwechsel zwischen dem Soziologen Armin Nassehi und dem Vordenker der Neuen Rechten, Götz Kubitschek, veröffentlicht. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ebenso wie Nassehi glaube ich auch, dass es keinen Grund gibt, Positionen, wie sie von Kubitschek und seinem Kreis vertreten werden, grundsätzlich vom Diskurs auszuschließen. Wer behauptet, diese Ansichten seien objektiv oder prinzipiell unzulässig (wg. Feindschaft gegen demokratische Grundordnung und so), der will eigentlich nur eine missliebige politische Position bekämpfen.

Das ist legitim, und verstehen kann ich es auch, aber letztlich redlich ist es nicht. Zwar ist es sicher übertrieben, wie Gauland das vor kurzem bei “Hart aber Fair” getan hat, das von Kubitschek betriebene Blog Sezession einfach nur “konservativ” zu nennen, “mit zum Teil sehr interessanten Artikeln über Heidegger und Sartre und so weiter.” Das ist verharmlosend. Aber ebenso falsch ist es nun einmal, extreme Ansichten automatisch aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Linksextreme liest man ja auch (und gerne), denn selbst wenn man deren Positionen nicht teilt, haben sie oft etwas interessantes zu sagen. Und überhaupt, wenn dieses sterbenslangweilige Land namens Bundesrepublik eines nicht braucht, dann ist es mehr Harmlosigkeit in der öffentlichen Debatte.

Die Sezession ist radikal und kompromisslos rechts, also rechtsradikal. Diese Bezeichnung scheint mir durchaus angemessen, angemessener zumindest als das vage Label “konservativ”. Wie der Name Sezession schon besagt, liegt der Standpunkt, den die Zeitschrift einnimmt, außerhalb aller etablierten politischen und gesellschaftlichen Lager, stellt also unsere Gesellschaft sehr grundlegend in Frage. Bezugspunkte sind dabei neben den nun tatsächlich radikalen Vordenkern der Konservativen Revolution aber auch Autoren wie Arnold Gehlen, die einmal, vor langer, langer Zeit, noch zum konservativen Mainstream der Bundesrepublik gehörten, mittlerweile aber, vielleicht zu Recht, vom Zeitgeist aussortiert worden sind.

 

Dass die Sezession und ihr Umkreis (auch die Junge Freiheit, etc.) in den letzten Monaten aus dem Nischendasein ausbrechen und immer mehr in die Öffentlichkeit vordringen konnte, war eigentlich auf Jahre überfällig. Hatte man doch lange versucht, mit metapolitischer Arbeit den Boden für einen gesellschaftlichen Rechtsruck zu bereiten. Nach Jahren der relativen Isolation und Erfolglosigkeit trägt dieses Projekt jetzt Früchte. Mit der Flüchtlingskrise hat sich quasi ein Einfalltor in immer größere Kreise des konservativen Bürgertums geöffnet, welches zuvor von Sarrazin, Sloterdijk und eurokritischen Ökonomen mühsam Stück für Stück aufgestemmt worden war. Alles, was sich in der AfD um “Erfurter Resolution” und “Patriotische Plattform” gruppiert (und das eigentliche Machtzentrum in der Partei bildet), ist ideologisch eindeutig von Kubitschek&Co. geprägt. Einer Auseinandersetzung kann man also nicht länger aus dem Weg gehen.

Wobei sich hier auch wieder ein Hoffnungsschimmer abzeichnet: Es wird ja oft argumentiert (etwa hier im Cicero), dass die AfD ein spezifisches gesellschaftliches Milieu repräsentiere, welches sich von der CDU nicht mehr vertreten fühlt und deshalb auf Dauer eine neue Partei etablieren wird. Ich bin nicht davon überzeugt, dass es so eine Repräsentationslücke tatsächlich gibt. Ich glaube vielmehr, das eine solche Lücke von Konservativen selbst eigentlich erst herbeigeschrieben, fast beschworen wird. Ohne Euro- oder Flüchtlingskrise würden wir diese Diskussion gar nicht führen.

Wenn (oder falls) das durch diese Krisen geschaffene Protestwählerpotential verschwindet, wird die AfD auf die 3 Prozent, die sie im Sommer hatte, zurückfallen, und auch die Sezession wird wieder in der Isolation verschwinden. Diese Isolation hat nämlich nicht nur mit der aggressiven Marginalisierungstaktik des politischen Gegners zu tun, sondern ist objektiv darin begründet, dass hier genuin extreme Ansichten vertreten werden, im Sinne von: Ansichten, die nur von einem Bruchteil der Gesellschaft geteilt, geschweige denn überhaupt verstanden werden (nicht weil die Menschen dumm sind, sondern weil ihnen derartige Gedanken so unvertraut sind, so fremd).

Käme es darauf an, wirklich darüber abzustimmen, ob man in einer Gesellschaft leben will, wie sie etwa die AfD herstellen will, dann würden es sich die meisten, welche heute die Partei als “Fundamentalopposition” unterstützen, wohl doch noch einmal überlegen. Vor allem die gesellschafts- und sozialpolitischen Pläne der AfD sind vielen Menschen kaum richtig bekannt – und das nützt deren Wahlergebnissen ungemein.

Es lohnt sich aber trotzdem, den Briefwechsel zu lesen, allein um einen unmittelbaren Eindruck davon zu bekommen, aus welcher Quelle sich viele der rechten Ideen, die gerade in die Öffentlichkeit drängen, eigentlich speisen. Wer davon noch nicht genug bekommt und einen richtigen Innenblick in die Szene gewinnen will, der sollte dieses interessante Buch lesen. (Wie man sieht, wird es von Amazon nicht vertrieben – das ist noch einmal so eine Sache, die auch für Nicht-Rechte, da stimme ich Nassehi zu, eigentlich inakzeptabel ist).

Ein Problem habe ich allerdings mit Armin Nassehis Herangehensweise. (Vorsicht: Ich muss zugeben, dass ich nie eines seiner Bücher gelesen habe, außer den Schlagworten “Systemtheorie, hält Links-und-Rechts-Kategorien für überholt und der Komplexität unserer Gesellschaft nicht angemessen” weiß ich wenig über ihn.) Nassehi spricht mit Kubitschek zu sehr, als sei dieser selbst vor allem ein Intellektueller oder gar Soziologe, dem es an einer Analyse und Beschreibung der Gesellschaft gelegen ist. Die eigentliche Dynamik, aber auch die eigentlichen Antriebe von Kubitscheks Denken, und dem rechten Denken allgemein, entgehen ihm auf diese Weise.

