Irrungen und Wirrungen

Vom angeblichen Antisemitismus der Occupy-Bewegung zu einer konstruktiven Kritik

Von Sebastian Müller

Die Occupy-Bewegung hat ein nicht zu unterschätzendes Problem. Der vorläufige Höhepunkt der weltweiten Aufstände und Proteste, die dem zu Ende gehenden Jahr ihren Stempel aufgedrückt haben, ist mit hochtrabenden Erwartungen und Hoffnungen verknüpft, die die Bewegung wohl nicht wird erfüllen können. Ihre Beliebigkeit – und daraus resultierend eine fehlende klare politische Agenda verbunden mit deutlichen Forderungen – macht sie von jeder politischen und weltanschaulichen Strömung einnehmbar. Ein Fakt, der von einem bewusst kultivierten Merkmal allmählich zum offensichtlichen Schwachpunkt der Bewegung wird.

Besonders deutlich tritt dieses Dilemma der ideologischen Obdachlosigkeit und inhaltlichen Diversivität dieser Tage hervor. Jeder, der will, kann für Occupy sprechen, jeder kann ad hoc postulieren, für was Occupy stehen soll; und damit kann jeder diese Bewegung instrumentalisieren. Im Umkehrschluss kann auch fast jede Kritik angewendet werden, um die Occupy-Bewegung zu dämonisieren.

An letzterer Strategie scheint, ausnahmslos hierzulande natürlich, zunehmend das antideutsche Milieu Gefallen gefunden zu haben, seitdem dessen Ikone Henryk M. Broder die Banken-Kritik der Occupy-Bewegung als antisemitisch brandmarkte. Das war das Startsignal. Die Antideutschen, Experten in der Beschäftigung mit deutschen Befindlichkeiten und Belanglosigkeiten, wittern hinter jeder politischen Regung ohnehin die nächste antisemitische Verschwörung. Damit ist diese mit einem kruden und überschaubar einfachen Weltbild ausgestattete Sekte selbst genauso verschwörungstheoretisch wie jene Verschwörungstheoretiker, die sie im Umfeld von Occupy attackiert.

Mit anderen Worten: die Antideutschen sind nur ein besonders radikaler, gut vernetzter und homogener Teil von diversen obskuren Gruppierungen in der Peripherie der Occupy-Bewegung. Der einzige Unterschied: Sie desavouieren die Bewegung, indem sie zweifelsohne vorhandene antisemitische Verschwörungstheoretiker als stellvertretend für die Bewegung insgesamt setzen. Occupy soll so für die Spinnereien von gewissen Randgruppen in Haftung genommen und diskreditiert werden.

Ein konkretes Beispiel hierfür liefert der Blogger Martin Wassermann, der in seiner einschlägigen Kritik suggeriert, die Bewegung setze sich sowohl in den USA als auch in Deutschland vor allem durch eben jene Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten, Zinskritiker und Antisemiten zusammen, die im Slogan „wir sind die 99 Prozent“ ihren kleinsten gemeinsamen Nenner fänden, um gegen eine kleine, mystifizierte Elite vorzugehen. So wurde angeblich in „verschiedenen Reden” in einem “eindeutigen antisemitischen Jargon gegen die angebliche Macht der ,Rothschilds‘ angeschrien“. Letztere Behauptung ist im Nachhinein kaum noch zu überprüfen. Fakt ist aber, dass allein das antideutsche Spektrum diesen Vorwurf aufgreift, während die Leitmedien nichts dergleichen berichteten. Des Weiteren ist der Vorwurf des Antisemitismus, gerade wenn er aus jenem fundamentalistischen Lager der Antideutschen kommt, grundsätzlich mit großer Skepsis zu betrachten.

Um es vorab zu sagen, für Antideutsche – und Wassermann ist ein solcher – ist jegliche soziale Bewegung tendenziell als völkisch und antisemitisch zu denunzieren. Wohlgemerkt geschieht dies nun zu einem Zeitpunkt, in dem sogar die Anti-Defamation League (ADL), die bekannt dafür ist, den Vorwurf des Antisemitismus in inflationärer Häufigkeit zu verwenden, in einer Pressemitteilung klarstellt, was klar sein sollte:

There is no evidence that these anti-Semitic conspiracy theories are representative of the larger movement or that they are gaining traction with other participants. (ADL am 17.11.2011)

Doch Wassermann beruft sich nicht nur darauf. Er wirft den „Aktivisten“ – vor allem in Deutschland – zudem eine verkürzte Kapitalismuskritik vor. Das mag aus Sicht eines Marxisten im abstrakten theoretischen Diskurs richtig sein, ist aber angesichts der Tatsache, die Wassermann selbst andeutet, nämlich dass sich Occupy eben nicht aus den „Aktivisten“, sondern aus einem völlig heterogenen Spektrum zusammensetzt, die falsche Frage. Die Occupy-Bewegung ist und kann keine marxistische sein. Die Protestler, oder zumindest die Sympathisanten, und das ist das Besondere, rekrutierten sich eben nicht nur aus hartgesottenen Antikapitalisten, sondern auch aus gutbürgerlichen Teilen der Gesellschaft. Das heißt aber keinesfalls, wie Wassermann postuliert, dass die Bewegung nicht emanzipatorisch wäre.

Neu ist also die gesellschaftliche Breite und das transnationale Potential der Bewegung, die sich nicht nur auf bestimmte Interessengruppen wie Gewerkschaften oder NGOs beschränkt. Diese teils noch unbestimmte Unzufriedenheit der unterschiedlichsten Milieus ist ein Indiz für einen längst nicht mehr intakten Gesellschaftsvertrag in den westlichen Industrienationen. Gesellschaftliche Eruptionen oder Verwerfungen sind aber der Keim jeder emanzipatorischen Bestrebung. Insofern macht man es sich zu einfach, Occupy dadurch die grundsätzliche Legitimation entziehen zu wollen, indem man sie auf Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik reduziert, oder ein möglichst großes Sammelsurium von fragwürdigen bzw. verschwörungstheoretischen Äußerungen zitiert. Doch ist dieser Tatbestand symptomatisch für das antideutsche Denken einerseits wie für die bereits angerissenen Probleme der Occupy-Bewegung andererseits.

Auf der einen Seite zeigt die engstirnige, ja paranoide Beschränkung auf eine angebliche antisemitische Verschwörung, wie blind die antideutsche Subkultur für die tatsächlichen Probleme und Verwerfungen unserer Gesellschaft ist. Und das, obwohl die Diskussion über die trübe Zukunft der westlichen Demokratien bereits von abgelegenen Lehrstühlen der Politikwissenschaft (Colin Crouch) und kleinen Zirkeln kritischer Blogs und linker Gruppierungen im feuilletonistischen Mainstream der Leitmedien angekommen, und das Wort Postdemokratie längst kein theoretisch abstrakter Begriff mehr ist. Obwohl mittlerweile für fast jedermann offensichtlich geworden ist, wie Regierungen und Parlamente vor den Herausforderungen der Krise kapitulieren, ja dass der Wille der gewählten Volksvertreter von der Übermacht sozial entkoppelter Finanzmärkte („disembedded markets“, K. Polanyi) gebrochen wird [1]; ferner, dass das repräsentative System nicht ausreichend gefeit ist gegen politische Korruption und sich damit selbst Stück für Stück die legitimatorische Grundlage entzieht.

Dieses zunehmende strukturelle Legitimationsdefizit findet nicht zuletzt in Gesetzesentwürfen ihren Ausdruck, die direkt von Experten der Finanzindustrie übernommen werden. Die Ministerien, mittlerweile abhängig von externem Fachwissen, haben damit de facto ihr Hoheitsrecht im Gesetzgebungsprozess abgetreten – eine ungeheuerliche Entwicklung. Auf europäischer Ebene sieht dies nicht besser aus. Yiorgos Vassalos, Mitarbeiter der NGO Corporate Europe Observatory, sprach im September dieses Jahres von 260 Experten, die die EU-Kommission bei der Gesetzgebung am Finanzmarkt beraten sollten. 200 von diesen 260 Experten kämen aber wohlweislich direkt von der Finanzindustrie, so Vassalos.

