Wikipedia
Kafkaeske Prozesse

Auf Wikipedia tobt ein Krieg der Autoren und Administratoren. Ist die Open-Source-Plattform ein Marktplatz für Gesinnungspranger geworden? Ein Erfahrungsbericht

kafka2

Von Katrin McClean

Bis vor wenigen Monaten hatte ich als Autorin mehrere Bücher und vieler Kinderhörspiele einen kleinen, bescheidenen Wikipedia-Eintrag, der in wenigen Zeilen auf ein Werk hinwies, das in vielen langen, teils recht mühsamen Jahren meines Autorenlebens erschaffen wurde. Das fand ich gut und richtig so. Ich fühlte mich von der Wikipedia als Person von öffentlichem Interesse geehrt und enthielt mich jeglicher Einwirkung

Seit Mai 2014 engagiere ich mich angesichts der erschreckenden Entwicklungen im Nahen Osten und in der Ukraine für eine friedliche Politik. Meine bisherigen Leistungen in diesem Engagement bestanden daraus, dass ich eine Handvoll Reden auf öffentlichen Kundgebungen hielt und dass ich aus Empörung über die einseitige Ukraine-Berichterstattung des Spiegel gemeinsam mit anderen Akteuren eine Protest-Demo vor dem Hamburger Verlagsgebäude organisierte.

Als es zwischen den neuen Friedensinitiativen, die 2014 entstanden waren, und der alten Friedensbewegung zu Missgunst und gegenseitigem Misstrauen auf beiden Seiten kam, versuchte ich eine Weile um gegenseitige Toleranz und Gesprächsbereitschaft zu werben. Das hört sich nicht wenig an, ist aber im Verhältnis zu meinem bisherigen Leben immer noch eine eher kurze Episode.

Noch winziger waren im Verhältnis jene peinlichen und zum Glück kurzen Stunden, die ich auf einer Friedenskonferenz in Frankfurt erlebte. Ein langjähriger Aktivist aus der traditionellen Friedensbewegung hatte in einem Interview mit der TAZ seine Teilnahme an jener Konferenz infrage gestellt, weil da auch eine Frau engagiert sei, die eine Rede auf einer Bühne gehalten habe, auf der ein Redner geredet hatte, den er als „rechts“ einschätzte. Es handelte sich um mich.

Ein Kafkaesker Prozess

Leider hatte ich davon erst während meiner Anfahrt erfahren, sonst wäre ich wohl zu Hause geblieben. Die Diskussion, die es dann auch noch vor Ort um meine Person gab, war nicht nur mir peinlich und lenkte, wie vieles andere erfolgreich vom Kerngeschäft ab. Als Autorin, Hörspiel- und Theaterfrau, die kreative und produktive Prozesse gewohnt ist, empfand ich diese sogenannte Aktionskonferenz eher als einen lähmenden Kleinkrieg und war heilfroh, als es endlich vorbei war.

Umso entsetzter war ich, als ich Monate später feststellen musste, dass die Internet-Enzyklopädie Wikipedia nun die Hälfte meines Lebenswerkes jener unsäglichen Episode widmete. Als hätte ich in den letzten 50 Jahren eigentlich nur innerhalb weniger Stunden gelebt, wurde mein „neurechtes“ Gebaren zum Großereignis aufgebläht und dabei an eine Art Gesinnungspranger gestellt.

Durch Zitate, die entweder völlig aus dem Zusammenhang gerissen waren oder von anderen stammten und mir zugeschrieben wurden, entstand ein Bild, indem der arglose Leser nun eine rechtsextreme oder jedenfalls politisch äußerst fragwürdige Person sehen musste, mit der man lieber nichts zu tun haben sollte.

Die Absage-Drohung meines Widersachers wurde dabei zum politischen Großereignis aufgebläht, weshalb die Vermutung nahe lag, dass es sich hier um einen nachgelegten Angriff handelte.

Das Dumme ist, ich werde nie erfahren, ob daran etwas ist. Für Nichteingeweihte kurz zur Information: Die Plattform Wikipedia macht es jedem, der weiß, wie man eine Tastatur bedient, sehr leicht, zum Wikipedia-Autor zu werden. Einmal angemeldet, kann man Artikel erstellen oder vorhandene Artikel ergänzen. Von sogenannten Sichtungs-Administratoren wird die Einhaltung der Wikipedia-Regeln geprüft und dann der Beitrag oder Zusatz entsprechend freigeschaltet.

Die Regeln sind relativ klar, sie fordern Neutralität und für jede Information einen Beleg, der virtuell nachprüfbar sein muss. Dennoch war ganz offensichtlich, dass man in meinem Fall nicht besonders streng mit diesen Regeln umgegangen war.

Nun kann und sollte man hier erst einmal unmotivierte Nachlässigkeit vermuten. Dafür hat Wikipedia Eingriffsmöglichkeiten vorgesehen. Doch so einfach ist das nicht. Die Wikipedia ist für mich inzwischen so etwas wie die virtuelle Ausgabe des Gerichtsgebäudes aus Kafkas Prozess. Zumindest habe ich gespenstisch viele Parallelen zu spüren bekommen.

Ein negativer Wikipedia-Artikel kann wie bei Kafka einem vernichtenden Urteil gleichkommen. Freiberufliche Künstler, die auf ihr Renomé angewiesen sind, laufen Gefahr das Vertrauen ihrer Fans und Auftraggeber zu verlieren.

Als Betroffener kann man nun, ähnlich wie Josef K. im „Prozess“ versuchen, eine entsprechende virtuelle Tür zu finden, um in die „Schreibstube“ des Artikels zu gelangen und das vermeintliche Missverständnis aufzuklären.

Doch so wie im Kafkaesken Gerichtsgebäude erwartet den Beschwerdegänger die geballte Ladung struktureller Gewalt, für die, ebenfalls wie bei Kafka, selbstverständlich kein einziger Mensch persönlich verantwortlich ist, ja schlimmer noch, die personell nicht einmal sicht- oder greifbar ist.

Mein erster Versuch in meinen eigenen Artikel einzugreifen, endete mit einer „Vandalismus-Meldung“ und zeitlich befristeter Kontensperre. Ich hatte ein falsches Format genutzt. Nach einer Anfrage bei Wikipedia wurde mir der rechte Verfahrensweg aufgezeigt, und ich dazu ermuntert, auf einer Diskussionsseite für meine Persönlichkeitsrechte einzutreten. Hier geht man mit verschiedenen Autoren in Kontakt, die alle am selben Artikel schreiben, alle unter Pseudonym auftreten und auch nicht Autoren sondern „Benutzer“ heißen. Was ich besonders bedenklich finde, wenn ich mir vorstelle, dass fremde Menschen, die sich mir in keinster Weise zeigen müssen, quasi „maskiert“ Wikipedia „benutzen“, um meine Person darzustellen.