Nassehi schreibt etwa:

Ich beobachte an meinem eigenen Fach eine Entwicklung, die zu einem in dem angedeuteten Sinne „konservativen“ Handlungsbegriff führt. Konservativ meint, dass wir Handlungen immer mehr in dem Kontext eines nicht reflexiven, gewohnheitsmäßigen, habitualisierten Zusammenhangs entdecken und die intentionale Hervorbringung von Handlungen nur einen kleinen Teil dessen ausmacht, was wir tun. Diese praxistheoretische, auch systemtheoretisch und netzwerktheoretisch ausgerichtete Idee erkennt an, dass soziale Ordnung weder Tabula rasa ist, noch wie auf einer Tabula rasa entworfen werden kann, sondern schon „da“ ist. Das hat erhebliche Konsequenzen, die tatsächlich zu einer eher konservativen Lesart verleiten – am genialsten womöglich von dem sehr linken Denker Pierre Bourdieu begriffen, der empirisch darauf gestoßen ist, wie es um Restriktionen des Handelns steht.

In diesem Sinne als konservativ lässt sich aber höchstens die grobe Grundlage des rechten Denkens beschreiben. Ihren Kern hat man damit noch nicht berührt. Davon bin ich zumindest, ausgehend von Corey Robins genialem Buch The Reactionary Mind, überzeugt.

Rechte glauben an Hierarchien und an die Ungleichheit der Menschen. Wenn sie von der Stabilität und der Notwendigkeit fester sozialer Normen und Institutionen sprechen, dann ist damit immer erstens eine hierarchischere Ordnung gemeint, und zweitens eine, die sich dadurch auszeichnet, dass konkreter, fester, und freier Kontrolle und Macht von einigen Menschen über andere Menschen ausgeübt wird. Ob der Staat gegenüber Arbeitslosen, die Justiz gegenüber Kriminellen, der Unternehmer gegenüber Angestellten, der Lehrer gegenüber Schülern, oder der Vater gegenüber Frau und Kind: Immer geht es darum, die Freiheit und Macht “natürlicher” Autoritäten über die zu stärken, die auf Kontrolle und Leitung angewiesen sind.

Wenn Konservative davon sprechen, dass Menschen notwendig in Strukturen eingebunden sein müssen und dass es völlige individuelle Freiheit nicht geben kann, dann sind diese Strukturen nicht anonyme, abstrakte “Institutionen”: Anders als ein an Luhmann geschulter Soziologe haben Konservative da ganz konkrete Machtverhältnisse vor Augen. Aber weder die Begriffe Hierarchie, Macht, Herrschaft, Unterordnung, Kontrolle oder Klassenbewusstsein spielen im Briefwechsel eine Rolle.

(Besonders deutlich wird das bei Nassehis Einschätzung des Nationalsozialismus als “eher” linke Bewegung. Akzeptiert man Hierarchie und Autoritarismus als zentrale Fixpunkte rechter Ideologie, wird klar, dass die vom Nationalsozialismus angestrebte Gesellschaft vielmehr ultra-rechts gewesen ist. Der “neue Mensch” sollte ja eben nicht durch Befreiung geschaffen werden, sondern durch Führung, Kampf und Auslese gezüchtet und in eine feste Hierarchie eingebettet werden, und sei es als Herrenmensch an der Spitze. Das nur nebenbei.)

Noch einmal: Es geht Rechten vor allem darum, klarere und strengere Herrschaftsverhältnisse herzustellen, das ist es, woran sie glauben. Wie ich schon einmal am Beispiel Sarrazin versucht habe zu belegen, missfällt ihnen an der ausländischen Bevölkerung oft ja nicht einfach nur ihre Anwesenheit. Es ist mehr die Tatsache, dass die ausländische Bevölkerung (die zumindest bei Sarrazin mit der deutschen Unterschicht verschwimmt) nicht der unmittelbaren Kontrolle der deutschen bürgerlichen Gesellschaft untersteht.

Überspitzt gesagt: Eine migrantische Bevölkerung, die nicht durch staatsbürgerliche Rechte, ein Klima der Toleranz und Gleichberechtigung, sowie den Sozialstaat geschützt und zu gleichberechtigten, autonomen Subjekten gemacht werden würde, wäre auch für die Rechte akzeptabel. Und wer weiß, vielleicht würde das vorgeschobene Argument der “Fremdheit” schnell an Bedeutung verlieren, wenn man Immigranten so wie in vielen anderen Ländern (Singapur, Saudi-Arabien, etc.) zu einer fast rechtlosen, niedrigen Kaste degradieren würde…

Wenn die AfD praktische Vorschläge zum Umgang mit “Ausländern” macht, dann ist nicht nur von Vertreibung und ethnischer Reinheit die Rede, sondern vielmehr von ganz konkreten, sehr unmittelbaren Herrschafts- und Kontrollmechanismen: Predigen in Moscheen sollen nur auf Deutsch erlaubt sein, um die Überwachung zu erleichtern, Abschiebungen sollen erleichtert werden und als disziplinierendes und strafendes Mittel verwendet werden, es soll mehr Polizei geben, mehr Bewaffnung der Bürger. Und dazu viele symbolische Maßnahmen, die vor allem darauf abzielen, laut und deutlich Dominanz auszustrahlen – etwa der Vorschlag, die Errichtung von Moscheebauten, die auch als solche zu erkennen sind, soll von der Zustimmung der Anwohner abhängig gemacht werden.

Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt zum Beispiel Schullehrpläne oder Programme der öffentlichen Theaterbühnen auf einen “deutschen Kurs” bringen will, dann ist das nicht nur das Bedürfnis nach ethnischer Reinheit. Es ist vor allem das Bedürfnis, über gesellschaftliche Bereiche Macht und Kontrolle auszuüben, die im Moment frei und unabhängig sind und nicht der unmittelbaren Kontrolle des konservativen Bürgertums unterliegen.

Auch die Ablehnung supra-nationaler Regierungsinstitutionen wie der EU speist sich letztlich aus dem Bedürfnis nach stärkerer eigener Herrschaft und Macht seitens des Bürgertums: Eine renationalisierte, oder sogar re-regionalisierte Politik würde vor allem den Status nationaler und lokaler Eliten stärken, die sich im Moment oft von der großen Welt und der EU entmachtet fühlen. Mehr Souveränität bedeutet einen Zugewinn an Status und konkreter Macht für diese lokalen Eliten. Wenn die AfD sagt: “Mut zu Deutschland!”, dann meint sie “Bürgertum, habe den Mut, dir wieder mehr Kontrolle über Deutschland anzueignen!”