Selbst neokonservative Occupy-Gegner wie die mehrmals ausgezeichnete US-Journalistin Anne Applebaum vermögen die Zunahme politischer Ohnmacht nicht zu übersehen:

Both the sources of the global economic crisis and the solutions to it lie, by definition, outside the competence of local and national politicians. As I wrote at the time of the first Greek riots a few years ago, nobody much admires powerless leaders. Nobody much sees the point in voting for people who can’t stop another wave of economic pain rolling in from Beijing, Brussels or New York. (National Post, 20.10.2011)

Das alles sind nur einige von vielen Punkten, die es von der Öffentlichkeit zu kritisieren gibt, und die auch, – es sollte nachdrücklich betont werden -, wesentliche Hintergründe der Moviemento 15-M waren, welche in Spanien begann und als maßgebliches Vorbild für die Occupy-Bewegung gilt. Doch auch die obige Diagnose dürfte für Broder und seine antideutschen Jünger wohl nichts weiter als struktureller Antisemitismus sein. Es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen; nur auf so viel sei hingewiesen: Neben ihrer auf wissenschaftlichen Niveau nicht verwendbaren gesellschaftspolitischen Philosophie ist es diese Ignoranz für die wirklich drängenden Zukunftsfragen, die das antideutsche Spektrum – trotz intellektueller Inszenierung – ideengeschichtlich völlig bedeutungslos und überflüssig werden lässt. Angesichts der Tatsache, dass die Antideutschen alles andere als Gralshüter eines demokratischen Rechtstaates sind, ist zumindest diese Gewissheit beruhigend.

Auf der anderen Seite aber wird die Zukunft der Occupy-Bewegung düster aussehen, wenn nicht endlich eine klar umrissene und artikulierte politische Agenda als Antwort auf die oben skizzierten Verwerfungen formuliert wird. Viele der Aktivisten werden das nicht gerne hören, doch der Bewegung mangelt es an einem zentralen Organ, einer klaren inhaltlichen Positionierung und legitimierten Repräsentanten, die in der Lage sind, eine solche Agenda zu entwickeln und diese auch adäquat der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der in einer provisorischen Online-Abstimmung berufene, erst 20-jährige Pressesprecher Wolfram Siener ist hier in der Tat kein gutes Beispiel.

Folglich ist die antideutsche Kritik nicht das Problem, sondern nur ein Symptom von Dezentralität und Sprachlosigkeit der Occupy-Bewegung, die dazu führt, dass nicht nur seriöse Denkanstöße, sondern vor allem Wirrköpfe jeder Couleur eine Plattform geliefert bekommen. Die Debatte über antisemitische Tendenzen würde im Keim ersticken, wenn es wirklich verantwortliche Sprecher gäbe, die sich klar und öffentlichkeitswirksam von den vereinzelt kursierenden antisemitischen Verschwörungstheorien und anderen Wirrungen, die eine heterogene Massenbewegung zwangsläufig mit sich bringt, distanzieren würden. Heterogenität darf nicht mit Narrenfreiheit verwechselt werden. Grundsätzlich reichen Symbolik und Parolen alleine nicht aus, um auf Dauer politischen Druck und ein nachhaltiges ziviles Gegengewicht zur neoliberalen Austeritätspolitik zu schaffen. Wenn sich das nicht ändert, droht sich die Occupy-Bewegung mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sie scheitert an der Dialektik der Aufklärung.

Der Text ist als eine Replik auf den Kommentar von Martin Wassermann (Die Gemeinschaft gegen die „1 Prozent) entstanden.

[1] Auch wenn sich die folgende Klarstellung der antideutschen Logik entzieht: Diese These ist weder antisemitisch noch verschwörungstheoretisch, sondern empirisch und Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Daran ändert sich auch nichts, wenn einige Rezipienten darauf mit antisemitischen Konnotationen reagieren. Dass diese Klarstellung offenbar in den Augen einiger notwendig ist, spricht für eine Meinungsdiktatur, der hier lediglich zur Vermeidung von Missverständnissen entsprochen werden soll: Es geht bei der Systemkritik weder um „die Juden“ noch um verschwörerische Geheimbünde, sondern um eine defizitäre, sich durch Machtverschiebungen demokratischen Legitimitätserfordernissen entziehende Wirtschaftsordnung. “The movement is not about Jews; it’s not about Israel. It’s about ‘the economy, stupid.” (Abraham H. Foxman, Direktor der Anti-Defamation League, New York Times, 22.10.2011)

Mehr zum Thema:

– Mensch gegen Markt

– “Antifa heißt Luftangriff”

– Zurück zur Utopie

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40 Kommentare zu "Irrungen und Wirrungen"

  1. Y.Jones sagt:

    Großartiger Artikel. Seit Wochen versuche ich sämtliche Aktivisten und Blogger auf die Problematik hinzuweisen, dass es Repräsentanten geben muss um die Masse überhaupt erreichen zu können. Bestehend aus ca. 4-6 Personen.Ob Occupy oder zukünftige Bewegungenen, sie werden zu diesem Schritt gezwungen sein. Und ein ganz wichtiger Schritt ist halt das wer/wie/was/warum. Warum gehen die Menschen im Westen auf die Straße?.Was wollen sie und von wem?Wie ist das umzusetzen? Und ich kritisiere die Einfallslosigkeit dieser Bewegung. Immer wird Amerika nachgeahmt. Wenn die Amis Occupy aufgeben werden es die Deutschen auch lautet meine Prognose. Und es gibt Alternativen zur klassischen blutigen Revolution und der aktuellen friedlichen Demonstration. Aber die Kreativität scheint begrenzt…..

    • gato sagt:

      “Immer wird Amerika nachgeahmt.”

      die occupy-bewegung in der usa ist aber wiederrum eine “nachahmung” von 15m und tahrir.

      “echte demokratie jetzt” entstand monate vor “occupy”

      wenn dann wurde spanien “nachgeahmt”, aber eigentlich ist es der ganz übliche domino-effekt ;)

      • Y.Jones sagt:

        Naja.. Die Spanier haben andere Motive als die Occupy gehabt. Gründe sind vor allem die Chancenungleichheit und Arbeitslosigkeit . Und Arbeitslosigkeit sowie Lohndumping und Leistungsdruck hat nichts mit dem Geldsystem zu tun sondern hat seinen Ursprung in der Betriebswirtschaftslehre. Die Menschen im Westen gehen doch eigentlich nur wegen solcher Phänomene überhaupt auf die Straße. Ohne Unzufriedenheit und Frust wäre auch Occupy niemals entstanden. Es ist ein Irrglaube, wenn man sagt das Geldsystem macht die Reichen reicher und die armen ärmer. Richtig ist : Das Geldsystem macht die Reichen reicher. Aber arme nicht ärmer. Geld wird aus dem nix geschöpft und landet bei den Reichen. Ausserdem ist der Staat gezwungen durch die wachsenden Zinsen sein Budget für Sozialleistungen und Bildung sowie Infrastruktur zu senken. Hartz4 Empfänger sind also zurecht Anhänger von Occupy. Aber Occupys welche echte demokratie jetzt fordern haben keine Ahnung wer diese verhindert. Was kann ein Investmentbanker dazu, wenn Nestle, der größte Lebensmittelkonzern der Welt, wohlwissend und öffentlich bekannt,an der Elfenbeinküste 25000 Kindersklaven beschäftigt. Da sag ich man muss trennen zwischen Bank/Staat Verhältnis und BWL/KonsumentVerhältnis.
        “Der Konsument ist des Unternehmens Bänker”. Bwl basiert auf einem völlig aus der Kontrolle geratenen Optimierungswahn. Die Lehre basiert auf ständiger Steigerung von Profitabilität Produktivität, Qualität, Effizienz und Effektivität. Dazu der irre Kampf um Marktanteile. Die Angestellten im Westen und auch die Menschen der dritten Welt sind immer die leidtragenden. Selbst wenn wir morgen das beste Geldsystem, die unbestechlichsten Politiker bekommen.Stell dir auch vor alle Spekulanten, Aktien, Geheimdienste und Kriege sind für immer verschwunden. Arbeitslosigkeit durch Effizienz, Lohndumping und Leistungsdruck würden bestehen bleiben und sich vorallem weiter verschärfen. Der Applebastler aus Taiwan bekommt immer noch seine 9cent die Stunde. Bei 375 Stunden macht das 40 Euro im Monat. Bedenke bitte das der Mindestlohn in Taiwan bei 80 Euro liegt. Man wird das Geldsystem reformen müssen, aber es ist verlogen oder einfach Unwissenheit wenn man echte demokratie jetzt fordert. Das liegt in der Hand der Konsumenten oder der Konzerne. Die Konzerne aber werden niemals freiwillig höhere Gehälter zahlen.

