Herrschaftszeiten
Die ideologische Mobilmachung der Republik

Herrschaft und Angst

Geherrscht wird aber auch und vor allem mittels Angst. Aktuell sind hier vor allem zwei wesentliche Aspekte zu betonen. Das ist zum einen die Angst vor sozialem Abstieg, vor Armut und Jobverlust, jene vor sozialer Ausgrenzung und kultureller Exklusion. Diese wird vor allem mittels der Etablierung eines “der besten Niedriglohnsektoren (…), den es in Europa gibt” (Gerhard Schröder) sowie der damit verbundenen Ideologie produziert. Während die Armut im Land zunimmt, wird in den Medien vor dem Hintergrund eines vermeintlichen “Jobwunders” und “Fachkräftemangels” nicht mehr die Armut, sondern werden die Armen selbst skandalisiert. Dabei ist die Zahl derjenigen, die trotz Arbeit in Armut leben, so hoch wie niemals zuvor. Faktisch können inzwischen 13 Millionen Menschen in Deutschland ihren Lebensunterhalt kaum mehr finanzieren.

Die andere Säule der praktizierten “Strategie der Angst” ist die der Produktion von Feindbildern, die mit jener der sozialen Spaltung Hand in Hand geht. Seit inzwischen mehr als einem Jahrzehnt, spätestens jedoch seit 9/11, wird uns “der Islam” als Bedrohung für “unsere Zivilisation” verkauft. Zahlreiche Titelseiten von Illustrierten titelten immer wieder mit xenophoben Aufmachern, die Männer mit Bärten und Frauen mit Kopftüchern als Bedrohung für “unsere westlichen Werte” inszenierten. Und der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin erhielt nicht nur von vornherein eine schier undenkbare Auflage für seine rassistischen und sozialeugenischen Thesen über die Unterwanderung des deutschen Sozialstaates durch lernunfähige, genetisch determiniert dumme und faule Muslime. Er erhielt auch eine durch die Leitmedien massiv befeuerte mediale Aufmerksamkeit, die man einem x-beliebigen linksgerichteten Diskurs nur wünschen kann.

Eine Art offiziellen Auftakt zur weltweiten Islamphobie waren dabei 1990 die Rede und der Aufsatz von Bernard Lewis “The Muslim Rage”, deren Thesen sein Freund und Kollege Samuel Huntington später noch in Buchform unter dem Titel „Kampf der Kulturen“ zur weltweiten Verbreitung verhalf. Dass dies kein zufälliger Zeitpunkt war, wird deutlich, sobald man realisiert, dass nach dem Wegfall des Ost-West-Konflikts in den 1990er Jahren das Feindbild Islam inzwischen das des Kommunismus fast vollständig abgelöst hat. Und zwar mit geopolitischem Impetus, wie beispielsweise Daniele Ganser dies in mehreren Arbeiten mit Blick auf Ressourcen und Ressourcenwege skizziert.

Dass auch dies nicht ohne Steuerung durch die politischen Eliten geschehen ist, machen Untersuchungen des Center for American Progress deutlich, welches die Finanzierung US-amerikanischer Think Tanks untersucht und am Beispiel des in Bezug auf die Nahostpolitik einflussreichen Middle East Forum eines Daniel Pipes nachgewiesen hat: Das Interesse am Nahen Osten ob seiner geostrategischen Bedeutung auf der einen und das Feindbild Islam auf der anderen Seite müssen als zusammengehörend gedacht und verstanden werden. Denn die rassistischen Bilder und Stereotype, die hier erzeugt und anderen als Grundlage ihrer politischen Praxis angedient werden, sind deutlich einseitig und von ganz bestimmten Kreisen finanziert weil gewollt.

Richard Pipes übrigens, der Vater von Daniel, war einst als Direktor des Zentrums für Russische Studien tätig. Das Zentrum analysierte während des Kalten Krieges die strategischen Ziele und Kapazitäten der Sowjetunion für die CIA und war hierbei für den US-amerikanischen Antikommunismus sowie das Feindbild Russland zuständig. Nun ist sein Sohn dies offenbar für das Feindbild Islam. Die Bilder also wechseln, die Strategien hingegen bleiben gleich.