Um es klar zu stellen: Ich glaube nicht, dass jeder einzelne Rechte von dem persönlichen Drang nach Macht und Herrschaft getrieben ist, obwohl das sicher oft die Motivation ist. Aber jeder Rechte glaubt, dass eine Gesellschaft nur funktioniert, wenn es in ihr Hierarchien und Herrschaft gibt, wenn also vielen Menschen ganz konkret Freiheiten und Autonomie genommen werden: den Armen, den Arbeitslosen, den Arbeitern, den Muslimen, den Fremden, den Studenten, den Faulen, den weniger Klugen, den Kindern, den Frauen, den Schülern, den Kulturschaffenden, den Medien, etc. Auch marktradikale Libertäre, die ja eigentlich die “individuelle Freiheit” hoch halten, sind in diesem Sinne  “Rechts”: Sie glauben bloß, dass die Disziplinierung, Herrschaft und Hierarchisierung, um die es ihnen eigentlich geht, am wirksamsten und gerechtesten von einer freien Marktwirtschaft vollzogen werden kann.

Kubitschek macht sehr deutlich, warum er gerade für schwächere Menschen härtere Lebensumstände für begrüßenswert hält: Nur eine unabgefederte, unsichere, härtere Existenz könne sie zu einer würdigen Lebensführung verleiten – die Abfederung von Druck führt zu Dekadenz:

“Wir leben indes in einer Zeit, in der jedes Schicksal abgefedert, jeder Lebensirrtum ausgebügelt, der Schrott jedes Experiments weggeräumt wird – wo sollte da eine konservative Handlungslehre herkommen, die tiefer reichte und tiefer wirkte als irgendein Lack?”

Die praktische politische Dimension dieses Gedankens, nämlich seine Anschlussfähigkeit für ein Bürgertum, dass sich größere Kontrolle und weniger (staatlich erzwungene) Solidarität mit den Schwächeren und Anderen wünscht, wird von Nassehi übersehen, der Kubitschek vor allem mit den Begriffen Homogenität und Komplexität zu greifen versucht. Aber um gesellschaftliche Homogenität allein geht es den Rechten nicht. Die Vorstellung unauflöslich fremder, ja prinzipiell feindlicher kultureller Identitäten ist vielmehr Bedingung des Gedankens der Ungleichheit, und dieser wiederum ist der notwendige, grundlegende Schritt zur Schärfung von Hierarchien.

Rechten geht es um den Angriff auf die Freiheit der Vielen, zugunsten der Freiheit und der Macht der Wenigen. In diesem Sinne ist die AfD “freiheitlich”: Sie möchte es den natürlichen Eliten – als die sich das konservative, männliche Bürgertum versteht (“Leistungsträger”) – ermöglichen, endlich wieder den angemessenen gesellschaftlichen Rang zu beanspruchen und sich die Freiheit zu nehmen, direkter und mit besserem Gewissen Macht über den Rest der Gesellschaft auszuüben.

Kubitschek, et. al. sagen gerne, dass sie im preußischen Sinne “dienen” möchten, dass ihnen die Erfüllung dieses Wunsches in der aktuellen, dekadenten Gesellschaft allerdings unmöglich ist. Dieser Gedanke des “Dienens” besitzt für sie einen unglaublichen Pathos und ist offensichtlich eine ehrliche Sehnsucht. Aber auch hier geht es um Hierarchien: Nur in eine hierarchische, strengere Ordnung könnten sie sich mit gutem Gewissen einfügen, nur in dieser würden sie sich aufgenommen und wert geschätzt fühlen – auch wenn sie selbst nicht unbedingt an der Spitze dieser Ordnung stehen möchten.

Mit anderen Worten: Wenn irgendwann wieder die Berufe des akademischen Bürgertums (Lehrer, Offiziere, Ärzte, Unternehmer, Anwälte, Professoren, etc.) den gleichen Status, die gleiche gesellschaftliche Autorität besitzen, wie sie das in den guten alten Zeiten, im Kaiserreich oder sogar noch in den Anfangszeiten der Bundesrepublik taten, dann müssen vielleicht auch die Rechtsintellektuellen nicht mehr traurig sein und können ihre Zeitschriften einstellen. Bis dahin aber haben sie unserer Gesellschaft den Kampf erklärt.

Zuletzt noch einmal O-Ton Kubitschek, aus Tristesse Droite:

“Heute kann alles abgefedert werden. Jeder Schicksalsschlag, jede falsche Entscheidung im Leben kann abgefedert werden dadurch, daß man unendliche Mengen Kompensationsmaterie nachkippen kann – zum Beispiel, um eine völlig verranzte Erziehung zu kompensieren. Das sieht man hier an den Schulen überall. Man erzieht die Leute nicht mehr, sondern man kompensiert, wenn sie verzogen rumstehen und noch nicht mal eine simple Lehre absolvieren können. Die werden mitgeschleppt auf Teufel komm raus, die hungern und frieren nicht, die spüren von klein auf: Es geht immer ziemlich komfortabel weiter. Es wird immer alles kompensiert. Da hat dann der konservative Begriff vom Leben, unser Begriff vom Leben, überhaupt keine Chance mehr. Überhaupt in die Tiefe vorstoßen zu können ist ja nurmehr ein frommer Wunsch. Die Aushebelung des Schicksals, die Aushebelung der falschen Entscheidung hat das Konservative an sich zerstört. Also die Hierarchie, die Würdigung der besseren Leistung, die Würdigung der besseren Erziehung, die Würdigung der Anstrengungsbereitschaft, die Würdigung dessen, der Schmerz aushalten, der sich zusammenreißen kann, das ist ja alles passé. Sich nicht zu verkrümeln, wenn’s drauf ankommt – das spielt keine Rolle mehr. All das, was ein Konservativer unterschreiben kann als notwendiges Sortierungskriterium innerhalb einer Gesellschaft – wenn das alles ausgehebelt ist, dann haben wir, mit unserer Weltanschauung, überhaupt keine Chance mehr. Das Schlimmste, was uns geschehen kann, ist das energetische perpetuum mobile, also daß es mit den materiellen Kompensationsmöglichkeiten immer weiter geht.”

“Sortierungskriterium” – darum geht es.