Hier konnte ich also das Pseudonym des Benutzers ansprechen, der die Frankfurter Konferenz als Hauptereignis in mein wikipedianisches Leben gebracht hatte. Ich nenne ihn hier kurz M. Nach der Ermunterung durch die Wikipedia-Service-mail wies ich ihn also auf die Unverhältnismäßigkeit der Erwähnung hin, sowie auf das falsche Zitieren. Schon bald empörte sich eine sogenannte „dritte Meinung“ Zitat: „Ich finde es einigermaßen skandalös, wie hier jemand versucht, seinen eigenen Wikipedia-Artikel schönzuschreiben.“ Dabei hatte ich sogar ganz brav auf Formulierungsvorschläge verzichtet.

Weitere Benutzer schalteten sich ein, solche, die den Zusatz von M verteidigten und solche, die auf meiner Seite standen. Interessant war, dass Ms Verteidiger jeden geringsten Anlass nutzten, um Regelverstöße zu melden, was für den jeweiligen Diskussionsgegner zeitlich befristetes „Klappe halten!“ bedeutet. Dabei nimmt man solche Verweise aus diplomatischen Gründen eher klaglos hin, weil man die Erfahrung gemacht hat, dass das persönliche Infragestellen eines anderen Benutzers sofort wieder als Regelverstoß geahndet wird.

Die Häufigkeit der geahndeten Regelverstöße galt M makabererweise dann noch als Beweis für besonders aggressives Verhalten.

Es wurde sehr deutlich, dass meine Gegner, die Wikipedia-Strukturen wesentlich besser und schneller beherrschten, um ihre Interessen durchzusetzen, und dabei eine Aggressivität an den Tag legten, die mir den Atem verschlug. So erhielt ein Benutzer für den Vorschlag, die unbedeutende Episode einfach aus dem Artikel zu streichen, die Antwort: „Lösch doch einfach die entsprechenden Abschnitte bei Brigitte Bardot. Dann haben wir Grund für deine Sperre.“

Entnervt bat ich darum, den Artikel um meine Person einfach völlig zu löschen. Darauf erhielt ich folgende Maßregelung: „Du bist für diese Enzyklopädie relevant und relevante Artikel werden nie gelöscht. Wenn du Fragen hast, oder Hilfe benötigst, dann wende dich an das Mentorenprogramm. Ich hoffe, dir den Ernst der Lage klargemacht zu haben, denn sollte es zu weiteren Verstößen gegen die Regeln kommen, wird vermutlich dein Benutzerkonto gesperrt.“

In der Konsequenz hätte ich dann keinerlei Mitsprache-Recht mehr auf meine Darstellung und jeder Wikipedia-Benutzer könnte weiter an der Demontage meiner Persönlichkeit arbeiten. Der Verweis auf das Mentorenprogramm war, eben genau wie bei Kafka, nur ein weiteres virtuelles Büro auf dem Weg in den Wahnsinn, das ich hier nicht weiter beschreiben werde.

Schließlich gelang es mühevoll, die schlimmsten Abwertungen meiner Person aus dem Artikel „heraus zu kämpfen“. Dennoch nehmen die negativen Bewertungen meiner Werke und meines Tuns nach wie vor einen großen und unverhältnismäßigen Teil des Artikels ein und es ist ganz offensichtlich, das hier jemand meinem Ruf schaden will.

Auf der Seite meines politischen Widersachers ist dagegen nicht das winzigste Anzeichen von Kritik seiner langjährigen politischen Tätigkeit als Antimilitarist zu lesen. Das finde ich bemerkenswert.

Nach dieser Episode habe ich mir verschiedene Wikipedia-Einträge von Menschen angesehen, die sich in letzter Zeit für Frieden bzw. die Aufklärung aktueller militärischer Konflikte eingesetzt haben. Als Autorin und Lektorin fiel mir auf, dass ich immer wieder auf dasselbe Vokabular stieß. Es war mir aus anderen Diskussionen reichlich bekannt, dass es aber auf Wikipedia bereits den Grad „lexikalischer Sachlichkeit“ erreicht, war mir neu und schockiert mich.

Die Argumente des wikipedianischen Gesinnungsprangers

Rechts ist böse

„Mangelnde Abgrenzung gegen rechts“, „rechte“ Tendenzen, „rechtspopulistisch“ – dieser Vorwurf wird immer so formuliert, dass der Leser schnell das Gefühl bekommen kann, der Betroffene hätte eine rechtsextreme Einstellung. Wenn linke Akteure vor einem starken Einfluss von rechts warnen, dann ist das implizit eine Warnung vor der Wiederkehr des Nazireiches, besonders im linken, also eher regierungskritischen Klientel erreicht man diese Assoziation schnell.

Das Fatale ist, dass derjenige, dem dieser Vorwurf gemacht werden kann, selbst absolut nicht rechtsextrem eingestellt sein muss. Es reicht schon das Befürworten konservativer Einstellungen, um von links als „rechts“ eingestuft zu werden. Da der Wunsch nach Frieden jenseits politisch-ideologischer Grenzen gehegt und verteidigt werden kann, laufen aber heute enorm viele Friedensaktivisten, also alle aus dem ideologisch mittigen oder konservativen Lager, Gefahr, in die Assoziationskette rechts-rechtsextrem-Neonazi zu geraten.

„Kontaktschuld“

Genauer betrachtet, ist der Vorwurf „rechts“ oder „neurechts“ zu sein also inhaltsleer. Um ihn zu erhärten, wird gern erwähnt, dass der Delinquent Kontakt zu Menschen hatte, deren „Rechtslastigkeit“ allgemein bereits als erwiesen gilt. Dabei gilt es praktisch als selbstverständlich, dass ein Mensch, über den Wikipedia das Urteil „rechts“ gefällt hat, als Persona non grata zu behandeln ist. Also als eine Person, der keinerlei Chance mehr gegeben wird, ihre Ansichten in einer Diskussion oder Debatte zu vertreten.

Es gibt Wikipedia-Einträge, die fast zu einem Drittel aus der bloßen Erwähnung von Kontakten bestehen, obwohl völlig klar ist, dass der Delinquent keinen weiteren Bezug zu jenen „rechten“ Kontaktpersonen hatte.

Anti-Semitismus

Anti-Semit ist laut Jutta Ditfurth jeder, der amerikanische Notenbanken kritisiert. Begründung: Weil man in Deutschland Juden nicht öffentlich beleidigen darf, kritisiert man die FED, meint aber in Wirklichkeit alle Juden dieser Welt. So hat sie es jedenfalls in ihrem berühmten 3-Sat-Interview dargelegt und so oder so ähnnlich wird es von ihr und anderen Gesinnungswächtern wiederholt. Die entsprechenden „Urteile“ werden dann gern von Wikipedia als Fakt übernommen.