Diese “gemachte” Angst vor Terror auf der einen und der Armut auf der anderen Seite, ist dabei sicher eines der aktuell wichtigsten Mittel für gesellschaftliche, wie politische Spaltung und also Herrschaftssicherung. Denn die medial produzierte Angst verhilft zur Schwächung von Widerstand gegen Armut, Unterdrückung und Ausbeutung.

Den Nachweis, dass Staat und Politik hierbei eine nicht unmaßgebliche Rolle zuteil wird, haben Wolfgang Frindte und Nicole Haußecker mit ihrer äußerst aufwändigen Untersuchung “Inszenierter Terrorismus” vorgelegt: Die beständige Veröffentlichung von Terrorwarnungen seit 9/11 hat nachweislich nicht etwa die Angst vor dem Terror, sondern jene vor Muslimen geschürt, was das offenbar beabsichtigte antimuslimische Ressentiment weiter verschärft hat. Sie hat – in Verbindung mit anderem – inzwischen aber auch zu einer Diskursverschiebung geführt, als deren Wirkung eine Neudefinition der globalen Armen als “Terroristen” zu konstatieren ist. Eine ideologische Manifestation des globalen Klassenkampfes von oben, der völkerrechtswidrige Kriege, Bombardements und Massenmorde den Bevölkerungen der kriegführenden Länder des Nordens nunmehr als “Verteidigung der eigenen Zivilisation” andient und verkauft.

Seite 1: Gedanken über die ideologische Mobilmachung der Republik
Seite 2: Herrschaft und Propaganda
Seite 3: Herrschaft  und Angst
Seite 4: Herrschaft und strategische Einbindung

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31 Kommentare zu "Herrschaftszeiten
Die ideologische Mobilmachung der Republik"

  1. rote_pille sagt:

    “Frauen arbeiten in schlecht bezahlten “Frauenberufen” und Männer machen “Karriere”; Weiße beuten Nicht-Weiße aus; ”
    was für ein haufen ressentiments hier abgesondert wird. frauen arbeiten in “frauen”berufen, weil sie sich freiwillig dafür entscheiden. sie verdienen weniger, weil sie oftmals kürzer arbeiten, um sich – freiwillig- um ihre kinder kümmern zu können. dass sie deren leistung nicht anerkennen wollen und dass bei ihnen nur das geld zählt, ist ihr problem, in familien weiß man ihre arbeit zu schätzen.
    wo beuten weiße nicht-weiße aus? das ist purer rassistischer schwachsinn, den sie hier erzählen.

    • Thomas Küchenmeister sagt:

      Frauen arbeiten in “Frauenberufen” wie Krankenschwester oder Altenpflegerin.

      Warum aber bekommt eine Krankenschwester trotz höherer Verantwortung und körperlich schwererer Arbeit, weniger Geld als ein Fließbandarbeiter bei Daimler ?

      Das ist das eigentliche gesellschaftliche Problem.

      • Illen sagt:

        Das ist in der Tat ein gesellschaftliches Problem, aber der Grund für die niedrigere Bezahlung liegt eben nicht am Geschlecht, sondern an der Struktur westlicher Arbeits”märkte”. An der Stelle die Geschlechterkarte zu ziehen ist grob simplifizierend.

        Ebenso wie die militärische und wirtschaftliche Machtstellung der westlichen Hemisphäre allen Ernstes auf “weiß” gegen “nicht-weiß” herunter zu brechen. Das ist ein zur Zeit häufig zu beobachtender pseudointellektueller Reflex, komplexe Zusammenhänge in ein Rassen-Korsett zu schnüren, und dabei nur selbst rassistisch: denn damit wird ja ein Zusammenhang zwischen der westlichen Machtstellung und der kaukasischen “Rasse” impliziert. Aber auf den ersten Blick hört es sich eben schön selbstkritisch an.

        Der Teil ist mir in dem ansonsten sehr guten Artikel ebenfalls sauer aufgestoßen.