Artikelbild: Caruso Pinguin / flickr / CC BY-NC 2.0

Print Friendly, PDF & Email
Filed in: Diskurse Tags: , , , ,

Ähnliche Artikel:

<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Debatte</span><br/>Die “Neue Rechte” II: Identität und Herrschaft Debatte
Die “Neue Rechte” II: Identität und Herrschaft
<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Debatte </span><br/>Die “Neue Rechte” – Eine Dekonstruktion Debatte
Die “Neue Rechte” – Eine Dekonstruktion
<span style='font-size:16px;letter-spacing:1px;text-transform:none;color:#555;'>Regionalismus</span><br/>Das kommende Europa Regionalismus
Das kommende Europa

26 Kommentare zu "Briefwechsel
Lasst uns über die Neue Rechte reden"

  1. hilmar weckert sagt:

    ein magazinverwalter würde aus diesem intellektuellen-verbarium keine silbe verstehen.-obwohl er anspruch darauf hätte .- auch .-verstanden zu werden .- das unselige gefasel die welt.-anderen verständlich zu machen langweilt.
    diese dilletantische fummelei die welt zu erklären und zu verbessern .-ist das große unglück von irgendwelchen leuten,- die nicht ruhig in ihrem zimmer bleiben können

    • Hugo sagt:

      Wunderbar gesagt. Intellektuelles Gefasel, das mit der Straße und den Menschen dort nichts zu tun hat. Überflüssig und bedeutungslos.

  2. ret sagt:

    Ich muss dem Autor leider eine mangelnde Kenntnis des (gelebten!) Sozialismus vorwerfen.

    Ein System unter der Komintern oder Stalin ist vom dritten Reich absolut nicht zu unterscheiden, außer bzgl. der nationalistischen/rassistischen Komponente (die bei den Sowjets stattdessen durch “Die Partei” ersetzt wurde, funktional jedoch identisch ist). Dort wurde man als gläubiger Christ ähnlich eingestuft, wie ein Jude im dritten Reich – nur dass die KZ’s stattdessen Gulag hießen.

    Hier ein glaube an Ungleichheit (nur für die Oberen, nicht fürs Fußvolk), dort ein Glaube an absolute Gleichheit bzw. Gleichschaltung (außer für die Oberen, die immer ein wenig “gleicher” sind, nach Orwell). Schenkt sich gar nichts, die Ergebnisse sind hier ebenfalls identisch – die Herrschende faschistische Mafia macht was sie will, das Fußvolk muss sich an unzählige Regel halten.

    Ob man das ganze nun braun, rot oder neuerdings grün anmahlt, ist an sich irrelevant.

    • Paul Simon Paul Simon sagt:

      Zum Glück hat der Autor den Sozialismus überhaupt nicht erwähnt, aber trotzdem danke für die Belehrung ;-)

      Ich finde es übrigens SEHR entlarvend, dass jemand, der erst den Nationalsozialismus mit den kommunistischen Systemen gleichsetzt, dann auch gleich einen draufsetzt und die Grünen in diese Liste einreiht. Besser hätte man nicht demonstrieren können, wozu die Äquivalenz Kommunismus-Faschismus tatsächlich meist bemüht wird: Um den Faschismus zu verharmlosen, und dafür alle möglichen Linken unter Totalitarismusverdacht zu stellen. Wenn Sie wüssten, wie bizarr das auf jemanden wirkt, der den Kalten Krieg nicht mehr selbst erlebt hat…

      • A. Kovács sagt:

        @Paul Simon
        Ich bin immer sehr betrübt, wenn durch das Bestreiten der Äquivalenz Kommunismus-Faschismus der Kommunismus verharmlost wird, um so alle möglichen Rechten unter Totalitarismusverdacht zu stellen. Wenn Sie wüßten, wie bizarr das auf jemanden wirkt, der Millionen ermordete Kulaken und verhungerte Bauern nicht als linken Betriebsunfall sehen kann…

      • Gustav sagt:

        „Die Demokraten nach 1945 haben in ihrem antifaschistischen Eifer das Faschismusphänomen in seiner globalen Ausdehnung chronisch unterschätzt. Die Wahrheit ist, daß der Faschismus von Lissabon bis nach Shanghai reichte. Das ganze 20. Jahrhundert ist vom faschistischen Affekt, vom Enthusiasmus des Ressentiments durchzogen.“

        „Daß sich der linke Faschismus als Kommunismus zu präsentieren beliebte, war eine Falle für Moralisten. Mao Tse-tung war nie etwas anderes als ein linksfaschistischer chinesischer Nationalist, der anfangs den Jargon der Moskauer Internationale pflegte. Gegen Maos fröhlichen Exterminismus gehalten, erscheint Hitler wie ein rachitischer Briefträger. Doch man scheut noch immer den Vergleich der Monstren.“

        „Das massivste ideologische Manöver des Jahrhunderts bestand ja darin, daß der linke Faschismus nach 1945 den rechten lauthals anklagte, um ja als dessen Opponent zu gelten. In Wahrheit ging es immer nur um Selbstamnestie. Je mehr die Unverzeihlichkeit der Untaten von rechts exponiert wurde, desto mehr verschwanden die der Linken aus der Sichtlinie.“

        „In dem Zusammenhang muss man die Mao-Plakate über den Köpfen der Revoltierenden von damals verstehen. Die radikale Linke hatte sich selbst die Absolution erteilt, und die Ikone Mao war ein Garant ihres Verständnisses für den guten Terror. Die Zersetzungsprodukte dieser Hyperlüge gehen uns bis heute auf die Nerven.“

        Peter Sloterdijk, Die Freigabe aller Dinge

  3. Peter sagt:

    Mensch Herr Simon,
    gehen Sie doch mal mit einem “Rechten” ein Bier trinken oder versuchen Sie einfach mal andere Menschen-Typen in Ihrem Freundeskreis zuzulassen: dann merken Sie, daß Sie von der rechten Lebenswirklichkeit, von konservativen Horizonten und Problemen, von echten Kerlen eigentlich gar keine Ahnung haben. Sie müssen mal irgend etwas wirklich erleben, nicht immer nur das abstrakte Wesen der Dinge mit gewaschenen Fingern ersurfen wollen …
    Auf alle Fälle mal raus aus diesem Biotop namens Berlin, das würde Ihnen schon mächtig weiter helfen.
    Aber wie soll man das anstellen?? Am einfachsten natürlich: in Mitteldeutschland! Mitteldeutschland ist Rebellen-Land: Luther, Fichte, Nietzsche, Jünger und viele, viele andere …

    • Paul Simon Paul Simon sagt:

      Ha, ich wohn sogar in Mitteldeutschland, und nicht mal im roten Leipzig… Ich will jetzt nicht wieder spitzfindig werden, aber ich finde es sehr interessant, wie sich beide Seiten bei solchen Diskussionen immer auf “die Wirklichkeit” berufen und den anderen vorwerfen, sie leben in einer Blase. Ich bin im “multi-kulti-Westen” aufgewachsen und saß in der Schule, gerade zur Hochzeit der ersten “Flüchtlingskrise” in den 90ern, neben Albanern, Kurden, Kirgisen, Arabern, habe mit vielen von denen auch Abitur gemacht und bin mit einigen noch befreundet. Aber ist das jetzt ein Argument? Erfahrungen können ja schließlich viele Menschen viele von machen…

      Aber ich habe die interessante Antwort von Herrn Lichtmesz gelesen und arbeite jetzt selbst an einer Entgegnung. Mir ist klar, dass im obigen Text vieles sehr provozierend und überspitzt formuliert ist, und ich mich auch auf einen Aspekt quasi einschieße, also würde ich gerne noch einmal gründlicher meine Position darlegen.