Dabei ist die Logik dieser Argumentation absurd. Wo kämen wir hin, wenn jeder behaupten könnte, hinter einem wörtlichen Statement würde in Wirklichkeit ein ganz anderes stehen? Wenn ich verkünden würde: „Das Finanzamt sagt, ich soll Steuern zahlen, meint aber in Wirklichkeit, ich darf mein Geld behalten“, nähme mich doch auch niemand ernst.

Weiterhin dürfte sich bei den meisten Menschen die Einsicht durchgesetzt haben, dass Kritik an der Regierungspolitik Israels längst nichts mehr mit der Diskriminierung von Juden zu tun hat. Nur noch wenige ziehen diesen pauschalisierenden Kurzschluss. Umso erschreckender ist es, dass entsprechende Vorwürfe von Anti-Semtismus mit leichter Hand bei Wikipedia eingestreut werden.

Obwohl das virtuelle Lexikon sonst so vehement auf überzeugenden Belegen besteht, findet man beim Vorwurf des Anti-Semitismus so gut wie nie überzeugende Original-Zitate und als Quelle dienen in der Regel ausschließlich die Aussagen anderer. Und das bei einem der schlimmsten Vorwürfe, den man einer öffentlichen Person in Deutschland machen kann.

Das Diffamierungspotential solcher Kurzschlüsse ist gewaltig, vor allem, weil es heutzutage fast jeden betrifft, der sich ensthaft für Frieden einsetzt. Man kann sich nicht mehr für Frieden einsetzen, ohne die Politik der Banken zu kritisieren, insbesondere der Notenbanken. Und man kann auch nicht friedenspolitisch aktiv sein, ohne eine kritische Haltung gegenüber Israel einzunehmen, das inzwischen drittgrößter Waffenproduzent der Welt ist.

Verschwörungstheoretiker

Der Begriff wird in der Regel verkürzt verwendet und meint fast immer die „Verschwörungstheorie um den 11. September 2011“ Ich finde, hier zeigt Wikipedia sehr deutlich, dass es KEINE neutrale Wissensplattform ist: 9/11-Verschwörungstheoretiker sind bei Wikipedia alle, die die offiziellen Ermittlungsergebnisse „wonach das Terrornetzwerk al-Qaida die Anschläge plante und ausführte“ anzweifeln. Weiter sagt Wikipedia. „Die wissenschaftliche Forschung weist sie (die Verschwörungstheorien) als haltlos zurück.“

Der zweite Satz ist schlichtweg falsch. Man kann hier nicht von DER wissenschaftlichen Forschung sprechen, es gibt zahlreiche wissenschaftlich arbeitende Forschungsgruppen zu 9/11, die unterschiedliche Ergebnisse veröffentlichen und einige von ihnen weisen die Zweifel an der offiziellen Version eben nicht zurück. Doch dank seiner eigenen Definition kann Wikipedia alle, die die Al Quaida-Version anzweifeln, als „nicht-wissenschaftlich“ aburteilen und mit dem Bann „Verschwörungstheoretiker“ belegen.

Anti-Amerikanismus

Scheinbar etwas harmloser aber immer noch sehr zugkräftig ist die Diffamierungsvokabel des „Anti-Amerikanismus“.
Auch hier wird mit dem Nachhall deutscher Geschichte gearbeitet. Die Assoziation, wer die Befreiung vom Faschismus durch die USA nicht akzeptiert, muss zwangsläufig ein Nazi oder zumindest ein Ewig-Gestriger sein, scheint unausgesprochen noch immer zu wirken.

Auch hier steht der Friedensaktivist vor einem unlösbaren Problem. Wer sich ernsthaft für die friedenspolitischen Probleme unseres Planeten interessiert, kommt an einer kritischen Sicht auf das US-Militär gar nicht vorbei. Das lässt sich bei einer Regierung, die über fast die Hälfte des weltweiten Militärbudgets ganz allein verfügt und mit etwa 800 Militärbasen auf dem ganzen Globus vertreten ist, einfach nicht vermeiden.

In seiner Gesamtwirkung ist das Diffamierungsvokabular des wikipedianischen Gesinnungsprangers politisch unglaublich wirksam, weil es bei jedem, der sich ernsthaft für Frieden einsetzt, wenn nicht in allen so doch mindestens in ein oder zwei Punkten zutreffen muss.

Zahlreiche Künstler, Wissenschaftler und Publizisten stehen derzeit bei Wikipedia an solchen Gesinnungsprangern und werden so mehr oder weniger stark in ihren Wirkungsmöglichkeiten geschwächt. Freiberuflern kann das im schlimmsten Fall die Karriere zerstören, da ihre Auftraggeber das Vertrauen in sie verlieren.

Es erscheint mir unrealistisch zu glauben, dass all diese diffamierenden Artikel, deren Wortlaut bzw. Argumentationsmuster sich so auffällig gleichen, nur durch das spontane Wirken von Einzelakteuren entstanden sind. Ebenso habe ich große Zweifel, dass die deutsche Wikipedia, die neben all ihren freiwilligen „Benutzern“ auch ein paar hauptamtliche Administratoren beschäftigt, so gar nichts von diesem Treiben wissen sollte. Ob es hier nur um stillschweigende Duldung oder ein aktives Einwirken geht, mag ich nicht beurteilen.

Am meisten erschreckt mich das unglaublich diktatorische und respektlose Verhalten, das mir während meiner Artikel-Diskussion begegnet ist. Ich wurde bedroht, eingeschüchtert und verhöhnt, auch permanent geduzt, während ich konsequent siezte. Die Vorgehensweise gleicht meiner Meinung nach völlig jener Struktur der verdeckten Gewalt, die Kafka im Vorfeld des Ersten Weltkrieges beschrieb.

Wenn anonyme Kräfte Friedensaktivisten an öffentliche Gesinnungspranger stellen, dann sind nicht nur Meinungsfreiheit und Demokratie gefährdet. Dann wird vor allem auch das Entstehen einer breiten Friedensbewegung mit erschreckend wirkungsvollen Mitteln bekämpft. Und das sollte uns doch vielleicht ein Warnsignal sein.

Nachtrag: Die Veröffentlichung dieses Artikels führte zu einer Diskussion auf Wikipedia. In Folge dessen wurde der Wikipedia-Eintrag über Katrin McClean vorerst deutlich entschärft.

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34 Kommentare zu "Wikipedia
Kafkaeske Prozesse"

  1. Bill sagt:

    schöner Artikel, danke.
    Wikipedia ist ein schönes Beispiel wie eine sehr kleine Gruppe entschlossener Personen mit genügend Zeit ein großes Projekt kapern kann.
    Wer sich mal einen solchen Krieg um Prinzipien ansehen will, sollte den Eintrag zu Buchara suchen.
    Oder ganz allgemein die Arbeit von User “Fiona”

  2. polaroid sagt:

    Ich habe die Geschichte jetzt nur aus ihrer Sicht gehört und kann mir daher keine Meinung bilden, wer in dieser Geschichte nun im Recht und wer im Unrecht ist. Generell muss ich ihnen aber recht geben. Vor allem bei Artikeln über Themen, die im Augenblick Mittelpunkt thematischer Debatten sind, ist es für Wikipedia schwer die Neutralität zu bewahren.