        • gato sagt:

          “Naja.. Die Spanier haben andere Motive als die Occupy gehabt. Gründe sind vor allem die Chancenungleichheit und Arbeitslosigkeit”

          Hum? natürlich sind die leute in der usa auch gegen chancenungleichkeit und arbeitslosigkeit auf die sraße gegangen. Was lässt dich etwas anderes glauben? verstehe ich nicht.
          Die proteste in der usa , wie die auf der ganzen welt, stehen natürlich auch für soziale und wirtschaftliche gerechtigkeit. Und sie sind durch die prosteste in spanien inspiriert worden (welche auch die macht der banken kritisierten), sowie zum beispiel die proteste in israel.
          Auch die proteste in den arabischen ländern richten sich nicht nur gegen die jeweilingen diktatoren, sondern auch gegen die neoliberale politik, die in diesen ländern eingeführt worden ist. Sie ist nämlich im grunde die selbe, die im westen implementiert wurde. Die arabischen revolutionen führten dazu, dass sich die menschen im westen sich nun die frage stellen “leben WIR denn noch in einer demokratie?”

          Und der protest in deutschland in dieser form hat nun mal auch ihren ursprung in spanien. Auch wenn die mainstreammedien nicht davon berichtet haben und es erst seit “occupy” tun.

          “Es ist ein Irrglaube, wenn man sagt das Geldsystem macht die Reichen reicher und die armen ärmer. ”

          Auch wenn du gegen dinge argumentierst, die ich nirgendwo gesagt habe (ich hab mich niergendwo zu dem thema konkret geäußert, weil ich die meisten begriffe, die in der diskussion benutzt werden, nicht kenne), aber nagut, im grunde ist das ganz simpel:

          Wenn sich ein teil der menschen, sich geld von dem reichen teil leiht (leihen muss), muss er dafür dem reichen teil zinsen zahlen. Das heißt, der reiche teil bekommt vom armen mehr zurück als er geliehen hat und der arme muss mehr zahlen, als er im stande ist. Wer sich geld leiht muss also mehr arbeiten als sonst um diese zinsen zahlen zu können. Kannst du mir erklären wieso das nicht *auch* zur ungerechten verteilung UND zur ausbeutung (zumindest) beiträgt und alles NUR dadurch geschieht, dass der eine teil über die produktionsmittel verfügt und der andere zu wenig verdient? Würde mich wirklich interessieren.

          Und ich sagte auch nicht, die menschen wären plötzlich spontan alle gegen irgendein system auf die straße gegangen. Im grunde gehen die meisten auch nicht gegen den kapitalismus als ganzes auf die straße. Das bedeutet aber nicht, dass die probleme (wogegen sie protestieren) nicht darin verborgen liegen würden und das bedeutet auch nicht, dass die proteste an sich nicht kapitalismuskritisch wären. Dass eine große masse unterschiedlicher menschen, mit unterschiedlichen hintergründe und politische einstellungen auf die straße geht und sich versammelt, miteinander kommuniziert und den kapitalismus *hinterfragt* (und dazu gehört nunmal auch das geldsystem) ist eigentlich das beste, was passieren kann. Besser als, wie bis her üblich war, wenn eine kleine abgeschottete gruppe ausschließlich gegen vereinzelte symptome oder gegen die letzten verschlechterungen protestiert und dabei jedes mal scheitern muss, oder?

          “Selbst wenn wir morgen das beste Geldsystem, die unbestechlichsten Politiker bekommen.Stell dir auch vor alle Spekulanten, Aktien, Geheimdienste und Kriege sind für immer verschwunden. Arbeitslosigkeit durch Effizienz, Lohndumping und Leistungsdruck würden bestehen bleiben und sich vorallem weiter verschärfen.”

          Da gebe ich dir recht, aber wer sagte denn, dass wenn man das geldsystem verändert alles schön und gut sein würde? ich hab das nicht so genau verfolgt. Kannst du denjenigen zitieren? Das argument, das geldsystem ist nicht der einzige ursprung der probleme, spricht nicht dafür, das thema komplett zu vergessen. Wer mir hier verständlich eklären kann wieso geldsystemkritik VOLLKOMMEN überflüssig ist und man das thema eigentich komplett vergessen kann und soll, kriegt einen keks.

  2. Gerd Weghorn sagt:

    Die hier – eindrucksvoll referierten – politisch-praktischen Machinationen genau jener Strategie, die ich unter der Überschrift “Die Antisemitismus-Lüge und ihre publizistische Funktion” http://profiprofil.wordpress.com/2011/11/24/die-antisemitismusluge/ analysiert und kritisiert habe, veranschaulichen die Kernthese meines Essay, der zufolge der “Antisemitismus-Vorwurf” zum politischen Schlüsselbegriff der Profiteure des Kapitalismus geworden ist.

    Die Masche ist ganz einfach: tabuisiere Kapitalismuskritik per Denunziation als “antisemitisch.”

    Und das passiert momentan auf allen Kanälen – was nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein dürfte, dass in dem – von mir kritisierten – “Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus: Antisemitismus in Deutschland.” – herausgegeben vom Bundesministerium des Inneren (BMI), Berlin 2011 – dieser „perfiden“ (Weiler) Strategie der Denunziation von Kapitalismus-, Israel- und USA-Kritik die regierungsamtliche Weihe verliehen worden ist, derer sich die Plappernde Kaste http://profiprofil.wordpress.com/2011/09/01/blog-inhaltsverzeichnis/ immer schon zu bedienen gewusst hat.

    BMI: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/Politik_Gesellschaft/EXpertenkreis_Antisemmitismus/bericht.pdf;jsessionid=1FF7FD62A2A77036F19CA48AA5828CF4.2_cid239?__blob=publicationFile

  3. gato sagt:

    “forderungen” braucht die bewegung dafür nicht, aber man könnte eine erklärung schreiben, die die wesentliche merkmale anspricht und NOCH einmal genauer und für alle verständlich beschreibt, was die bewegung ausmacht und was sie auf keinen fall ist.

  4. Icke sagt:

    Das was zentrale Organisation etc. angeht stimme ich dem Artikel nicht zu. Die Aussage ist doch: Die Gesellschaft als solche muss sich neu organisieren…das ist doch eigentlich nicht so schwer zu verstehen…dazu braucht es keine Organisation ihrerseits die das promotet…was dahin führt ist die Aufklärung es Einzelnen…diese schreitet voran.