    • Ach ja, und Lenin hatte eine deutsche Mutter!

      Heute ist Mitteldeutschland kein Rebellenland, sondern Ödnis im Geiste. Luther wird stilisiert und vermarktet bis zum geht nicht mehr.
      Das Mittelalter und die Feudalstrukturen sind die neuen Bezugspunkte und Referenzen.

      Es gibt weit und breit keine Denker oder Theoretiker denen man sich anschließen könnte. Alle sind tot, von Heiner Müller über Gundermann bis Udo Jürgens.

      Die Organisationsfrage stellt sich gar nicht erst.

  4. Karl K sagt:

    Das Rechts-Links-Schema lebt mangels halbwegs sinnvoller Definitionen – die strittige Einordnung der NS-Bewegung ob links oder rechts sollte als Beleg genügen – von Zuschreibungen. Vermutlich benötigt der Intellekt eine solche dichotome Unterscheidung, die im Gut-Böse-Schema des christlich-jüdischen Denkens seine zentrale Wurzel hat und in dem Wort „alternativlos“ seinen bedeutsamsten politischen Ausfluss.

    Vermutlich führte die gemeinsame Abarbeitung von konkreten politischen Programmpunkten zwischen Lichtmesz und Ihnen – außerhalb des Parteiengezänks um Wählergunst und Pfründe – zu einem spannenden Ergebnis.

  5. Peter sagt:

    Mensch Herr Simon,
    dann will ich mal hoffen, daß Sie als vermutlicher Neu-Dresdner mir am Sonnabend in meiner Heimatstadt keinen Stein an den Kopf werfen werden: dort auf den Straßen Dresdens ist derzeit die eigentliche und künftige deutsche Wirklichkeit zu beobachten: bürgerkriegsähnliche Zustände: entfacht via irrer Hetze vermittels schiefer Begriffe und Anschuldigungen (z. B. statt der ausgedienten “Klassenkampf”- nun “Rassismus”-Rhetorik) durch die sogenannte “Zivil”-Gesellschaft. Daß diese “Zivil”-Gesellschaft durch ihr selbstherrliches Handeln das Chaos erst angerichtet hat, ist nicht zu leugnen und sollte Ihnen Stoff zum Nachdenken geben. Die Linke liebte indes schon immer Menschenexperimente im ganz großen Stil …

    Hier einige Links mit Lesestoff — man ist wirklich gespannt, auf Ihre künftigen Erkenntnisse:
    https://jungefreiheit.de/
    http://www.tumult-magazine.net/
    http://www.etappe.org/ausgaben/22-etappe/
    http://ef-magazin.de/
    https://derhonigmannsagt.wordpress.com/

    • “Der Honigmann” dürfte so mit das Unseriöseste sein, worauf man verlinken kann. Genauso wenig sind hier aggressive Pauschalisierungen und Vermengungen, oder z.B. die Gegenüberstellung von “Klassenkampf” und “Rassismus” der Debatte dienlich.

      • astra sagt:

        Honigmann ist unseriös, stimmt!

        Aber warum um alles in der Welt kennt Ihr zum Beispiel die Putnam Studie “Bowling Alone” nicht? Fragt Euch das mal ehrlich. Die Studie hat selbst Putnam jahrelang aus Angst, Unruhe zu stiften, zurückgehalten.

        Die Wissenschaft wird den race realism durchsetzen, ob die Gegenwehr noch drei Jahre (Murray) oder fünf Jahre dauert. Bis dahin könnt Ihr noch unwissend spielen oder leugnen, je nach Wahl.

        http://www.theoccidentalobserver.net/2012/11/ethnocentrism-is-normal-and-rational/

        Die Seite mal empfohlen, da schreiben so gut wie nur Professoren. Halt ohne 130§. Und übrigens, wer hat noch vor Gründung der EU genau das vorhergesagt, was auch Ihr jetzt problematisch findet – die Abschaffung des Nationalstaates? Und wer hat das geplant und angekündigt? Wollt Ihr nicht wissen.

        • Seb sagt:

          “Es fragt sich aber doch, ob eine letztlich utilitaristische Philosophie nicht schon kapituliert hat vor der Unmöglichkeit, die öffentlichen Dinge anders als in der Sprache der Kalküle und Vorteile zu thematisieren und so gegen die eigene Absicht einen Prozess beschleunigt, den Putnam gerade verhindern möchte: den Niedergang des sozialen Kapitals.”
          Aus einer Rezension ” (Warnfried Dettling in einer Rezension 2000)

          Dieser Satz erklärt auch, warum Bertelsmann ihn veröffentlicht und instrumentalisiert.

          “Da schreiben so gut wie nur Professoren” – seltsam unreflektiert. Kritik an der Politik aber bedingungsloses Vertrauen an deren Institutionen (Autoritäten!)?

          seb

        • Paul sagt:

          “Und übrigens, wer hat noch vor Gründung der EU genau das vorhergesagt, was auch Ihr jetzt problematisch findet – die Abschaffung des Nationalstaates? Und wer hat das geplant und angekündigt? Wollt Ihr nicht wissen.”

          Hm, das warn die Juden, weiß doch jeder. Oder nicht?

          Und Bowling Alone ist ein sehr bekanntes, nicht besonders kontroverses Buch, dass ich durchaus kenne, das aber auch nichts mit so einem Schwachsinn wie “race realism” zu tun hat.

          Ach, warum antworte ich auf sowas überhaupt.

        • astra sagt:

          Der Hinweis, es war nur das, auf Professoren war eben im Zusammenhang mit le bohemiens Abweisung des Honigmanns wegen der Seriosität angebracht. Im amerikanischen Sprachraum findet man eben noch Hochkaräter, die vom Recht der Freien Rede Gebrauch machen. Traut Euch halt mal ran an Prof. Kevin MacDonald, oder auch nicht.
          Aus dem Wiki-Artikel zu Robert Putnam:

          “Even when controlling for income inequality and crime rates, two factors which conflict theory states should be the prime causal factors in declining inter-ethnic group trust, more diversity is still associated with less communal trust.