    • Nun, da sie ja hier antworten geh ich mal davon aus, dass sie im Besitz eines Rechners, und/oder Smartphones sind.
      Und hier trifft die Aussage “…weiße beuten nicht-weiße aus…”, vollkommen zu.
      Das Ganze können Sie dann natürlich auf fast alle Industrien umsetzen.
      Und was auch im Kommentar nach mir steht, können Sie das auf die Strukturen des Marktes schieben.
      Aber wer macht denn die Strukturen, wer hat denn zugelassen dass diese Strukturen entstehen können?
      So falsch liegt diese Aussage gar nicht und das hat auch in keiner Weise etwas mit Rassismus zu tun. Es ist einfach eine Tatsache!

    • Illoinen sagt:

      Alleine Ihre unterirdische Wortwahl, zeigt offensichtlich wessen Geistes Kind Sie sind. Das viele Frauen trotz gleicher Arbeit und Stunden weniger verdienen, ist belegt. Und das der “sog. weiße Mann Schwarze ausbeuten, das ist über Jahrhunderte auch belegt, früher nannte man es Sklaven, heute braucht man keine Ketten, um Schwarze und andere Minderheiten auszubeuten.

  2. Joachim sagt:

    Frauen arbeiten nur in ihren Berufen, weil sie sich das ausgesucht haben. OK, dann suche ich mir jetzt aus bei Simens im Vorstand zu arbeiten. Klappt bestimmt.
    Und zu behaupten, dass Frauen nur weiger Gehalt bekommen, weil sie weniger arbeiten stimmt auch nicht. Auch Frauen mit 40Stunden bezahlter Arbeit verdienen weniger als Männer mit der gleichen Arbeitsleistung im Durchschnitt, egal wie gut sie sich um ihre Familie kümmern.
    Und es gibt “Frauenberufe” in denen Männer und Frauen trotz vergleichbarer Arbeitsleistung schlechter bezahlt werden als in “Männerberufen”.
    Augen zu und nur die Mütter belobigen, dass sie ja so toll sind bei der Erziehung der Kinder reicht da nicht um Gerechtigkeit zu schaffen.
    Und dass Weiße Nicht-Weiße ausbeuten ist in dieser rassistischen Welt Fakt und es ist nicht rassistisch dies zu schreiben. Es richtet sich eher gegen den Rassismus. Wo? Ein Beispiel: In Kenia werden die meisten Rosen für Deutschland gezüchtet. Die Arbeiter bekommen dort nicht den Stundenlohn von 8,50EURO (wobei das auch Ausbeutung ist) oder höher, wie er in Deutschland wär, zusätzlich verbraucht diese Rosenzucht viel Wasser, so dass das Wasser zum Trinken für diese Menschen knapp wird. Sie also Flaschenwasser von Nestle und Coca Cola (Eigentümer vorwiegend “Weiß”) kaufen müssen. Und wem gehören diese Gewächshäuser? Großen europäischen und amerikanischen Konzernen (vorwiegend “Weiß”). Also nicht den Kenianern(vorwiegend “Nicht-Weiß”). Weiter geht es in Bangladesch (Textilindustrie), China (apple, etc.)… die größten Konzerne dieser Welt kommen nun mal aus der mehrheitliche “weißen” USA und diese beuten die “Nicht-Weißen” noch viel mehr aus als die “Weißen”

    • Oberham sagt:

      … man kann die Täterrolle weitestgehend vermeiden!
      Einzig das führt in jedem Fall dazu, dass materielle Dinge auf das wirklich lebensnotwendige reduziert werden und man schlicht in die soziale Diaspora flüchtet.

      Die 99% wehren sich nicht, da sie einander nicht vertrauen!
      Das Führungspromille weiß dies zu schätzen, es tut alles, um diesen Zustand zu erhalten.

      Im Schützengraben kauert nicht der Gewinner, dort versammeln sich die Verlierer.
      Die Gewinner betrachten das Spiel, doch leider begreifen sie nicht, welche Chance sie vergeben, vor allem, es kommt der Tag, da wird es keine Gewinner mehr geben.

    • Hugh Waldem sagt:

      Zitat
      Frauen arbeiten nur in ihren Berufen, weil sie sich das ausgesucht haben. OK, dann suche ich mir jetzt aus bei Simens im Vorstand zu arbeiten. Klappt bestimmt.
      /Zitat, ansonsten tl;dr

      Nun, das klappt auch nur für sehr sehr wenige Männer (und für einen Mann der den Firmennamen falsch schreibt bestimmt nicht). Die haben dann aber auch eine Ochsentour von Ausbildung und Berufsaufstieg hinter sich.
      Den Job bekommt man nicht einfach so nur weil man Mann ist. Man muss sich qualifizieren.