    Das ist aber ein Problem, mit dem sich alle Werke, die den Anspruch haben, lexikalische Fakten zu vermitteln haben. Daher würde ich Wikipedia auch niemals nutzen um mir Meinungen über noch lebende Personen oder noch laufende Prozesse machen. Dafür ist es auch schlicht und einfach nicht gemacht.

    Wikipedia ist dazu da, schnell rauszufinden, wann der und der geboren ist, wie die Pflanze da am Wegesrand heißt und was z.T. der große nordische Krieg war. Und diesen Zweck erfüllt Wikipedia voll und ganz.

    • Dior alop sagt:

      Schau mal auf der Genderama-Website nach, polaroid. Der Betreiber dort hat die gleichen Erfahrungen gemacht. Wikipedia ist von genderfeministischen Social Justice Warriorn unterwandert, die mit Destruktivität andere Meinungen und Menschen kaputtmachen wollen.

  3. Andreas sagt:

    Das hier beschriebene Problem kenne ich als Männerrechtler zur genüge!

    Auch hier gibt es einen sogenannten “Honeypot”, der von wenigen “Benutzern” wie FionaB, SanFran Farmer, Schwarze Feder, Mautpreller, etc. beherrscht wird.

    Gnadenlos setzen sie – teilweise mit Administratoren-Deckung – ihre Ansichten auch entgegen der Wahrheit durch (Wikipedia ist übrigens nicht der Wahrheit verpflichtet, dass sollte man wissen!) und machen jeden gnadenlos nieder, der versucht, ihre Ansichten auf einen zumindest neutralen Standpunkt zu bringen.
    Jeder minimalste Verstoß zieht eine “Vandalismus”-Meldung nach sich während diese Honeypot-User heftigst über ihre Kontrahenten herziehen und lästern dürfen.
    Was bei anderen eine dauerhafte Sperre auslöst, gibt bei denen noch nicht einmal einen Verweis.

    Wikipedia? Wikilügia!

  4. m. sastre sagt:

    Ein sehr schöner, sehr differenzierender Artikel zu einer Thematik, die heute immer mehr zum Problem für unabhängig denkende und agierende Menschen wird. Die Propaganda und der Kampf um die Deutungshoheit in der Öffentlichkeit allgemein und speziell im Internet tobt und man braucht zunehmend “eigene Truppen” um hier zu bestehen. Wer unabhängig auftritt und auf die Anerkennung allgemeiner Standards im Umgang miteinander hofft, wird schnell ernüchtert und zum Spielball ideologischer Grabenkämpfe und findet sich bald zwischen den Stühlen sitzend wieder. Man kann sich Mitkämpfer suchen, läuft dann aber Gefahr zu einer Gruppe zu gehören, deren Positionierung man sich unterwerfen muss um ihren Schutz weiterhin zu geniessen.
    Der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser (NATO-Geheimarmeen) hat schon mehrfach von dem Kampf um seinen Wikipedia-Eintrag berichtet, in dem ursprünglich stand, er setze sich kritisch mit den Vorgängen und der offiziellen Darstellung um den 11. September 2001 auseinander. Kurze Zeit später wurde er zum “Verschwörungstheoretiker” umdefiniert. Seitdem tobt ein Kampf auf Wikipedia um Worte, Definitionen, Halbsätze, deren Sieger noch nicht feststeht.
    Ich kann an dieser Stelle die Autorin nur dazu ermuntern, sich eine innere Distanz zu erhalten, Humor zu pflegen und das ganze als eine unaufgeregte Nebenaufgabe ihres Engagements, ähnlich dem Müllraustragen, zu sehen.

    • bernhard sagt:

      “innere Distanz und Humor” wären sicher nicht falsch, sind aber schwer zu bewahren, weil die Wikipedia-Einträge oft existenz-bedrohend sind.

  5. Jörg sagt:

    das ist die seit längerem übliche Arbeitsweise von Dittfurth und Co in Zusammenarbeit mit der sogenannten Antifa kritische Stimmen und Andersdenkende nicht nur mundtot zu machen sondern deren berufliche Existens zu zerstören Bemerkenswert ist dabei das Frau J.von D. vor jeweils Gericht keinen Beleg bringen konnte der ihre Behauptungen beweisen konnte . Im gegenteil sie musste zugeben das alle Behauptungen sich auf Hörensagen wie bei der stillen Post gründete. Neudenk und Orwell lässt grüssen Mir fällt dazu nur das Bild von Goya ein “das Gerücht”

  6. Otla Pinnow sagt:

    Es geht im Wesentlichen um die Einfluss der Antideutschen in ihrer Funktion als Teil der Israel-Lobby auf die deutsche Gesellschaft, also auch auf Wikipedia.

    Jutta Dittfurths Argument, Kritik an der FED oder der Finanzoligarchie insgesamt sei antisemitisch, ist ein klassisches Argument der Antideutschen, also ein Indikator.

    Wer dies für weit her geholt hält, möge bitte diesen Wikipedia-Artikel lesen, der wahrscheinlich deswegen schlecht ausgeräumt werden kann, weil er gleichlautend schon seit langem im englischen Wikipedia zu finden ist.

    • crumar sagt:

      “Jutta Dittfurths Argument, Kritik an der FED oder der Finanzoligarchie insgesamt sei antisemitisch, ist ein klassisches Argument der Antideutschen, also ein Indikator.”

      Es ist insbesondere ein Indikator für Dummheit, Pseudo-Links und für…tja…ANTISEMITISMUS.

      Denn mit dem Argument, Kritik an einer Institution wie der FED oder der globalen Finanzoligarchie sei antisemitisch wird vorausgesetzt, die Finanzoligarchie oder die FED wäre von Juden dominiert und/oder gesteuert.
      Die Politik der FED zu kritisieren sei antisemitisch, kann glauben, wer mehr oder weniger der Überzeugung ist, *Juden bestimmten* diese Politik.

      Dafür gibt es jedoch keinerlei empirische Beweise.
      Aufklärerisch wäre es, einen solchen Vorwurf empirisch argumentierend als Lüge zu entkräften.
      Aufklärung ist jedoch Arbeit und darauf haben JvD und Antideutsche keine Lust – Gedankenfaulheit und dichotome Freund-Feind-Logik ist ihr Lebenselixir.