          Lowered trust in areas with high diversity is also associated with:

          Lower confidence in local government, local leaders and the local news media.
          Lower political efficacy – that is, confidence in one’s own influence.
          Lower frequency of registering to vote, but more interest and knowledge about politics and more participation in protest marches and social reform groups.
          Higher political advocacy, but lower expectations that it will bring about a desirable result.
          Less expectation that others will cooperate to solve dilemmas of collective action (e.g., voluntary conservation to ease a water or energy shortage).
          Less likelihood of working on a community project.
          Less likelihood of giving to charity or volunteering.
          Fewer close friends and confidants.
          Less happiness and lower perceived quality of life.
          More time spent watching television and more agreement that “television is my most important form of entertainment”.

          Putnam published his data set from this study in 2001[7][8] and subsequently published the full paper in 2007.[9]”

          Und jetzt könnte man einfach mal den Artikel

          http://www.theoccidentalobserver.net/2012/11/ethnocentrism-is-normal-and-rational/

          über das Hormon Oxytocin lesen. Daran führt in der Wirklichkeit jedenfalls kein Weg dran vorbei. Könnte man halt vorher wissen.

  6. Absage sagt:

    Na ja viel geschrieben, aber wenig Substanz.

    Kurz als Hinweis: Schon vor 15 Jahren wurde der gesamte Komplex EU/Finanzsystem und Instrumentalisierung der UN-Organisationen von Globalisierungskritikern als Negativbeispiele dafür angeführt, wie Globalisierung den Menschen Schaden und Leid zufügt.

    Alle Parteien (außer die AfD in Ansätzen) verweigern sich bis heute einer Globalisierungskritik! Und warum?

    Es gibt soviel dazu zu analysieren, wird aber nicht gemacht. Die Linke jedenfalls ist tot.

    • Man kann der Partei Die Linke ja viel vorwerfen, aber globalisierungskritisch ist sie allemal. Und dann gibt es ja noch Attac. Mal etwas pauschal heruntergebrochen: Die Grünen sind Globalisierungsbefürworter, Linke, Attac Globalisierungskritiker.

  7. Karsten sagt:

    Servus Paul,

    netter Versuch. Du hast Dir bei aller Neugier leider viel Naivität behalten.

    Willst Du wirklich wissen was andere denken, und warum? Kenne u.a. Kubitschek persönlich.

    Gruß von einem anderen Neu-Dresdner.

    Kontaktiere mich, wenn Du Interesse an einem Gespräch hast. Auch ich bin neugierig und offen, für alles was besser und sinnvoll ist, ganz unideologisch.

    KM

  8. Seb sagt:

    Ach Ludwig, noch deutlicher und infantiler kann man seine Diskursunfähigkeit nicht demonstrieren.
    Oben schreibt Paul Simon einen Beitrag zum Diskurs, Karsten wirft ihm Naivität vor, mit einem peinlich süffisanten “Gesprächsangebot”.
    Haase vermisst irgendein Argument neben dem Urteil – und dann kommst du und sagst: gib doch mal was vor.
    Steht doch oben, die Vorgabe: der Beitrag von Paul Simon.
    Zu anstrengend? Zu substantiell? Offensichtlich. Da geht dann nur noch hohles denunzieren. Arm!

    Seb

  9. ThePanopticoin sagt:

    Das alte Problem ist, dass die Einteilung in “Linke” und “Rechte” schon arg wenig Dimensionen hat. Zumindest aus “linker” Perspektive ist damit die Stellung im “Klassenkampf” gemeint. “Linke” stehen dabei auf der Seite der Eigentumslosen, und drängen daher auf Veränderung, “Rechte” auf der Seite der (Privat-)Eigentümer (an Produktionsmitteln), die den “Status Quo” zu erhalten wünschen. Die Nazis, als “revolutionäre” “Partei der Mitte”, und des “Kleinbürgertums” mit Abstiegsängsten, stellten sich historisch als “Dritter Weg” gegen beide Seiten, die sie dann zeitgleich begrifflich antisemitisch (als “Fremdes an Sich”) aufluden: Aussenpolitisch gegen die “Finanzbourgeosie” der USA und den Bolschewismus; – innenpolitisch a la Horst Wessel “die Rotfront und Reaktion erschossen” .

    “Sinnig” ist es daher, das Schema zu erweitern, etwa um die Begriffe “freiheitlich” und “autoritär”. Hier würde der Faschismus “ultraautoritär” sein, aber eben gerade weder “links” noch “rechts” , wo sich dann wieder innenpolitisch beim “Herrenmenschen” Kapital und Arbeiter “die Hand reichen”, während nach Außen/gegen “Anderes” der “Totale Krieg” ausgerufen wird; – was ihm Teile seines dunklen “Charme” verleiht; – neben der pseudo-religiösen Aufführung.
    – Mao und Stalin sind dagegen zweifellos links-autoritär (“Allgemeine Gleichheit der Verwalteten mit dazugehöriger anti-demokratischer Führungsetage”) .

    Ein anderes mögliches, mehr als denkbares, politisches Einteil-Schema ergibt sich allerdings aus den Schlagworten der Französischen und später Deutschen Revolution: Entweder “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”, oder auch “Nationale Einigkeit, Gerechtigkeit, und Freiheit”, mit den Farben Schwarz (Einigkeit;”konservativ”) Rot (Gerechtigkeit; “sozialistisch”) Gold (Freiheit; “liberal”) , – übrigens völlig unzufällig den Farben der drei deutschen Nachkriegsparteien.

    Dabei ist der jeweilige Begriff “EInigkeit”/Brüderlichkeit” in beiden Fällen “national” (sowohl nach Innen wie nach Außen) aufgeladen, und meint damit auch ein Versprechen von (erst einmal juristischer,”rechtsphilosophischer”) “Ordnung” , die übrigens gleichsam ein bestimmtes Verständnis von “Vernunft” widerspiegelt.