      Aber seis drum. Ich habe in meinen Zeiten als Bereichsleiter (nicht bei Siemens) bis zu sechzig, siebzig Stunden die Woche gearbeitet. Meine AssistentInnen nur jeweils 35, 40. Natürlich hatte ich ein weitaus höheres Einkommen. Für a) längere Arbeitszeit, b) erheblich mehr Verantwortung. Dafür hatte ich sowohl eine kaufmännische Ausbildung gemacht und mich dann bis zur Abteilungsleitung hochgearbeitet, als auch VWL(Diplom), BWL und Jura studiert. Auf dem zweiten Bildungsweg mit teilweise mehr als 40 Vorlesungsstunden die Woche plus Vor- und Nachbereitung. Mann/Frau kann weiterkommen, wenn man will. Das ist halt harte Arbeit. Ich habe aber keine Frau getroffen, die das auch auf sich genommen hätte. Auch meine Kommilitoninnen nicht. Die haben dann BWL und/oder Soziologie studiert und saßen später als Personaler fest, wenn sie denn überhaupt beruflich gearbeitet haben. Manche haben sich auch einfach nur einen Mann an der Uni geangelt und dann nicht mal abgeschlossen. Ich hatte nur einen Volksschulabschluss als ich mein Berufsleben begann. Wo bleiben die vielen Frauen mit Abitur? Die es ja erheblich leichter hätten, als ich es hatte.

      • Joachim sagt:

        Entschuldigung, habe Siemens falsch geschrieben.

        Aber der erste Satz war Ironie.

        Ich wollte damit ausdrücken, das man sich seinen Beruf nicht frei auswählen kann.

        • Joachim sagt:

          Habes es wirklich Frauen mit Abitur leichter als Sie?
          Wie oft wurden Sie gefragt, wann sie endlich schwanger werden?
          Wie oft waren Sie schwanger? Wie oft hat ihr Chef gedacht, dass sie schwanger werden könnten? Wie oft hat ihr Chef gedacht, dass sie auf ihr krankes Kind aufpassen müssen? Wie oft haben Sie sich um den Haushalt gekümmert bei 60/70 Stunden Arbeit in der Woche? Ihre Assistentinen mussten sicherlich nach diesen 40 Stunden dann nach Hause und haben dort weitergearbeitet.

          “Ich habe aber keine Frau getroffen, die das auch auf sich genommen hätte.” – Sie haben wohl keine Frau, die das alles mitgemacht hat?

        • Hugh sagt:

          Antwort auf Ihre nächste Bemerkung:
          Ja Frauen mit Abitur hätten es leichter, als ich es hatte. Die stoßen nämlich nicht auf das Vorurteil, das kann er/sie nicht, er hat ja nur Volksschule. Selbst beste Ausbildungsabschlüsse (immerhin 1+) und zehn Jahre Berufserfahrung zählen nämlich ab eine gewissen Hierarchiestufe nicht mehr. Da zählt nur noch ein höherer Bildungsabschluss. Selbst wenn er aus irgendeinem Orchideenfach stammt.

          Außerdem ich habe ja über meine Kommilitoninnen, also auch Frauen die erst spät studiert haben, geschrieben, das haben Sie wohlweislich übersehen. Deren Verhalten passt ja nämlich nicht in Ihre Argumentation. Ich habe den Eindruck von der realen Welt außerhalb der feministischen Ideologie haben Sie nicht viel Ahnung.
          Des weiteren, ich hatte selbst Personalverantwortung. Eine Frage nach Schwangerschaft wäre mir nie über die Lippen gekommen, sie ist nämlich so nicht erlaubt. Mit so was riskiert man (Mann) seinen Job. Sie pauschalieren offenbar einfach, wenn es Ihnen in den Kram passt. Ich habe meinen Haushalt allein geführt, ich bin einer der Männer, die sich nicht anbinden lassen und ihren eigenen Weg gehen. Meine AssistentInnen waren jeweils verheiratet, waren also mit Kindern und Haushalt nicht allein. Wie sie ihr Familienleben organisieren, geht weder mich noch Sie etwas an, das ist schlicht Privatsache. Aber ich weiß natürlich, dass FeministInnen sich da gern einmischen.