    Die wunderbare Darstellung antideutscher Hetzparanoia, also die Aufklärung was hinter kruden Verleumdungskampagnen noch so stecken kann (ausser etwa auch Geheimdienste) ich ein wichtiger Beitrag dafür.

    Vielen Dank

  5. gato sagt:

    “Auf der anderen Seite aber wird die Zukunft der Occupy-Bewegung düster aussehen, wenn nicht endlich eine klar umrissene und artikulierte politische Agenda als Antwort auf die oben skizzierten Verwerfungen formuliert wird. Viele der Aktivisten werden das nicht gerne hören, doch der Bewegung mangelt es an einem zentralen Organ, einer klaren inhaltlichen Positionierung und legitimierten Repräsentanten, die in der Lage sind, eine solche Agenda zu entwickeln und diese auch adäquat der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der in einer provisorischen Online-Abstimmung berufene, erst 20-jährige Pressesprecher Wolfram Siener ist hier in der Tat kein gutes Beispiel.”

    repräsentanten mit supererfahrung können auch manipuliert werden… und so die bewegung auch mächtig schaden.
    beispiel chile und die studentenbewegung: camila vajello ist jetzt plötzlich von den kommunisten als präsidentschaftskandidatin der kommunistischen partei einfach mal von oben ernannt worden.

  6. gato sagt:

    ähh, vallejo*…

    der* bewegung schaden

    wo bleibt die editfunktion!? :)

  7. rudi1960 sagt:

    Sehr guter Artikel mein Kompliment an den Autor,
    meiner Meinung nach können die Kritiker Occupy überhaupt nicht verstehen weil es eben kein Handbuch dazu gibt :) Um Qccupy zu verstehen sollte man sich etwas mit KI der künstlchen Intelligenz beschäftigten dann kann man reflektieren denn Occupy fonktioniert wie die Suchroboter/drohnen im Netz ! Zur Erklärung treffen sich zwei Drohnen die jeweils 3 Dinge beherrschen eines davon der 3 Dinge ist die Sprache das verstehen sie beide die anderen 4 Dinge erlernen sie durch Austausch zueinander/miteinander und so maximieren sie Ihr Wissen bis sie wieder auf die nächsten Drohne treffen und der Vorgang multipliziert sich hoch und zwar Ergebnisoffen.
    Dafür fehlt nun den Kritikern das Handbuch fehlende Ideologie weil es da keine gibt und damit kommen sie nicht klar und resignieren was sie wiederum aggressiv macht, weil ihre überholten Erklärungsmuster hierzu nicht greifen, nicht greifen können,
    So um nun eine Bewegung zu diskreditieren verwendet man ein Neusprech und Orwell gibt uns ja die Erklärung in seiner Farm der Tiere als auch in 1984 hierzu, er liefert das Handbuch passgenau zugeschnitten auf eben diese Kritiker die in Ihrer Dialeltik als auch Doktrie gefangen sind, die es auch nicht verwinden können jemals in der Geschichte des Blauen Planeten etwas derartiges vorweisen zu können.
    Da diese Kritiker zudem auch noch schlechte Verlierer sind was sie wissen aber nicht glauben wollen, verwenden sie nun das Mittel der Exorzisten und auch der Lobbyisten und lassen Journalisten in den staatlichen und nicht staatlichen Sendern entfernen die nur im Ansatz ihren Zielen entgegenstehen und diese vielleicht sogar durchschaut haben jüngste Beispiele belegen diese meine Behauptung.

  8. Der Grund, weshalb Occupy noch keine klaren Thesen und Ziele definieren kann, liegt darin begründet, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen. Und zwar einen zweifachen.

    Ein grundlegender Paradigmenwechsel ist von vornherein schon deshalb schwierig zu bewältigen, weil man die bisherigen, bereits existierenden Paradigmen für gewöhnlich nicht kennt. Sie sind quasi als Kultur-Code unsichtbarer Teil unseres Weltbildes. Das macht es so schwer, darüber zu reflektieren und zu diskutieren.

    Allerdings gibt es bereits deutliche Anzeichen dafür, dass sich ein Umschwung anbahnt. Der Prozess des Wandels hat bereits eingesetzt. Dieser Prozess befindet sich quasi im präverbalen Stadium. Es gibt noch keine Begriffe für die neuen Strukturen, da sich die neuen Strukturen erst noch selbst erschaffen müssen und daher noch nicht analysiert werden können.

    Ich würde mir wünschen, dass sich dieser bereits begonnene Prozess in die Richtung einer Kultivierung unserer Individualgesellschaft bewegt. Denn machen wir uns nichts vor: Unsere Individualgesellschaft ist reichlich unkultiviert. Das ist im Kern der Kritikpunkt von Occupy: Die unkultivierte Individualgesellschaft mit ihren Gewinnmaximierern, Ihrer Ellenbogen- und Selbstbedienungs-Mentalität.

    Die Lösung dieses Problems wird vielfach darin gesehen, den Individualismus zu revidieren und zu einer kollektivistischen Gesellschaftsstruktur zurück zu kehren, wie es insbesondere die Linken und die Rechten an den äußeren Rändern propagieren. Doch instinktiv scheint sich die Masse dieses Mal nicht wohl damit zu fühlen und sich nicht so richtig damit anfreunden zu können. Man will seine lieb gewonnenen Freiheiten und individuellen Neigungen doch nicht so gerne aufgeben. Dann solls halt so sein. Bleiben wir doch alle Individualisten. Aber dann schon bitte wenigstens kultivierte.

  9. Pistepirkko sagt:

    Was ein Schwachsinn Herr Wolfgang Baumbast.
    Wissen warum Pinguine -70 Grad überleben? Denken Sie mal nach!

    Nur gemeinsam können wir individuen werden, wenn wir in der Sicherheit der Gemeinschaft uns entwickeln können.
    Ich sehe schon… die Mainstreampresse hat bei ihnen nicht versagt.
    Schönen Tag noch

  10. Das ist ein eleganter Steilpass für mich und meine Thesen den Pistepirkko da vorlegt. Denn P. beweist mit seinem Kommentar, dass er sich bei seiner Entgegnung auf zwei klassischen Paradigmen stützt, die gerade dabei sind, sich zu verabschieden.

    Paradigma Nr. 1:
    Individualismus ist eine Fehlentwicklung. Der Einzelne kann als Individuum nicht überleben. Er braucht dazu die Unterstützung der Überlebensgemeinschaft. Als Einzelner geht er irgendwann in der Masse unter.

    Paradigma Nr. 2:
    Das Nullsummenspiel-Paradigma, das besagt, wenn der eine etwas mehr verdient, dann fehlt es einem anderen. Das darf nicht sein, alle müssen sich gegenseitig unterstützen und untereinander solidarisch sein.

    Das sind die Standard-Paradigmen aller Linken und so kommt auch deren Ideologie und deren Politik daher.

    Nun gibt es zu diesen linken Paradigmen aber auch andere Modelle und Denkansätze.

    Die Menschheit hat sich seit Karl Marx nämlich weiter entwickelt. Zum Beispiel hat Sigmund Freud etliche Jahre nach Karl Marx der Psychoanalyse zum Durchbruch verholfen.

    Im Zuge seiner Forschungen hat er sich intensiv mit der Triebstruktur der Menschen beschäftigt und dabei entdeckt, dass wir von drei archaischen Urtrieben mit psychischen Energien gespeist werden. Dazu zählen der Selbsterhaltungstrieb, der Sexualtrieb und der Trieb zur Selbstentfaltung und zur Selbstdarstellung, den er den narzisstischen Trieb genannt hat.