      Was JvD und andere Antideutsche mit ihrer (wissentlich?) “verkürzten” Kritik bewirken, ist also die Bestätigung einer Unterstellung, die ansonsten *Nazis* tätigen.
      BEIDE Gruppierungen teilen klammheimlich dieselbe Überzeugung.

      Das empfinde ich auch als ernsthafte Gefahr, denn hier wird objektiv *faschistisches Gedankengut* als “Antifaschismus” verkauft.

      Gruß, crumar

      • Otla Pinnow sagt:

        Da stimme ich Ihnen 100% zu.
        Ich hab das selber schon erlebt, dass einer einen Ausdruck als antisemitisch bezeichnete, bei dem nun wirklich jeder an die Wall Street denkt und nur Faschisten an Juden, nachgewiesen durch – Wikipedia.

        Übrigens, da der Link nicht übernommen wurde:
        die Story über pro-israelische Manipulationen im englischen Wikipedia findet sich unter dem Wikipedia-Eintrag “electronic intifada”, Kapitel “CAMERA und Wikipedia”, weitere interessante Details unter Wikipedia-Eintrag “Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America”.
        Man sollte davon ausgehen, dass es davon einen Ableger auch in Deutschland gibt.

        • Andro sagt:

          Danke fuer den Verweis auf die Artikel.
          Habe uebrigens mal den CAMERA-Artikel angepasst.

          Dort endete das Thema
          .
          „Bitte nach 10 Freiwilligen, um israelische Themen in der Wikipedia vor antiisraelischen Benutzern zu schützen“
          .
          mit den Worten ‘Es haben sich viele Freiwiliige gemeldet’.

          Ich habe die Sanktionen, die 5 Wiki-Autoren erfuhren, nachgetragen.
          Ausserdem habe ich dem Thema einen eigenen Absatz gegoennt.

          Mal sehn was draus wird. Ginge ja mit dem Teufel zu, wenn mein Edit vom Sichter verweigert wird, da die Sanktionierung durch Wiki-Admins in der Wiki selbst referenziert ist :)
          Mal gucken, ob sich der Hund nun versucht in den eigenen Schwanz zu beissen.

  7. Rumpelstilzchen sagt:

    Ach wie du mir von Herzen sprichst…
    Das Prinzip Wikipedia taugt leider nur für Themen, die nicht umstritten sind und nicht emotional besetzt sind. Bei allen anderen Themen siegen die Leute, die am meisten motiviert sind – oft Fanatiker und/oder große Organisationen, Bewegungen oder Firmen.
    Zumindest ist das so, seit Wikipedia größere Bedeutung erlangt hat.

    Ich hab zwei Dinge gemacht:
    1. Eine sehr alte Version von Wikipedia offline gesichert
    2. Mir eine gebrauchte Brockhaus-Gesamtausgabe gekauft

    Vielleicht wäre was zu retten, wenn man konkurrierende Artikel zum selben Thema zulassen würde, die der betreffende Erstautor dann passwortgeschützt selbst verwalten kann. Aber ich weiß nicht. Fanatiker halten sich nicht an die Regeln des sozialen Zusammenlebens, weil es nur einen geben kann der Recht hat – sie selbst.

    Schade um Wikipedia, aber es wird wohl sterben.

  8. joseph k. sagt:

    “Die Vorgehensweise gleicht meiner Meinung nach völlig jener Struktur der verdeckten Gewalt, die Kafka im Vorfeld des zweiten Weltkrieges beschrieb.”
    Sicher haben Sie gemeint: “im Vorfeld des ersten Weltkriegs”
    vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Process

    • Andro sagt:

      Und 9/11 war am 11.09.2001 und nicht 2011. (Absatz ‘Verschwoerungstheoretiker’)

      Aber solcher Kleinkram ist maximal ein Fluechtigkeitsfehler und eigentlich nicht der Rede wert, da der Sinn nicht entstellt ist.

      Die Wirklichkeit:
      Das Vorfeld des 1. WK, sowie der eigentliche 1. WK und auch die Weimarer Republik gehoeren untrennbar zum “Vorfeld des 2. WK”.
      Genaugenommen gehoert sogar der biblische Biss in den ‘verbotenen Apfel’ zum VorFELD des 2. WK. Das Feldmedium ist hier die Zeit.
      (Stichwort ‘Feld’ und Stichwort ‘Ausdehnung’)

      Sicher haettest Du, lieber Joseph, auch FRAGEN koennen, denn sicherlich ist es respektlos und hochmuetig, das eigene Bild MIT SICHERHEIT der Meinung anderer ueberzustuelpen.

      Ein Beispiel fuer eine passende Frage waere:
      Hast Du vielleicht das Vorfeld des 1. WK gemeint?..
      Ich nehme mal an ‘Ja’, und dazu habe ich folgende Idee/Gedanken/Meinung…..

      Hast du evtl. einen Knackpunkt, auf den Du hinaus wolltest?
      Was ist Dir so wichtig an der Unterscheidung von Vorfeld 1.WK und Vorfeld 2.WK?

      Ueber eine Antwort wuerde ich mich wirklich sehr freuen.

  9. Andreas Säger sagt:

    Für mich stinkt das nach geheimdienstlicher Unterwanderung und Zersetzung. Naturgemäß ist das vorerst nicht zu verifizieren.

  10. neuland sagt:

    In der Tat ist Wikipedia bei einigen Themen und in etlichen Bereichen, insbesondere dort, wo es um die politisch – gesellschaftliche Orientierung und Willensbildung geht, aber auch dort, wo handfeste Firmen- oder Brancheninteressen eine Rolle spielen, zu einem widerlichen Sumpf von Korruption und Lobbyismus abgesunken. Ein weiteres Beispiel für eine geniale Idee, welche einen Aufstieg, einen Höhepunkt und einen Fall erlebt, bevor sie das zeitliche segnet. Glückwunsch an die Totengräber!

  11. Neo Rausch sagt:

    Kafkaesk ist korrekt. Und einige Wikipedia-Benutzer nehmen hier die gesichtslose Rolle verurteilender Richter an. Bekannte Propagandisten im Sinne Kafkas: Jesusfreund alias Kopilot, Phi, MBurch, Itti, Otberg, Feliks

    Man schaue sich allerdings deren öffentlich einsehbaren Beitragsaufzeichnungen an. Dann sieht man, daß es sich hier größtenteils um pathologische Fälle mit allen Symptomen einer schweren Internet-/Onlinesucht handelt. Dokumentierte Onlinezeiten von täglich 16 Stunden inkl. Konflikten, Ausrastern, Beschimpfungen und sonstigen Kennzeichen einer Onlinesucht sind die Regel dieser Wikipedia-Autoren und Administratoren.

    Als Betreiber ist hier eigentlich die Wikimedia gefordert, diesen und anderen einschlägig bekannten Autoren Hilfestellung bei der Suchtbekämpfung zu geben.