        • Markus Markusson sagt:

          @ Hugh Waldem

          Haben Sie ihre Wäsche selber gewaschen, ihren Haushalt selber gemacht usw. oder hat das Ihre Ehefrau bzw. eine bezahlte Haushälterin gemacht?
          Das ist nämlich die Frage, die hinter der unbezahlten Familienarbeit steht, die die meisten Frauen zusätzlich zu ihrer Vollzeitstelle übernehmen.
          Familien”arbeit” muss gemacht werden und meistens machen das eben die Frauen. Pauschal die Frauen dafür beruflich abzustrafen und sie gleichzeitig nur mit Worten zu beLOHNen, ist da schon ein heftiger Schlag unter die Gürtellinie.

          An Sie als Angestellten mit Personalverantwortung hätte ich dann noch eine Frage: wenn sie als Personalverantwortlicher mit Frauen bzw. deren Einstellung oder Beförderung zu tun hatten, haben Sie dann daran gedacht, dass die Frau schwanger werden könnte? Haben Sie überlegt, ob die Frau “noch jung genug” ist, um schwanger zu werden? Das sind nämlich die indirekten, versteckten Diskriminierungsstrategien, die es immernocht gibt.

          Sie schieben alles auf mangelnde Leistungsbereitschaft der Frauen ab, obwohl ihre Vorredner ausdrücklich darauf hingewiesen hatten, dass Frauen bei gleicher Leistung schlechter bezahlt werden. Wenn also die Leistung von Männern und Frauen in bestimmten Berufen gleich ist und die Bezahlung der Frauen trotzdem schlechter ist, dann liegt das an Diskriminierung und nicht an mangelnder Leistungsbereitschaft der Frauen.

          Ein bischen mehr Ehrlichkeit würde ich gerade bei einem, der sich mit viel Fleiß und Mühe hochgearbeitet hat und der immerhin akademische Abschlüsse vorzuweisen hat, durchaus voraussetzen. Es gibt nämlich auch die Theorie, dass nur Angestellte mit semi-kriminellen Instinkten befördert werden, weil diese eben ein größere Handlungsrepertoire aufweisen und daher mehr Profite einfahren.

      • Sorry wenn ich das so plakativ nun formuliere:
        Sie, Herr Hugh Waldem sind bestimmt nicht im Vorstand von Siemens gelandet. Und sie werden es auch nicht! Ich kann Ihnen auch sagen warum:
        Sie haben nämlich etwas geleistet und wissen, was es bedeutet zu arbeiten. Sie würde das was in diesen Etagen abläuft nicht mitmachen.
        Zudem bin ich nicht ihrer Meinung das die Herren in den Vorständen diese Plätze verdient haben weil sie sich nach oben gearbeitet haben. Viel mehr kann man sehr oft in den Vita der Herren sehen, welches Parteibuch von Studienbeginn an vorhanden war, welchen Burschenschaften sie angehören/angehörten und wie sie dann relativ kurzzeitig nach Ende des Studium, oder dann sogar noch nach Ihrer Promotion das , so nenn ich das immer sehr gerne, “Vorstandshopping” begonnen haben.

        • Hugh Waldem sagt:

          Natürlich habe ich so was nicht mitgemacht. Ich hab aus der zweiten Reihe dem Theater genüsslich zugeschaut.

          Allerdings, ich sehe Burschenschaften und auch das “richtige” Parteibuch, tatsächlich als Teil einer zulässigen (bürgerlichen) Aufstiegsstrategie an. Nicht mein Weg, aber warum nicht für andere? Auch netzwerken ist eine Leistung.

          Nur warum ist das etwas, das Sie Männern vorwerfen, wo Frauen doch auch ihre Netzwerke haben? Noch nicht bemerkt? Juristinnen, Journalistinnen, ja, auch Managerinnen, usw. in jeder (Partei)Couleur und Altersgruppe. Die werden sogar vom Bundes-Frauen- und Sonstwasministerium gefördert und von den entsprechenden Landesministerien. Die Burschenschaften nicht.