    An dieser Stelle darf ich den Psychoanalytiker und Sozialphilosophen Erich Fromm zitieren, der zum Thema Narzissmus folgende Aussage getroffen hat:

    “Der Narzissmus ist eine Leidenschaft von einer Intensität, die bei vielen Menschen nur mit dem Geschlechts- und Selbsterhaltungstrieb zu vergleichen ist. Häufig erweist sie sich sogar stärker als diese beiden Triebe. Selbst beim Durchschnittsmenschen, bei dem der Narzissmus eine solche Intensität nicht erreicht, bleibt noch ein narzisstischer Kern bestehen, der fast unzerstörbar zu sein scheint.

    Wenn dies zutrifft, können wir vermuten, dass die narzisstische Leidenschaft genau wie der Geschlechts- und der Selbsterhaltungstrieb ebenfalls eine wichtige biologische Funktion hat.

    Sobald man diese Frage stellt, ergibt sich auch schon die Antwort. Wie könnte der einzelne Mensch überleben, wenn seine körperlichen Bedürfnisse, seine Interessen, seine Wünsche nicht mit einer starken Energie geladen wären?

    Biologisch, vom Gesichtspunkt des Überlebens aus muss der Mensch sich selbst weit wichtiger nehmen als irgendjemand sonst. Täte er dies nicht, woher nähme er dann die Energie und den Willen, sich gegen andere zur Wehr zu setzen, für seinen Unterhalt zu arbeiten, um sein Leben zu kämpfen und sich gegen seine Umwelt durchzusetzen?

    Ohne Narzissmus wäre er vielleicht ein Heiliger – aber haben Heilige tatsächlich eine hohe Überlebenschance? Was vom religiös-spirituellen Standpunkt aus höchst wünschenswert wäre – dass es keinen Narzissmus gäbe – wäre vom weltlichen Standpunkt der Erhaltung des Lebens aus höchst gefährlich.

    Teleologisch (d.h. zielgerichtet) gesehen heißt das, dass die Natur den Menschen mit seinem erheblichen Maß an Narzissmus ausstatten musste, um ihm die Möglichkeit zu geben zu überleben…”

    Zitat aus dem Werk von Erich Fromm: “Die Seele des Menschen; Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen.

    Was will ich damit sagen? Wenn Freud und Fromm recht haben, dann existiert in uns allen ein nahezu unzerstörbarer narzisstischer Kern. Diesem Kern verdanken wir es, dass wir uns aus den Überlebensgemeinschaften abnabeln und herauslösen, um unsere eigene Persönlichkeit und Individualität zu entwickeln.

    Genau das geschieht seit etlichen Jahrzehnten. Wir leben in einer extrem narzisstischen und egozentrischen Gesellschaft. Daran ist letzten Endes der Kommunismus und der Sozialismus gescheitert, denn Menschen, deren narzisstische Triebstruktur erwacht ist, lassen sich kaum noch gängeln, bevormunden, überwachen, gleichschalten oder der Früchte ihrer Arbeit berauben.

    Dieser großartige Individualisierungsprozess hat Gewinner und Verlierer hervorgebracht. Um in einer Individualgesellschaft überleben zu können, muss man stark sein. Eine solche Stärke wurde allerdings nicht von allen Mitgliedern unserer Gesellschaft gleichermaßen entwickelt, sodass sich viele überfordert fühlen und sich nach einer funktionierenden Überlebensgemeinschaft, nach einem starken und fürsorglichen Vater Staat zurücksehnen.

    Nun stellt sich an diesem Punkt die entscheidende Frage: Sollen wir uns als Gesellschaft zurück entwickeln und unsere neu gewonnenen Freiheiten aufgeben, um im Kollektiv zwar unfrei aber doch sicher und geborgen zu sein? Also quasi als Pinguin unter tausenden anderen, dicht an dicht, Arsch an Arsch bewegungslos in der Mitte zu stehen, keinen Freiraum zu haben, um bei 70 Grad minus nicht zu erfrieren oder sollen wir uns einfach ein Iglu bauen und darin Unterschlupf suchen? Das wärmt auch und das krieg ich, geschickt und erfindungsreich wie ich bin, notfalls alleine hin. Sofern ich das Iglu groß genug baue, lock ich sogar damit ein Weibchen an. Wenn alles passt, gründe ich eine Familie und wenn nicht, dann bleib ich halt alleine, denn wozu habe ich meine Harpune und einen Schlitten?

    So hat halt jeder seine Überlebenstechnik. Wer kein Iglu bauen kann und nicht weiß, was eine Harpune ist, braucht den Schwarm.

    Also, lieber Pistepirkko, meine Empfehlung: Mal die eigenen Paradigmen überprüfen. Wer keine Harpune hat und kein Iglu bauen kann, ist darauf angewiesen, von anderen gewärmt zu werden und darauf zu hoffen, dass die Pinguinweibchen irgendwann mal dahergewatschelt kommen und dann hoffentlich die gefangenen Fische redlich teilen.

    Ich gehe derweil mit meiner Harpune selber zum Jagen, achte aber darauf, genügend Fische für die anderen übrig zu lassen. Das muss man allerdings noch jenen beibringen, die alles leer fischen und in ihrer (narzisstischen) Gier ganze Ozeane plündern.

    Occupy ist für mich eine Bewegung freiheitsliebender, individualistisch gesinnter Menschen, die spüren, dass der Individualismus maßlos überdehnt worden ist. Sie wollen diesen exzessiven Individualismus auf ein geregeltes Maß zurückfahren ohne jedoch einem Neokollektivismus anheim zu fallen. Eine kollektivistische Gesellschaftsform will keiner zurück, der mal an der wahren Freiheit geschnuppert hat.

    Deshalb springt Occupy auf die linken Heilsversprechungen nicht so freudig an, sonst hätten wir schon längst andere Parolen auf den Transparenten stehen. Meiner Einschätzung nach sucht diese Bewegung einen Weg, die individuellen Freiräume bewahren zu können und gleichzeitig die Ellenbogen- und Selbstbedienungs-Mentalität in den Griff zu bekommen. Das gelingt nicht durch ein Zurück in sozialistische Verhältnisse, sondern nur durch eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, nämlich weg vom unkultivierten, hin zum kultivierten Individualismus. Diese Forderung werden sie irgendwann auf ihren Fahnen stehen haben. Davon bin ich fest überzeugt.

  11. Sammy sagt:

    Eigentlich hat mich dieser Text über die Irrungen und Wirrungen in Bezug auf “Occupy” neugierig gemacht bis zu der Einführung des Begriffs ” antideutsches Milieu”. Was soll das den sein? Bin ich hier in einem Propaganda-Plot der NPD gelandet? Schade drum.

  12. Prorum sagt:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=fz17VVXEHqk

    wenn ich sage : “occupy” dann sage ich: “occupy your mind… occupy the people around and beside you”

  13. Indirekt über Antideutsche (bzw. antideutsche Denkschemata) redet auch der Israeli Moshe Zuckermann in dieser hervorragenden, auf den Punkt gebrachten Klarstellung:

    [youtube http://www.youtube.com/watch?v=-pj9Fx2mV_E&w=640&h=360%5D

  14. Jukka sagt:

    @Wolfgang Baumbast

    Nein, der Individualismus ist keine Fehlentwicklung. Nur wir sind eines mit allem. Sie sind nicht alleine und können alleine nicht überleben oder ein Individuum sein ohne in irgendeiner Gemeinschaft zu sein.
    Sie sind ein Individuum weil sie wissen das es noch andere gibt und weil diese Sie ein Individuum sein lassen sind sie eines.
    Schauen sie sich die Harzer an. Die Aggressivität nimmt zu weil wir sie keine Individuen sein lassen. Die Gemeinschaft schließt sie aus. Wenn wir sie wieder in unsere Mitte bekommen, werden Sie weiterhin Individuum sein können. Ansonsten werden Sie noch aggressiver und die Innenstädte unsicherer. Sie brauchen uns weil sie selbst nichts mehr tun können. Nicht jeder ist zum Unternehmer oder Kopfarbeiter geeignet. Aber Sie leben. Und nun?