    Die allzu-menschliche (aus Angst vor dem “Chaos” ) Sehnsucht (die auch die Salafisten teilen, inklusive “Ehrbegriff” und dazugehörigem “Kodex” ; – wie aber auch viele selbsternannte “Marxisten”; Wenige sind wohl absolut “frei” davon… ) nach einer festen, kristallinen, und unwandelbaren also “anti-modernen”/”gegenaufklärerischen” (bei den Nazis standen “die Juden”, als “Störung des angestrebten Gesellschaftsmodells”, evidenterweise für die als unmittelbar “katastrophisch” und “entformt” erfahrene und daher verruchte “weltbürgerlich-entwurzelte” Modernität, überbordende Komplexität, und Aufklärung, und dann auch noch “entartete Kunst” gegen “deutsche Ordnungsliebe”, und galten daher gleich in vielfacher Hinsicht als “gesetzlos” ), “identitätsstiftenden” “gesetzesförmigen” Ordnung, am Besten ohne übermäßige Beanspruchung des Gehirns (das dem reflexartigen Rückenmark anscheinend häufig unterlegen ist; – viele Menschen, gerade unterer Milieus, sind “stolz” darauf…- weil ja “Einfach einfach Einfach ist” …) , und damit dauerhaft “gültigen (und verbindlichen) Formen”, von “konservativ” (die Republikaner der USA, im Gegensatz zu den “progressiven” und wesentlich “unverbindlicheren” Demokraten; erinnert entfernt an das “Rechts-Links” Schema) bis “reaktionär” , wird allerdings am “Besten” (schon seit Plato) von einer “patriarchalen” /”vertikalen” (psychoanalytisch “phallischen”) Struktur gewährleistet (bei den Nazis war übrigens, schaut man die davon begeisterte Riefenstahl, angefangen bei der Swastika, über den Gruß und die Standarten, alles im kultischen ” klassizistischen griechisch-römischen Stil” auf triefende “männliche Potenz” , voller “Brüderlichkeit”, getrimmt, – mit dem “Führer” als allgemeinen, obendrein zumindest äussert peinlichen, “Schwengelrepräsentanten”; – “Spaceballs” ist dazu, wie auf gegenwärtig-amerikanisch “Mein Trumpf”, eine fröhliche Parodie… ), die auf hierarchischer Macht und dazugehöriger unhinterfragter “ehrfurchterbietender” “Autorität” , als Ideal von (zugegeben immer noch ziemlich ödipaler; – man versucht schließlich loopartig-neurotisch “Herr über seinen Ursprung” zu werden, um “Ordnung”,”Gesetz”, und “Identität” stiften zu können) “Männlichkeit”, basiert: – A la “Der König ist nackt” .

    Ordnung,Identität,Gesetz. Bekannterweise sind gerade Konservative aller Couleur (nicht erst seit Samuel Huntington) stolz auf ihren (sich darauf berufenden) Begriff von “Kultur” , und damit “kultischen” Handlungen, die diese als entsprechend phallische “Gründungsmythen” (“der Erbzeuge gilt als Höchstes”) wiederaufleben lassen (- die Nazis hatten wie gesagt ihren entsprechenden eigenen “revolutionären” Zugang dazu) .

    -Um soweit wie möglich abzuschweifen, und sich rein spekulativ in die weit entfernte (vielleicht “vorödipale”) menschliche Vorgeschichte zu begeben: “Ursprünglich” , rein biologisch gesehen, ist der Mann außerhalb des eigentlichen Zeugungsvorganges komplett überflüssig.

    Die (“urkommunistische”) Sippschaft aus Frauen, die im strengen engsten Sinne die “Basis alles menschlichen Reichtums” sind (also: die “eigentlichen” “Arbeiter”, a la Marx, – mit Schnittmengen zu ausgerechnet Eva Herman, aber überhaupt nicht zu Alice Schwarzer, …) , schafften das mit der Kinderaufzucht prima alleine. Nach Freud trat dann irgendwann ein “männlicher Hammel” auf, der die weibliche Sippschaft inklusive Kinderanhang “despotisch” für sich monopolisierte (Otto Muehl war übrigens auch so einer…) , und wie Uranus und Co seine “Omnipotenz” feierte (und zur Not seine männliche Nachkommenschaft verspeiste).

    Was dann (geboren wurde die “bürgerliche Eigentumsordnung” inklusive Ehe, Ödipus, und Kleinfamilie) die anderen “Männchen” auf den Plan rief, die das Monopol gewaltsam brachen und danach jeweils Frau und Kinder zu ihrem “Privateigentum”, inklusive bestehen bleibendem Machtverhältnis, machten: Was die Kinder jeweils an die “Autorität” , das “Über-Ich”, des Vaters bindet und ein entsprechendes neurotisches Trauma hervorruft, das sie “positiv” bestätigen und (phallo-zentriert) reproduzieren müssen, – bis hin zum “Vater” Staat, der “ordnungsstiftend” die Reproduktion des primären und basalen Gewaltverhältnisses (inklusive Macht) garantieren soll.

    Allerdings lässt sich die “Überflüssigkeit” nicht alleine durch die Ausübung von Herrschaft unkenntlich machen. Was gebraucht wird, sind zusätzlich “selbstzweck-hafte” Ersatzhandlungen , die wiederum allerdings idealerweise auch noch den Status quo erhalten. “Geboren” wurde der kulturschaffende (selbstredend konservative) Mann, der bemüht ist, sein biologisch gesehen völlig überflüssiges Tun, als Beweis seiner “Freiheit” (bei gleichzeitiger “Ordnungsliebe”) , auch “imperialistisch” in fernste Gestade zu tragen, und sich andere Menschenmengen zu unterwerfen, um sein persönliches “Kulturschaffen” vorantreiben zu können (bis hin etwa zum Pyramidenbau; aber auch am ziemlich extremen “Deutschen Wesen soll die Welt genesen”; – Griechenland war ja schließlich toll. Gegenwärtig ist natürlich die USA, trotz des “Überganges von der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Zivilisation”, “Weltkulturmarktführer”, allerdings wohl doch eher im Niedergang) . – Nietzsche wusste übrigens vom “männlichen Kulturdrang” (der nach Nietzsches Einsicht eben Unterworfene braucht; und Griechenland gilt da als ziemliche Blüte) jede Menge, weswegen er wohl häufig auch als anti-emanzipatorischer “Reaktionär” gehandelt wird. –

    Um die überdimensionierte Klammer der ziemlichen Nebensächlichkeit “konservativer” “patriarchaler” “kulturalistischer” “Ordnungsliebe” noch einen Abschluss zu geben: Nach Brecht ist die gegenwärtige “Kultur aufgebaut auf Hundescheisse” – wozu natürlich wieder jeder stehen kann wie er mag. Andererseits erinnert natürlich gerade in ästhetischer Hinsicht das “realsozialistische” Projekt, sagen wir in China (inklusive Kulturrevolution gegen “intellektuellen Standesdünkel” ) und Russland schon ziemlich an “Barbarei” . (Barbaren sind übrigens, en passent, ursprünglich Menschen, die “Br Br” sagen…)

    -Aus “realdialektischer” Hinsicht ist es zumindest beachtenswert, dass der aufklärerische “Dreiklang” oder die “Dreieinigkeit” aus “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” sich in politische Kräfte ausdifferenziert hat, die sich auch faktisch bis auf Leben und Tod bekämpfen: So war beispielsweise der 2. Weltkrieg ein Kampf zwischen den drei als solchen ziemlich “totalitären” Ideologien mit Anspruch auf Ausschließlichkeit: Die “Freiheitliche” USA (inkl. Großbritannien) , die “Fanatiker der Gleichheit” , in Form der Sowjetunion, und die faschistische (und absolut “exklusive”) germano-romanische “Bruderschaft” , mit fernöstlichem Anhang.