          Oder shauen Sie mal nach Schleswig-Holsten. Da hat man den besten deutschen Datenschützer geschasst, weil er ein Mann ist. Und durch eine Frau (grünes Parteibuch) ersetzt, der die wichtigste Voraussetzung für den Job fehlt, das Jurastudium. Da laufen den Anwälten von Facebook, Apple, Google und Microsoft schon jetzt die Freudentränen übers Gesicht.

          Sicher bin ich nicht bei Siemens gelandet, allerdings habe ich mich dort auch nie beworben. Ich hätte nie für Firmen gearbeitet, die irgendwie in Rüstung involviert waren.
          Es gibt etliche Firmen, die Hände ringend Frauen suchen. Bekommen aber keine. Zu wenige Frauen die Ingenieur studiert haben, zu wenige, die VWL studiert haben, aber jede Menge die BWL studieren, die landen dann in der Buchhaltung oder werden Personaler und meckern, weil ihre Jobs so schlecht bezahlt werden.
          Oder es ist zuviel Arbeit oder oder. Aber als Bereichsleiter hat man nun mal keine fünfunddreißig Stundenwoche. Wer aufsteigen, einen befriedigenden Job haben und gutes Geld verdienen will, muss ob mit Protektion oder ohne immer hart (auch an sich) arbeiten.

  3. Oberham sagt:

    Lest das Fromm-Zitat – es sollte genügen!

  4. Zu der vieldiskutierten These von den schlechtbezahlten “Frauenberufen” bzw. Frauendiskriminierung gibt es auf le Bohémien bereits einige Artikel, die eine andere Ansicht als die des Autors vertreten. U.a. dieser hier: https://le-bohemien.net/2014/10/18/frauenquote-das-subventionierte-geschlecht/

  5. Reyes Carrillo sagt:

    Lieber Herr Wernicke,

    Ihrem fulminanten Artikel ist im Großen und Ganzen selbstverständlich zuzustimmen – oder: wer wollte da grundlegend widersprechen? Dafür, dass die Variationsmöglichkeiten, ein existenzielles gesellschaftspolitisches Thema (wie etwa das der Herrschaftsfrage in seiner gegenwärtigen Abbildung) innerhalb des „linken Diskurses“ gänzlich neu zu beleuchten natürlich begrenzt sind, kann Ihnen niemand zum Vorwurf machen. Dass Sie aber so gut wie ausnahmslos die Essenzen der von Ihnen in letzter Zeit interviewten Zeitzeugen aus Politik, Journalistik und Wissenschaft in Ihrem Artikel verbraten, ist ärgerlich. Mit entsprechendem Aufwand ließe sich geradezu jede Passage Ihres Artikels den entsprechenden Aussagen Ihrer Interviewpartner zuordnen. Aber wie schon gesagt: Auch Sie können freilich aus dem bisherigen Erkenntnispool nur wiederkäuen. Und sicherlich ist es auch eine gute Tat für sich allein, die an Sie über Ihre Interviewpartner weitergereichten Erkenntnisse so komprimiert und zueinander passend zusammengefasst zu haben. Von einem Artikel Ihres offensichtlichen Eigenanspruchs erwarte ich dann allerdings doch etwas mehr eigene intellektuelle Leistung als ich diese hier erkennen könnte. Nichts für ungut – Ihre Interviews jedenfalls sind in der Regel sehr lesenswert.

  6. Anette Kaiser sagt:

    Du wirst mit Begriffen wie Xenophobie und Islamophobie um dich und weisst nicht, was sie bedeuten. Schlag mal Phobie nach. Kritik am Islam ist keine Phobie, sondern wegen den Verbrechen der Gläubigen berechtigt. Les mal http://www.oqgc.com/veroeffentlichungen/download/Wir_Menschen-OQGC.pdf, da wird mit vielen Missverständnissen aufgeräumt.

  7. Den Gedankengängen des Autors ist in vielem zuzustimmen. Allerdings erscheint mir die Ableitung warum denn die Gedanken der Herrschenden auch die in einer Gesellschaft herrschenden Gedanken sind, nicht präzise und klar genug zu sein.