    Um es mal mit Ihren Worten zu sagen: Wenn Sie nur ein Jäger sind, brauchen Sie einen Handwerker der Ihnen die Harpune baut. Ansonsten verhungern Sie. Auch wenn Sie der beste Jäger der Welt sind.

    Laut Ihrer Aussage war der erste Linke vor ca. 2011 Jahre geboren worden.
    “Was ihr dem geringsten unter meinen Brüdern tut, das tut ihr mir”

    Überdenken Sie mal Ihren Egoismus. Aber das kapieren Leute wie Sie nicht.

    • gato sagt:

      moment, ich verstehe garnichts mehr. hier redet jemand von arbeitslosen als aggressive menschen, die die städte unsicher machen weil “wir” (wer?) sie keine individuen “sein lassen” und wolfgang ist der cdu-wähler? :D

      und wird hier nicht vielleicht das “ich-bewusstsein” also der mensch als spiegel der gesellschaft und die selbstentfaltung verwechselt?

  15. Karin Dorr sagt:

    ist schon schon lustig der Baumbast. Ein Konservativer wie er im Buche steht :-)
    Sobald man bei den Konservativen irgendwas von Gemeinschaft redet geht es gleich um Sozialismus.
    Genial wie beschränkt diese CDU-Wähler sind.
    Schubladen über Schubladen und leere Phrasen gedroschen.
    Jukka und Pistepikko sagen 1000 mal mehr mit weniger Worten.
    Ich hoffe Baumbast braucht niemals einen Handwerker, Arzt, Autoschlosser und und und, alles was er nicht ist.

  16. espanol sagt:

    Spanien als Vorbild ist aber auch lustig:

    Nach den Portesten in Madrid gab es Neuwahlen…und die regierenden Sozialisten verloren 15%.

    Wahlsieg für die Konservative PP, die jetzt die absolute Parlamentsmehrheit hat.

  17. @Jukka

    Jukka, in Ihrem Beitrag verwechseln Sie Individuum und Individualist. Individuen sind wir alle und zwar von Geburt an. Individualisten hingegen werden wir erst durch Arbeit. Und zwar durch Arbeit an uns selbst.

    Die wichtigste Voraussetzung, ein individualistisches Leben führen zu können, ist Geld. Und zwar eigenes Geld (ob selbst verdient oder ererbt, spielt keine Rolle).

    Mit Geld kann ich mir eine Harpune kaufen, einen Schlitten, einen Handwerker, einen Arzt und alles, was ich nicht bin. Ich kaufe mir diese Artikel oder Dienstleistungen bei denen ein, die sie anbieten und (hoffentlich) auch beherrschen.

    Wer sich nicht in der glücklichen Lage befindet, über eigenes Geld zu verfügen, der hat Pech. Er muss entweder auf so manches verzichten oder auf die Solidarität seiner Mitmenschen vertrauen.

    Diese Solidarität ist allerdings mehr als brüchig geworden. Weshalb? Nun, weil es immer mehr Menschen gibt, die über selbst verdientes (oder ererbtes) Geld verfügen. Ja, ich möchte sogar behaupten, dass die Mehrheit unserer Bevölkerung dieses Stadium bereits erreicht hat.

    Das ist genau der Grund, weshalb es immer weniger Solidarität in unserer Gesellschaft gibt. Wir sind als gut verdienende Einzelne auf Solidarität nicht mehr angewiesen.

    Hier haben wir ihn, den Trugschluss, dem Sie unterliegen. Es gibt eine sehr große Gesellschaftsschicht, die eben n i c h t davon abhängig ist, dass es tausende von Leidensgenossen gibt, die sich mit mir als Hartz IV-Empfänger zusammen scharen, um den arktischen Winter bei 70 Grad minus zu überleben.

    Wer als I n d i v i d u a l i s t ein Iglu besitzt, dazu eine Harpune und einen Schlitten, der wird sich nicht freiwillig zu den vielen anderen gesellen, die bei 70 Grad minus bibbernd in der Kälte stehen und versuchen, sich gegenseitig zu wärmen.

    Natürlich sind diejenigen, die in der Kälte stehen, sauer auf diejenigen, die in ihrem warmen Iglu hocken. Nun frage ich Sie, Jukka, wie bitte wollen die bibbernden Pinguine jemanden animieren, f r e i w i l l i g das warme Iglu zu verlassen und sich im Pulk der “Besitzlosen” den Orkanen und der Kälte auszusetzen?

    Das macht keiner. Zumindest nicht freiwillig. Was bleibt den Pinguinen dann als Einziges übrig? Sie müssen die Iglus zerstören. Dann steht der vormalige Iglubesitzer plötzlich auch im Freien. Und weils ihm schrecklich kalt ist, sucht er automatisch die Nähe des Schwarms. Er darf dann froh sein, wenn dieser ihn aufnimmt und in die Mitte lässt, wo es zwar eng und ungemütlich ist, aber immerhin warm hergeht.

    Wollen wir das anstreben? Wollen wir sämtliche Iglus zerstören, damit alle sich wieder solidarisch beim Schwarm einreihen und durch die schlichte Größe der Masse mehr Effektivität und “Heizkraft” erreichen? Oder wollen wir jeden Pinguin darin unterrichten, Iglus zu bauen, Harpunen zu erfinden und Schlitten zu produzieren?

    Krass ausgedrückt: Die Iglubesitzer, die Harpunenerfinder und die Schlittenproduzenten sind in der Mehrheit. Sie sind mit ihren Methoden wesentlich erfolgreicher als der bibbernde und hungernde Schwarm. Sie sind sogar so erfolgreich, dass sie sämtliche Weltmeere leergefischt haben und inzwischen die Pinguinweibchen kaum noch Beute machen können. Die schlauesten Pinguinweibchen haben sich ohnehin schon längst einen Iglubesitzer geangelt.

    Deshalb fordere ich ja einen zweifachen Paradigmenwechsel ein: Zum einen: Weg vom passiven Schwarm, hin zum aktiven Iglubauer, Harpunenerfinder und Schlttenproduzenten und zum anderen: Aufhören mit der Gier. Nicht mehr die Weltmeere leerfischen, sondern den anderen auch noch etwas übrig lassen.

    Das verstehe ich unter Individualismus und zwar kultiviertem Individualismus. Das Schwarmmitglied ist zwar ein Individuum, aber kein Individualist. Der Iglubauer, Harpunenerfinder und Schlittenproduzent ist zwar Individualist, aber eben nicht kultiviert, sofern er sich nicht zügeln kann. Meine Vision liegt genau dazwischen. Sie ist die des sich selbst zügelnden Iglubauers, Harpunenerfinders und Schlittenproduzenten.

  18. Liebe Karin Dorr,

    mag sein, dass ich Schubladen über Schubladen verwende. Damit differenziere ich schließlich meine Aussagen.

    Sie und Ihre Gesinnungsgenossen Jukka und Pistepikko hingegen kommen mit nur einer einzigen aus.

  19. Kritik, Kritk, Bewegung sagt:

    “Sie scheitert an der Dialektik der Aufklärung”

    Oh ha! Ich denke, an diesem Satz wird klar, dass einige Leute die Occupy-Bewegung doch überschätzen, trotz vieler Einsichten und Zugeständnisse.

    Die Occupy-Bewegung ist noch nicht die Aufklärung, sie ist kreativer Ausdruck eines Unbehagens, das unbewusst durch die totale Vergesellschaftung ernährt wurde und sein treibendes, bewusstes Moment in der Finanzkrise gefunden hat. Sie ist die Konsequenz aus einer Reaktion der Staaten, die intuitiv als empörend, beängstigend und nicht zukunftsfähig wahrgenommen wird.