    Eine mögliche, sehr kurze, Ursachenerklärung hierfür liegt ggf. im tradierten Menschen- und Weltbild der Aufklärung, das die Welt nur als “Abstraktion” begreifen kann; selbst dort wo sie (siehe “Lebensphilosophie” ) , gegen etwa den “Wissenschaftsbetrieb”, und häufiger auch mal irrational, vom “Menschen” oder auch vom “Tier” zu reden meint. Wenn man die drei Begriffe übrigens (ziemlich idealistisch) in einen Sinnzusammenhang, anstatt sie als radikal getrennte Entitäten zu begreifen, stellen wollte, dann würde eigentlich das menschliche Bewusstsein seiner Freiheit ihn zu seiner Verantwortung mahnen. Sein Verantwortungsbewusstsein für die Welt wiederum würde ihn logisch zwingend zur Idee der “Nächstenliebe” und/oder der Gleichheit führen. Und die so errungene “Gleichheit” würde wiederum Freiheitsgrade befördern.

    P:S. : Vielleicht ist jemand in der Lage, dem ziemlich unvollständigen Gedankengang, der bestimmt TL;DR ist, und zudem sehr subjektiv, zu folgen. ;)

  10. Elmar sagt:

    Hallo,

    nur am Rande : das Wählerpotential rechts der Union bewerte ich völlig anders. Der Linksdrift unter Merkel – vor allem auch der konservative Personalabbau auf oberer Führungsebene – hat ein beträchtliches Vakuum hinterlassen. Inhaltlich wie emotional. Das “Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen” eines aalglatten Berufspolitikers wie Pofalla gegenüber Bosbach in der Euro-Auseinandersetzung klingt nach.

    Die Analyse zum wahren Kern von Rechts halte ich unterkomplex bis verfehlt – Machtstrukturen sind mehr Vehikel linker Theoriebildung als Dreh- und Angelpunkt rechten Denkens.

    Lichtmesz merkte richtig an, dass Macht und Hierarchie kein Selbstzweck seien.

    Die Notwendigkeit an Macht und Hierarchie als Instrument festzuhalten entspringt den fundamentalen Grundlagen konservativen Denkens. Also im wesentlichen einer essentialistischen Sicht auf die Natur des Menschen. Dass (Gruppen) von Menschen mit bestimmten Eigenschaften und Talenten geboren werden die ungleich verteilt sind ist im Konservativismus gesetzt. Natürlich ist es auch ein, durch Entwicklungspsychologische Forschung, gut belegter Fakt.

    Aus ungleicher Verteilung von Talent folgt hier schon eine natürliche Hierarchie, die bei Linken aufgrund des dort grassierenden Blank-Slatismus bereits erklärungswürdig ist und qua Analyse von allerlei Machtstrukturen problematisiert wird.

    So wie der Konservative beim Ursprung des Menschen eher Hobbes als Rousseau folgt, so ist er auch grundsätzlich eher Pessimist was zukünftige Optimierungen der Conditio Humana betrifft.

    Beispielsweise glaubt er nicht an die Möglichkeit machtfreier Institutionen. Über Habermas und seinen machtfreien Diskurs hat er sich Jahrzehnte lang kaputt gelacht.

    Konservatives Denken kann in 2 Minuten sowohl das scheitern anti-autoritärer Erziehung im Kinderladen der 1970er als auch das Scheitern des Arabischen Frühlings erklären.

    Liest man deine Analyse, man könnte Konservative allesamt für an Machtkomplexen leidend halten. Das alte Klischee des Untertan eben. Buckeln nach oben, treten nach unten. Gähn. Autoritäre Persönlichkeit. Doppelplusgähn.
    Warum jemand sollte ein Großteil der Bevölkerung diese Eigenschaften haben, wenn sie keinem evolutionären Zweck dienen?

    Ist es denn bspw. Zufall, dass der Prawyj Sektor und keine linken Gruppen den Sturz der Regierung zur Zeit des Euromaidan herbeigeführt haben? Ist es Zufall, dass in Krisenzeiten generell starke Anführer gewählt werden in Demokratien?
    Autorität in Frage zu stellen hat viele Vorteile. Autorität zu Folgen aber auch.

    Die Moral Foundation Theory, die seit ein paar Jahren von Jonathan Haidt popularisiert wird, ist dir bekannt? Der Komplex Authority / Subversion ist dort EINER von 6. Die anderen sind

    Care / Harm
    Fairness / Cheating
    Loyalty / Betrayal
    Sanctity / Degradation
    Liberty / Oppression

    Care / Harm sowie Fairness / Cheating domieren bei Linken. Die anderen moralischen Ebene gehen bei ihnen jedoch unter.

    Konservative haben alle Ebenen etwa gleich ausgeprägt. Sie entsprechen damit sicher eher der historischen und weltweiten Norm als linke. Für den quintessentialistischen Linken wurde deshalb der Begriff WEIRDO (Western, Educated, Industrialized, Rich, Democratic, Outbred) geprägt.

    Warum der Konservative gegen die perpetuelle Vollversorgung von Menschen aus Steuergeldern ist ergibt sich aus Fairness / Cheating mindestens so gut wie aus Authority / Subversion.

    Warum er Ausländern eher den Aufenthalt aber nicht den gleichberechtigten Status eines Bürgers gewähren würde ergibt sich aus Sanctity und Degradation usw.

    Konservative oder Rechte sind nicht dumm. Wir sind die Norm der Geschichte. Wir reißen uns den Arsch auf, damit die für Linke notwendigen Freiheitsräume überhaupt erhalten bleiben. Ein Dankeschön wäre nett.

Einen Kommentar hinterlassen

Kommentar abschicken

le-bohemien