    Der Artikel hebt – anhand eines Zitats eines Psychoanalytikers – zu Beginn hervor, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit durchaus nicht dem entspricht, was der einzelne Mensch unmittelbar und ohne tiefere Abstraktion sehen kann, was sich für ihn also aus einer nur sinnfälligen Betrachtung seiner Welt ergibt. Der Autor ergänzt: “Wo wir in den sozialen Verhältnissen, die uns umgeben, zu leben und überleben versuchen … [sind wir auch] … immer und allesamt Täter und Opfer zugleich”. Der Autor deutet somit an, dass die Frage der Befreiung aus diesem ideologischen System nur möglich ist, wenn wir eben diese unsere Köpfe beherrschenden (ökonomischen) Basisstrukturen verstehen und sie verändern (Seite 1).

    Doch in den näheren Ausführungen, warum denn diese Ideologie, warum denn diese Gedanken der Herrschenden, oder genauer: diese Gedanken, die sich aus dieser ökonomischen Basisstruktur ihrer Herrschaft ergeben, auch die herrschenden Gedanken in einer Gesellschaft sind, wird dann fast nur auf das subjektive Element, auf das Element entsprechender Ideologieschulen, auf das Element aktiver Manipulation verwiesen. So bleibt aber die ursprüngliche Manipulation, die sich also von ganz allein, allein schon durch die Art und Weise unserer Ökonomie ergibt, und die dem einzelnen Menschen bei einer nur sinnfälligen Betrachtung verborgen bleibt, die sich also auch ohne Ideologieschulen, Netzwerke, Medien und andere Instrumente aktiver Manipulation auf unsere Gehirne legt, und zwar sowohl auf die Gehirne der Herrschenden, wie auch auf die der Beherrschten, weitgehend außen vor.

    Natürlich gibt es dieses Element aktiver Manipulation und es gewinnt immer dann an Bedeutung je schärfer gesellschaftliche Krisen aufbrechen. Aber wirksam kann es doch nur sein, weil auch schon in dem, was die Menschen in einer solchen Gesellschaft überhaupt und von allein in der Lage sind sinnfällig zu denken, dieses Fundament repressiver Ideologien bereits tief verwurzelt ist.

    Die Antwort, wie es uns gelingen kann trotzdem aus diesem geistigen Gefängnis heraus zu kommen, auf dem ja auch alle Rechts- und Moralvorstellungen, alle Selbsttäuschungen und alle Freiheitsillusionen basieren, ist dem entsprechend in diesem Artikel auch nur schwer zu finden. Sie ist zu finden. Aber nur wenn man zwei mal drauf schaut.

    In den kapitalistischen Gesellschaften verschärfen sich gegenwärtig die sozialen Widersprüche enorm. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Immer mehr Menschen werden ausgegrenzt. Das Wort „Krieg“ wird zum Alltäglichen. Und trotzdem übernehmen auch diejenigen, welche von diesen Entwicklungen in ihrer Existenz unmittelbar bedroht sind, die Sichtweise der Herrschenden, der herrschenden Ideologien. Ja sie übernehmen sogar, wie der Autor am Beispiel von Pegida zeigt, auch Repressionsideologien.

    Eine Ideologie bezeichnet ein Weltbild, ein Erklärungsmuster von der Wirklichkeit, das keineswegs der Wahrheit entsprechen muss, was aber gut genug dafür sein muss, das eigenes Leben, die eigene Praxis, so zu erklären, dass das Leben in dieser Gesellschaft weiter möglich ist, ohne gleichzeitig dem Wahnsinn zu verfallen. Die im Kapitalismus herrschende Ideologie, die den Warencharakter in den sozialen Beziehungen übernimmt (auch darauf verweist der Autor), wird spontan und unreflektiert auch durch die Beherrschten übernommen.

    Der Autor geht in die richtige Richtung wenn er betont, dass die sozialen Widerspruche, dass die “Klassen”widersprüche, auch die Angst der Menschen vor sozialen Abstieg, zum Motor spontaner Rebellionen wird. Aber dieser Motor wirkt, ohne dass die Rebellierenden diesen Motor verstehen, ja ohne dass sie ihn überhaupt erkennen, weshalb der Autor richtiger Weise auch schlussfolgert, dass es gerade jetzt notwendig sei, “Sozial-, Rassismus- und Kapitalismuskritik” voranzutreiben. Doch genau an dieser zentralen Stelle, wo also Ideologiekritik ins Fundament der Herrschaft greifen könnte, bricht der Artikel ab und lässt den Lesenden mit seinen weiteren Gedanken weitgehend allein.