    Aufklärung beginnt mit der Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, aber das alleine ist noch keine Aufklärung. Sie muss nach der Spontaneität zu einem Bewusstsein gelangen. Die Bewegung, so wie sie im Moment erscheint, ist bewusstlos. G.K. Chesterton bezeichnete das so: “Lediglich einen offenen Geist zu haben ist nichts, der Zweck ist, seinen Geist zu öffnen und ihn, wie als wenn man seinen Mund öffnet, auch wieder auf etwas Festes zu schließen.”

    Wer keine gesellschaftliche Theorie hat, der irrt mit jedem Schritt. Es gibt ja vulgäre und intuitive Grundzüge einer Kritik, und die Pflicht der Intellektuellen ist es, diese Kritik zu radikalisieren und von ihrem “falschen Bewusstsein” zu lösen – von der “verkürzten” ideologischen! Kapitalismuskritik zu einer Kritik der Ideologie selbst.

    Haben die Okkupanten sich nicht schon intuitiv den gesellschaftlichen Institutionen ferngehalten? Das war ihre große intuitive Weisheit, und ich bin darüber immer noch begeistert! Jetzt gilt es ihrer Spontaneität theoretisch gerecht zu werden und ihnen die Abgründe der Ideologie aufzuzeigen. Nicht mehr ein, “wir entfernen uns vom System aber fordern vom System!” Sondern ein, “wir wollen das System grundlegend ändern, wir wollen revolutionär sein (keine spontane Revolution! Eine bewusste, möglicherweise langwierige und mühsame, realistische Revolution!), wir wollen keine kosmetischen Veränderung!”

    Hier sind die Intellektuellen gefordert, es braucht eine Avantgarde, die führt (keine leninistische Kaderpartei, das Proletariat existiert zwar und ist größer als je zuvor, aber es ist integriert und verbürgerlicht und somit bietet sich keine revolutionäre Klasse an), aber die eine Organisation der Nützlichkeit ist, und dieser Nutzen heißt: Aufklärung durch Agitation und Propaganda (nicht im demagogischen Sinne, sondern im Sinne theoretischer Bildung). Nur so kann die Occupy-Bewegung ein ernstzunehmender Faktor werden und wird dann auch von den falschen Politikern keine Sympathie mehr finden! Dann erst sind wir bereit, uns mit den klassischen linken Problemen zu beschäftigen. Welche konkreten Lehren ziehen wir aus der Kritik der politischen Ökonomie? Es muss klar sein, dass eine Nostalgie, weder für den Realsozialismus noch für die “guten” Anfangszeiten der Sozialdemokratie, zielführend sein kann. Wir müssen neue Antworten finden, es wird ein mühsamer und langer Weg, das momentane Gerüst der Occupy-Bewegung jedoch, wird uns auf diesem Weg nicht tragen können. Wir Stecken in unserer ersten Krise, und wir kennen inzwischen alle die Platitüde, dass sich das Wort “Krise” im Chinesischen durch die Schriftzeichen “Gefahr” und “Chance” bildet, und wir sollten beide Elemente nicht unterschätzen. Aber erst wenn wir so weit sind, dann u.a. bitte zurück zu einer Auswertung von “Dialektik der Aufklärung”, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es leider noch verfrüht, um überhaupt darüber zu sprechen.

    P.S.: Wer Problem hat mit Begriffen wie Avantgarde, nützliche Organisation im Sinne von Agitation und Propaganda, der soll doch bitte eine Alternative aufzeichnen, den jetzt müssen wir in Hinsicht auf die Strukturen konkret werden. Ich bin mir sicher, das aktuelle Gerüst der Occupy-Bewegung ist zum Scheitern verurteilt, und in 10 Jahren trefft Ihr euch dann in Szene-Cafés und schwärmt von alten Zeiten, als Ihr damals für einige Monate Revolution spielen durftet. Wollt ihr so seine wie eure Eltern? Der Philosoph Zizek benutzt oft, ein bestimmtes Jesus-Zitat: “Wenn ihr eure Väter und Mütter nicht hasst, dann seid ihr nicht meine Anhänger!”

    • Kritik, Kritk, Bewegung sagt:

      Natürlich meine ich im vorletzten Absatz: “NICHT zielführend sein kann”!!!

      Im letzten Absatz: “ProblemE” und “aufzeigen”

      Sorry war spät.

      Kommas korrigiere ich grundsätzlich nicht.

      Gute Nacht.

  20. Y.Jones sagt:

    Ich nehme mir die Arroganz heraus, zu sagen, eine diskussionswürdige Idee zu haben. Was ich brauche ist eine Top Webseite und ein Team das sich mir anschließt bestehend aus 4-6 Leuten. Wir werden als Repräsentanten öffentlich auftreten. Also wer Ahnung von Webdesign hat und(oder) bereit ist als Repräsentant aufzutreten der soll sich melden per mail yajo85@gmx.net. Es ist keine Verpflichtung. Wenn euch die Idee nicht überzeugt könnt ihr ja abwinken. Vor ca. 2Wochen ist mir diese Idee praktisch zugeflogen und ich habe lange versucht mir einzureden, dass sei Wunschdenken und unrealisierbar. Aber es ist wahrhaftig genial. Nicht nur in der Theorie, auch in der Praxis.Nur ich bin nicht bereit Details hier oder anderswo öffentlich zu bloggen. Es ist zwar alles von A-Z durchgeplant und alle Eventualitäten abgewogen. Aber es fehlt an den einfachen wichtigen Eckpunkten. Zum Beispiel die Namensgebung unserer Bewegung/ Organisation/ Idee ist bis jetzt erfolglos. Aber was ich schonmal sagen kann, es ist was neues. Sie verlangt der Masse wenig ab. Ist nicht angreifbar und am Anfang selbst für den Mainstream sympatisch. Bis unsere Anhängerzahl steigt wird uns der Mainstream behiflich sein. Also weder Gewalt noch irgendwelche friedlichen Demos beinhaltet meine Revolution. Auch haben wir ein völlig anderes Feindbild als Occupy. Die haben sich auf das Geldsystem eingeschossen und reden von echter Demokratie jetzt. Nur ist es der Konsument im Westen selbst der verantwortich ist für Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in den Industriestaaten, sowohl für die Ausbeutung der armen Länder global. Es ist doch so!! Kein Investmentbänker kann etwas dafür, dass 25000 Kindersklaven an der Elfenbeinküste für Nestle und dadurch auch für uns Kakaobohnen ernten. Oder besser, der Investmentbänker nimmt sich da nichts mit anderen Konsumenten.Auch Lohndumping und Arbeitslosigkeit haben in erster Linie nichts mit dem Staat oder Geldsystem zu tun, sondern mit den Arbeitgebern.
    Am Anfang geht es nur darum, eine ansprechende Webseite ins Leben zu rufen. Und dann warten bis die Aufmerksamkeit ansteigt. Vorher braucht es keine Anstrengungen von uns.
    Also bei ernstgemeinten Interesse, als Repräsentant dieser neuen Organisation beizutreten bzw. Mitgründer zu sein meldet euch. Falls Sebastian Müller und Florian Hauschild sich vorstellen könnten als Repräsentant mit dabei zu sein dürft ihr euch auch per mail an mich wenden.

  21. Dem Kommentator Kritik, Kritik, Bewegung kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen. Bravo!

    Ja, die Occupy-Bewegung befindet sich noch in einem Zustand der Bewusstlosigkeit. Ich habe diesen Zustand “präverbal” genannt, weill er sich noch nicht ausartikulieren lässt, sondern lediglich auf Intuition stützt.