    • Realistix sagt:

      Es ist zwar nicht zu beweisen, aber ich vermute mal einen Zusammenhang darin, dass vor nicht allzu langer Zeit die Wikimedia mit der Pleite gerungen hat. Möglicherweise sind die Geldgeber ja nicht so neutral wie sie es sein sollten. Kein Hund beißt die Hand des Herren der Ihn füttert.
      Dies trifft vermutlich auch auf die Administratoren zu, die die oben genannten Akteure in Ihrem tun gewähren lassen. Jedes größere gedruckte Medium, jede Sendeanstalt und jede größere Internetpräsenz die in irgendeiner Weise Meinungsbildend wirken könnte ist mittlerweile nicht mehr frei im Handeln weil sie zu Medienimperien gehören, welche eben die Meinungen durchsetzen die sie für richtig halten! So und jetzt zensiert meinen Beitrag! Wie es fast überall geschieht wo ich was schreiben möchte!

  12. bekir sagt:

    Ein Klick auf die Versionsgeschichte des Wikipedia-Artikels zeigt, dass seit 28.9.15 nichts mehr passiert ist, aber davor ziemlich viel.
    Grund dafür dürfte der neueste Eintrag sein: “Erhöhter Schutzfaktor. Reservat für Admins ([Bearbeiten=Nur Administratoren] (bis 27. Dezember 2015”.

    Frau McCleans Abwehren anonymer Benutzer und deren evtl. Diffamierungen hatte also wohl Erfolg bzw. hat sich jedenfalls vorerst erledigt.

    Die aktuelle Version des Artikels (insbesondere der jetzt recht kurze Abschnitt “Politisches Engagement”) enthält nichts Ehrenrühriges. Denn dass die “taz” zitiert wird mit dem Vorwurf einer vermeintlichen “Ablehnung einer Abgrenzung nach rechts”, ist nicht weiter schlimm: Es ist als wertende Meinung klar erkennbar und vor allem auch hinterfragbar, da die Basis der taz-Meinungsbildung (eine m.E. unverfängliche McClean-Äußerung) zitiert wird.

  13. die Autorin sagt:

    Hinweis:
    Wikipedia nimmt hier ganz klar eine tendenziöse Auswahl von Quellen vor.
    Während die TAZ hier (und auch in anderen Artikeln) wie ein höchstwichtiges Massenmeidum angeführt wird, wurde meine Bitte, einen Link zu einem ZAPP-Interview beim NDR zu setzen, abgeschlagen.
    Mit der Begründung die Internetseiten von ZAPP seien als dauerhafte Quelle nicht akzeptabel.
    Umso mehr erstaunte mich, dass etwa der einzige Web-Link im Wikipedia-Eintrag über Campact-Gründer Chrisoph Bautz, doch direkt zu einem ZAPP-Interview führte.
    Ergo: Wikipedia hat hier klar parteiisch gehandelt. Kritik wird ins Zentrum gestellt, neutrale Darstellung mit fragwürdigen Argumenten unterschlagen.
    Dies nur als Beispiel.

    • Rakorium sagt:

      Vorneweg: Ich habe selbst einen Account bei Wikipedia, bin also einer der dortigen “Benutzer”. Ich bin jetzt schon seit Ende 2013 nicht mehr wirklich aktiv, aber die grundlegenden Probleme, die Sie ansprechen, sind ja nicht neu. Im Gegenteil, ich habe damals vor allem mitgewirkt, indem ich Fragen von Neulingen beantwortet habe (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Fragen_von_Neulingen) und bisweilen Artikel zu Unternehmen, Organisationen, aber auch Ortschaften, usw. von klar wertenden Darstellungen befreit habe. Von daher kommen mir die beschriebenen Geschehnisse aus Ihrem Artikel nicht ganz unbekannt vor. Dazu kommt, dass ich selbst ein sogenannter “Sichter” bin. Mit Administratoren hat das übrigens nichts zu tun, das ist eine andere Benutzergruppe mit anderen Rechten. Ihr Artikel vermischt das leider. Das ist aber nicht so schlimm, das kann mal passieren (siehe 1.)

      Ich war bei der ganzen Sache, über die Sie schreiben, nicht “dabei”. Ich habe nur Ihren Artikel gelesen und ein paar Blick in die Versionsgeschichten des Artikels über Sie und die Versionsgeschichten der dazugehörigen Diskussionsseiten geworfen. Deshalb bin ich weit davon entfernt, “DIE eine Wahrheit” für mich in Anspruch zu nehmen. Ich gebe hier lediglich meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wieder und hoffe, etwas zur “Entspannung des Konflikts” beizutragen.

      1. Die beschreibung der Organisationsstruktur der Wikipedia als “kafkaesk” finde ich erstaunlich treffend. Es gibt tatsächlich sehr viele Meta-Seiten auf denen alles Mögliche organisiert wird – und zu allen Seiten nochmal Diskussionsseiten. (Die Diskussions”freudigkeit” wird auch von manchen Wikipedia-Benutzern auf die Schippe genommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Magadan/Unvorstellbar_%C3%B6de_Diskussionen) Das ist meistens sehr verwirrend, v.a. wenn man sich noch nicht damit beschäftigt hat. Das ging mir zu Beginn ähnlich. Als “Anlaufstelle” kann ich am ehesten die oben verlinkten “Fragen von Neulingen” emfehlen, weil sich dort oft erfahrene Benutzer finden, die besonders verständnisvoll und hilfreich sind.

      2. Das Grundprinzip der Wikipedia ist folgendermaßen gedacht: Alle Fakten, die sich zuverlässig belegen lassen, und die relevant sind werden – neutral formuliert, d.h. nicht wertend – aufgeschrieben. Die Meinungsbildung findet dann _ausschließlich_ beim Leser statt. (Siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Neutraler_Standpunkt)
      Beispiel: Wenn Jutta Ditfurth Sie als antisemitin bezeichnet hat, weil sie die FED kritisiert haben, dann ist das ein Fakt, der sich belegen lässt (auch wenn ich diese “Schlussfolgerung” Dithfurts persönlich für genauso doof halte, wie Sie). Das heißt, in dem Artikel über Sie würde dann bspw. stehen “McClean kritisierte die FED wegen … . Jutta Dithfurt bezeichnete McClean daraufhin als Antisemitin, weil jeder, der die FED kritisierte, in Wahrheit alle Juden meine.” – Natürlich sollten die Aussagen jeweils zuverlässig belegt sein. Somit wird auf eine Meinungsäußerung verwiesen _ohne_ dass sich der Wikipedia-Artikel diese selbst zu eigen macht.
      Ob man Sie dann nun tatsächlich für eine Antisemitin hält oder nicht, kann dann wiederum nur dem Leser selbst überlassen werden. Ob der das dann tut, hängt im Wesentlichen davon ab, ob er sich der Argumentation Dithfurts anschließt oder nicht. Ich persönlich weiß jetzt nicht, mit welchen Aussagen Sie die FED kritisiert haben, aber ich gehe mal davon aus, dass es sich nicht um eine generelle Abwertung des Judentums gehandelt hat. Wichtig ist aber: Ob Sie eine Antisemitin sind oder nicht wird auf Wikipedia selbst dem Prinzip des Neutralen Standpunkts nach gar nicht entschieden, sondern ausschließlich beim Leser. Deshalb stellt “die” Wikipedia Sie (noch) nicht an den Pranger, wenn in dem Artikel über Sie Meinungsäußerungen von Leuten zitiert werden, die das tun. Klar, der Grat zwischen Wiedergabe von abwertenden Äußerungen Anderer und dem Verunglimpfen auf eigene Faust ist schmal. Wenn man aber weiß, wer Jutta Dithfurt ist – was man ja ebenfalls auf Wikipedia nachlesen kann – dann weiß man auch, wie erst man es nehmen darf, wenn diese Frau jemanden als Antisemiten bezeichnet.