    Wenn man sich fragt, weshalb sich unsere Systeme in einer Krise befinden, dann muss man sich mit den beiden Hauptströmungen befassen. Strömung A ist die des Kollektivismus. Um im Bild von Pistepikko zu bleiben, ist das der Schwarm von Pinguinen, die ihr einziges Heil darin sehen, sich möglichst eng aneinander zu drängen, damit keiner erfriert. Strömung B ist die des Individualismus. Das sind diejenigen, die sich Iglus bauen, mit Harpunen bewaffnen und in ihrer Gier nebenher die Weltmeere leerfischen.

    Während das Individuum im Schwarm von Individualismus noch weit entfernt ist, haben die iglubauenden und harpunenjagenden Individualisten ihren Individuaslismus schon längst weit überzogen.

    Treibsatz einer jeden individualistischen Entwicklung ist, wie ich bereits weiter oben dargestellt habe, unser narzisstischer Persönlichkeitskern. Wenn man der Auffassung von Freud und Fromm folgen will, dann handelt es sich beim Narzissmus um einen Trieb, der von seiner Intensität her nur mit dem Selbsterhaltungs- und dem Geschlechtstrieb vergleichbar ist. Häufig erweist er sich sogar noch stärker als diese beiden Triebe.

    Was sagt uns das? Das sagt uns zum einen, dass wir diesen Treib brauchen, um uns individualisiern zu können, und dass wir zum zweiten lernen müssen, diesen Trieb zu beherrschen, so wie wir gelernt haben, vernünftig mit unserem Sexualtrieb umzugehen.

    Aufgabe einer weiteren Aufklärung muss es also sein, unsere narzisstische Triebstruktur als solche überhaupt an uns zu erkennen und wahrzunehmen und darüber hinaus Wege und Möglichkeiten zu finden, diesen Trieb in geordnete Bahnen zu lenken.

  22. Lommel sagt:

    Baumbast! Bist ein ein bisserl deppert!
    Geh ein Bier trinken und erobere die Hoheit über den Stammtisch.

  23. Komme grad vom Frühschoppen. Da habe ich echt noch viel Arbeit vor mir. Wir sind leider am Thema Sex hängen geblieben.

  24. Lommel sagt:

    Baumbast empfehle ich das er sich mal weiterbildet. CG Jung und Freud sind veraltet.

  25. Aha, wie erklären dann die modernen Experten unseren Hang zur Selbstentfaltung und zur exzessiven Selbstdarstellung?

    Woher kommen dann nach deren Einschätzung die Phänomene Neid und Gier oder der ausufernde Exhibitionismus, wie wir ihn seit Big Brother, DSDS, Germanys Next Supermodell, The Biggest Loser oder Bauer Sucht Frau erleben dürfen?

  26. Josef.Knecht sagt:

    Warum finden viele die Bewegung gut? Weil jeder weis, das sich was ändern muss. Die Revolution liegt auch nicht darin weiterhin in alten Mustern zu agieren, sondern neue Wege auszuprobieren und die gangbaren zu gehen. Ich denke das ist jedem, wenigsten im Ansatz klar. Nur haben wenige Menschen die “Eier” in der Hose, sich tatsächlich zu Engagieren. Viele verharren in Wohnzimmern, beobachten, sind passiv.

    Anstatt sich aus der passiven Rolle zu befreien und endlich die Chance wahrnehmen sich für eine Welt einzusetzen wie sie sie sich vorstellen, gehen sie morgen bis abends arbeiten sehen 20.00Uhr Tagesschau, fallen 22.00Uhr todmüde, erschöft ins Bett ,um morgens 6.30Uhr vom Wecker wachgeklingelt zu werden. Beschäftig sein ist eine sehr gute Möglichkeit vom Denken abgehalten zu werden. Ich denke gerade diejenigen die sich am wenigsten über das System beschweren sind am meisten entmündigt.

    Ich finde es eh sehr merkwürdig das von aussen Kritik an die Bewegung herangetragen wird, wie man zum Beispiel, dieses und jenes besser machen könnte, der Schrei nach Forderungen z.B.. Wenn diejenigen ihre Kritik ernstnehmen würde und mit der Bewegung Symphatisieren, würde jene an den Kritikpunkten arbeiten.

  27. Keulchen sagt:

    Danke für den Artikel, der eine Debatte befördert, die mir wichtig scheint.

    Stören tut mich jedoch folgendes: Beschrieben wird, dass es Leute gibt, die ein Feindbild aufbauen. Und wie wird hier reagiert? Indem ebenfalls ein Feindbild aufgebaut wird: „die Antideutschen“.

    Wenn ich jetzt eine Position der Gesellschaftskritik im Dunstkreis von Occupy kritisiere, weil ich sie für verkürzt halte, spüre ich schon förmlich, wie hie und da die Reaktion „Aha, ein Antideutscher!“ auftaucht. Auch wenn das nur in meiner Fantasie stattfinden sollte, kann das schon genügen, um mich davon abzuhalten, mich zu artikulieren (zumal wenn ich befürchte, mir wird dann sowieso nicht mehr zugehört).

    Mir wäre es lieber, wenn in einer Replik gegen bestimmte Positionen oder Praxen angegangen würde (wie die der genannten Personen), statt dass ein Milieu bezeichnet und unter einem Namen subsummiert wird, der zudem den Sprecher in ein wahrscheinlich ungewolltes Licht rücken könnte (versteht dieser sich umgekehrt dann als „prodeutsch“?).

    Bei der Gelegenheit noch etwas zur Kritik an verkürzter Gesellschaftskritik (und vielleicht auch ein Beitrag zur Debatte um eine Agenda):
    Occupy ist für mich solange anziehend, wie ich den Eindruck habe, dass es um weit mehr geht als um Kritik an den Finanzmärkten. Wenn es vor allem darum ginge, könnte ich ebenso zu attac gehen. Auch eine umfassende Kritik am Kapitalismus, ohne die meines Erachtens eine Kritik an Banken und Finanzmärkten substanzlos ist, halte ich für verkürzt. Was für mich u. a. noch wesentlich wäre: Patriarchatskritik, ohne die meiner Überzeugung nach auch der Kapitalismus nicht richtig verstanden werden kann.
    Mindestens genauso wichtig finde ich allerdings, einen anderen, solidarischen Umgang miteinander und andere, gesellschaftskritische Formen der Alltagspraxis zu erproben – was bei und um Occupy ja auch passiert…

  28. Karin Dorr sagt:

    Baumbast ist ein völlig deperter Konservativer der der Macht das Wort redet.
    Wenn mann die Menschen vereinzelt, spricht individualisiert, kann man sie besser beherrschen. Sie werden sich niemals zusammenschließen um gegen oder für irgendetwas gemeinsam zu sein. Masse ist Macht, also isoliere den Einzelnen damit keine Macht neben der Macht entsteht.

  29. dwrkollektiv sagt:

    Man muss keine Honorarkraft des Mossad sein, um den Slogan – denn mehr als Slogans, wie oben beschrieben, hat diese Bewegung ja nicht zu bieten – mit den 99% dümmlich zu finden. Wer glaubt, dass in dem ökonomisch vermeintlich entgegengesetzten einen Prozent der Feind steckt, hat es schon sehr schwer, noch zu halbwegs plausiblen Schlussfolgerungen zu kommen. Das Wirtschaftssystem, das die selbst ernannten Sprecher der 99% kritisieren (oder zumindest kritisieren müssten, um sich nicht selbst zu widersprechen) ist eben keine kryptoaristokratische Hinterzimmerveranstaltung, sondern geht, wenn auch mit geringerem Wirkungsgrad, von jedem kostenlosen Praktikanten, jedem Call-Center-Agent und jedem Konsumenten aus. Das ist natürlich eine schlechte Nachricht, die die Moral der campenden Truppe ganz schön schwächen kann – nichtsdestoweniger wahr. Antisemitisch ist das nicht in jedem Fall, falsch und dumm und schädlich aber trotzdem.

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