      3. Zu Ihrem Kommentar, Wikipedia nähme eine tendenziöse Auswahl an Quellen vor und dem Zitat: “Wikipedia hat hier klar parteiisch gehandelt.”: Ich fürchte, hier handelt es sich um ein Missverständnis, denn “Wikipedia” im Sinne einer kohärent handelnden Organisation, die sich geradezu personifizieren lässt, gibt es nicht. Es gibt nur einen ganzen Haufen Benutzer mit z.T. gravierend unterschiedlichen Ansichten darüber, wie die Richtlinien der Wikipedia im konkreten Fall am besten auszulegen seien. Schauen Sie sich bspw. die Versionsgeschichte des Artikels zu Christoph Bautz an: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christoph_Bautz_%28politischer_Aktivist%29&action=history Hier finde ich auf den ersten Blick keinen Benutzer, der an der Diskussion um Ihren Artikel beteiligt war. Das heißt, die Quellen, die hier ausgewählt wurden, wurden nicht von Wikipedia als Ganzes, sondern von diversen Benutzern ausgewählt. Dementsprechend ist das Handeln “Wikipedias” nicht parteiisch, sondern inkonsequent. Das macht es im Ergebnis nicht besser, aber böse Absichten bestehen in dieser speziellen Hinsicht nicht. Das das alles auf Sie allerdings wie eine gezielte Benachteiligung wirkt kann ich jedoch verstehen. Dieses Missverständnis entsteht leider sehr häufig, weil die Qualität der Wikipedia von einem Artikel zum anderen viel stärker und schneller schwanken kann, als gemeinhin erwartet.
      (Ich habe den Link aus dem Artikel über Bautz übrigens mal entfernt. Der führte “nur” zu einem Youtube-Video, das von irgendwem hochgelanden wurde. Das gilt auf Wikipedia nicht als zuverlässige Quelle, da auf YT letztlich jeder auch jeden beliebigen Fake hochladen kann. Ich hätte den Link gerne durch einen Link auf die “offizielle” Version ersetzt, aber auf NDR.de finde ich zu Christoph Bautz leider gerade nichts).

      4. Ja, der Tonfall in den Diskussionen auf Wikipedia ist – nicht immer, aber leider viel zu oft – unter aller Sau. Viele Benutzer sind leicht reizbar. Insbesondere wenn der Verdacht besteht, jemand wolle seinen eigenen Artikel schönschreiben, reagieren manche schonmal mit ungerechten Vorwürfen. Und dieser Verdacht entsteht quasi automatisch, wenn jemand seinen “eigenen” Wikipedia-Artikel editiert. Dieses Misstrauen beruht leider meist nicht einfach nur auf Böswilligkeit, sondern (auch) auf leidvoller Erfahrung (Beispiel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/wikipedia-das-geschoente-bild-vom-daimler-konzern-a-817802.html) und vor allem: auf Missverständnissen. Und wenn Sie selbst noch in einem Ihrer ersten Diskussionsbeiträge zu Ihrem Artikel der Wikipedia unterstellen, “fest in der Hand einer politischen Splittergruppe” zu sein (https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Katrin_McClean&diff=prev&oldid=144485481) – so kam Ihre Aussage rüber, egal, wie sie gemeint war – dann trägt das leider auch nicht zu einer Entspannung der Diskussion bei.

      5. Was tun, wenn einem selbst so etwas passieren (bzw. erneut passieren) sollte? Ich persönlich würde mich entweder an die oben verlinkten Fragen von Neulingen wenden, oder (am besten zusätzlich) per Mail an das Support-Team (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:E-Mail-Kontakt#Hinweise_f.C3.BCr_erfolgreiche_Anfragen), das mögliche Verletzungen von Persönlichkeitsrechten bearbeitet. Dort dann auf jeden Fall den betroffenen Artikel verlinken und erklären, wie das alles, was da gerade passiert, auf einen selbst wirkt (z.B. “Ich habe den Eindruck, dass mich jemand an den Pranger stellen will. Was kann ich dagegen tun?”). Dann sollte man normalerweise recht schnell Antwort bekommen. Anschließend hält man sich an einen festen Ansprechpartner und bespricht die Sache mit diesem. Dieser Ansprechpartner kann einem dann normalerweise sagen, was man tun kann, um gegen ungerechtfertigte Vorwürfe u.ä. vorzugehen. Wenn man aber keine Erfahrung mit der “kafkaesken Wikipedia-Bürokratie” hat, dann gilt: Bloß nicht auf eigene Faust den Artikel so bearbeiten, wie man glaubt, es wäre richtig. Das führt erfahrungsgemäß eher zu weiteren Problemen (siehe z.B. 4.).

      Uff, das war jetzt ne Menge Text.^^ Ich hoffe, es hilft Ihnen weiter, Frau McClean.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Rakorium

  14. Tom sagt:

    Wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Einfluss und Macht ein Eintrag in Wikipedia hat, wäre es naiv zu meinen, dass Regierungen, Wirtschaftslobbyisten und diverse politische Interessensgruppen nicht alles mögliche unternehmen, um Inhalte zu beeinflussen. Traurig zu lesen, dass man Artikel erst berichtigt bekommt, wenn man die Mißstände öffentlich macht. Andererseits – warum sollte es bei Wikipdia anders sein, als bei Konzernen und Politikern, wo solange alles abgestritten wird, bis man der Wahrheit mittels öffentlichen Druck nicht mehr standhalten kann.

  15. Martin S. sagt:

    Die Frage, die sich mir stellt: was steckt hinter diesen Vorgängen bei Wikipedia?
    Ist es wirklich nur eine Mischung von Leuten, die in der Summe eben dieses Vorgehen hervorbringt?
    Oder ist das ganze gewollt?
    Wenn man sich das mal genauer anschaut, wie Benutzer wie z.B. phi, Otberg oder MBurch (Martin Burch, Schweiz) agieren, dann bekommt man sehr schnell den Eindruck, dass das sehr gut organisierte Gruppen sind, bei denen jeder seine Rolle und Funktion hat. Da gibt es Leute, die machen Meldung, und andere Leute führen 10 Minuten später aus. Alles sehr gut eingespielt, ohne Zweifel und Rückfragen. Da gibt es auch Leute, die arbeiten 8h am Tag an der Wikipedia, und das täglich. Spätestens da dämmert es einem: die machen das hauptberuflich.
    Und mal ehrlich: eine Nation, die Millionen und Milliarden dafür ausgibt, Revolutionen in anderen Ländern anzuzetteln, Guerillas finanziell zu fördern, Könige und Machthaber zu stürzen, um ihre Interessen durchzusetzen: da finde ich es sehr sehr wahrscheinlich, dass man auch in der Wikipedia seine politischen Interessen durchsetzt.

  16. Jan Hanfeld sagt:

    Am 24.09.2015 ist eine Petition gegen Anonymität und Zensur in der Wikipedia gestartet worden, die sich an die Wikimedia Foundation richtet:

    https://www.change.org/p/transparenz-auf-wikipedia-wikitransparenz

  17. Daniel sagt:

    Ich kann dies alles nur bestätigen: paranoide Furcht vor weiteren Autoren, Beleidigungen und Drohungen mit Vandalismusmeldung etc , kuschendes Verhalten von Admins und Mediatoren vor “Wiki-Profis”. Und vor allem: die schönen Wikiregeln, wie man sich verhalten soll und wie nicht, sind keinen Pfifferling wert und nirgends “einklagbar”. Als man , um mich mundtot zu machen, meine Identität preisgab, einer der schlimmsten Verstösse lt. Wikiquette, führte meine Beschwerde im Grunde nur dazu, dass mir der Vorwurf gemacht wurde, es meinen “Kollegen” zu leicht gemacht zu haben.

  18. Bob Roberts sagt:

    Nachfolgend werde ich meine persönlichen Erfahrungen mit der 9/11-Putztruppe auf Wikipedia dokumentieren, die ich ab dem März 2009 als Wikipedia-Novize leidvoll erfahren durfte, als ich es wagte in das Hoheitsgebiet der 9/11 VT-Jäger einzudringen, indem ich versuchte den Wikipedia Artikel zum World Trade Center 7 (WTC 7) zu bearbeiten. Der “Einsturz” dieses Gebäudes, den auch Daniele Ganser in seiner Arbeit thematisierte, wird nicht nur in der Wikipedia sondern auch in zahlreichen Medien als Konstrukt von unseriösen “Verschwörungstheoretikern” abgebildet. Das Gebäude 7 des World Trade Center Komplexes war der Öffentlichkeit lange Zeit kaum bekannt. Der deutsche Wikipedia Artikel entstand beispielsweise erst im Jahr 2008. Während sich die Bilder der einstürzenden Twin Towers mittels medialer Endlosschleifen in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einbrannten, vermieden die Mainstreammedien das Senden von Filmaufnahmen des WTC 7 weitestgehend:

    https://machtelite.wordpress.com/2015/10/28/die-dunkle-seite-der-wikipedia-wie-kopilotjesusfreund-und-co-911-artikel-saeubern/

  19. albibi sagt:

    Es ist doch sehr interessant. Wer sich mit den Themenbereichen

    – Deutungshoheit
    – Friedensbewegung
    – linke Politik

    uä beschäftigt stößt früher oder später immer wieder auf angebliche Aufklärer, Friedensfreunde, Linke, die zwar entsprechendes Gedankengut vor sich her tragen, aber durch ihr Agieren jeden Einfluss aus linken, fortschrittlichen, friedensbewegten Kreisen auf die politische Wirklichkeit demolieren. Ich denke an Spaltungsbemühungen einer Ditfurth oder so genannter Antideutschen, “maoistischer” Kreise, ein Monty Schädel der mutwillig die seit Jahren erste öffentlichkeitswirksame Friedensaktion (Friedenswinter) in den Boden gestampft hat, die Verunglimpfungen der Anti-TTIP-Demo durcch den Spiegel, das Verschweigen zB der Antidrohnen-Demo in Ramstein (das DFG-VK hat dafür nicht!!! geworben, versteh das wer will).
    Das Ganze zeigt einen Komplex bewusster und wahrscheinlich mit viel Geld unterfütterter Einflussnahme durch Kreise an, die verzweifelt am Status Quo festhalten bzw. Veränderung nur in deren Sinne befördern: Zurückdrängung demokratischer Einflussnahme, Einengung des Denkens, Durchsetzten der Finanz- und Konzerninteressen gegen Bürgerinteresse, …, kurz Ausbau des orwellschen Überwachungsapparates, Kontrolle, Entmündigung, Krieg.

    Ein wesentliches Element der Strategie besteht in dem Verwaschen politischer Standpunkte. Nicht die als solche denunzierte linke “Querfrontler” überschreiten die Grenzen sondern die, die eine Querfront ausmachen, wenn linke, bunte, religiös und in der sexuellen Orientierung freie, alle Ethnien umfassende Gruppen wie sie etwa die Mahnwachen für den Frieden zusammen gebracht haben, als neurechts oder nach rechts offen verunglimpfen. Ein Witz angesichts der realen antikonservativen und realen antihierarchischen Erscheinung dieser Bewegung.

    Neben einer gezielten Steuerung durch V-Männer (nein, V-Männer gab es schon immer und gibt es auch heute überall da, wo Bewegungen gesteuert werden sollen, das ist keine Verschwörungsspinnerei!) spielt auch verletzter Eigenstolz bei gewissen Leuten eine Rolle für die es nur Bewegungen mit ihnen vorne daran oder keine Bewegung geben kann. In so einer Kategorie sehe ich die namentlich genannten. Die, die tatsächlich steuern, also ihren Job machen und Geld dafür bekommen stehen sicher nicht im Vordergrund sondern manipulieren solche schwachen Geister.

  20. Sehr guter Artikel,
    uns wurden auch gerade Einträge über einige Bücher im Umfeld des 1.Welkriges Ubootkrieg gelöscht, weil Blockwarte sich als Hobby-Historiker hervortun und hinter kafkaesken Reglen verschanzen. mein Admin heisst Otberg.
    Schade, ich habe bisher nur mit Formalisten zu tun gehabt, was wohl in Ordnung ist, damit nicht jeder Mist unstrukturiert ins Lexikon kommt.
    Da lobe ich mir den alten Herrn Diderot, der gerade NEUE Ideen mit seinem Lexikon streuen und anregen konnte.
    Bin über eine Recherche für einen “bösen Artikel über Wichtigmacher im Wikipedi” eben hierher gekommen.

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