    So aber ergibt sich für den Lesenden ein großer Widerspruch, denn während am Anfang und am Ende des Artikel durchaus die Hebel benannt werden, ist alles zwischendrin und damit 70 Prozent des Textes, nur der Hinweis auf die aktive erweiterte Manipulation durch gesteuerte Medien etc. pp.. Mit denen gilt es sich wehrhaft auseinander zu setzen. Das ist zweifellos richtig. So wie es auch richtig ist, sich gegen die Spaltung der Beherrschten durch die Herrschenden zu wehren. Aber das dafür erforderliche inhaltliche Fundament, also um nicht nur die erweiterte, sich aus der Struktur unserer Gesellschaft stets reproduzierende Manipulation in Frage zu stellen, sondern eben auch die ursprüngliche Manipulation, die unmittelbar in der gegebenen ökonomische Basisstruktur wurzelt, bleibt so für viele Lesende nur schwer erkennbar.

    Doch nur mit diesem Fundament, das ja der Autor durchaus benennt (“Sozial-, Rassismus- und Kapitalismuskritik”), könnte sich ein einigendes und wirklich tragfähiges Element für die unterschiedlichsten Protestgruppen ergeben, um nicht nur die Spaltung, sondern auch die Herrschaft selbst in Frage zu stellen.

  8. Schrödingers Katze sagt:

    90% sind unerklärlicher Weise der kommunistischen Idee verfallen.

    Nein, es gibt keine Gerechtigkeit auf der Welt. Wer früher stirbt ist nun mal länger tot.

    Macht euch mal einen schönen Tag, anstatt den Krebs, die Syphilis und den Fusspilz gerecht verteilen zu wollen.

  9. Wenn dem aber so ist: Wieso wehren sich die 99 Prozent dann so selten? Welche Techniken wendet Herrschaft an, um sich gegen Kritik zu immunisieren und vor Angriffen zu schützen?

    In den ausgebeuteten Barabarengebieten wendet die Herrschaft Gewalt an… all zu oft mörderische Gewalt…. Zuweilen kommen da auch noch Auswärtige und helfen mit Bombenteppichen und Ähnlichem nach.

    In den von den Barbarengebieten profitierenden Weltregionen.. sprich erste Welt, geht es den 99% einfach zu gut, um überhaupt an einen Widerstand gegen die Herrschaft zu denken.

    Was ist daran so schwierig zu verstehen.? Volle Bäuche sind nicht besonders kämpferisch.

    • QuestionMark sagt:

      Den Menschen im Westen geht es nicht wirklich gut. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und die Lebensperspektiven sind schlecht.
      In der Dritten Welt beispielsweise können die Menschen in Slums und Baracken hausen. In der westlichen Welt wird das einem Menschen noch nicht mal ermöglicht. Der Besitzlose wird hier gnadenlos vom Unrechtsstaat gejagt. Wehe dem, der kein Obdach hat.

      Aber warum machen das alle mit? Ganz einfach: Die Aufwiegler hat man schon in der Vergangenheit “erledigt”. Spätestens im Nationalsozialismus wurden die verbliebenen Andersdenkenden beseitigt. Übrig geblieben ist der überangepasste konformistische Obrigkeitsarschkriecher. Der Auswurf der Gesellschaft ist übrig geblieben. Durch Erziehung und Prägung im Elternhaus werden auch deren Kinder in der Regel nicht anders. Die internalisierte strukturelle Gewalt wird bei denen auf sich selbst und auf andere ausgeübt.

      Diese Leute begeben sich beispielsweise gerade auch auf Hetzjagd (auch im Internet) auf Andersdenkende. Zensur und Meinungsterror sind wieder an der Tagesordnung. Politische Verfolgung gehört zum Tagesgeschäft. Gejagt werden all die, die es wagen sich dem Mainstream zu widersetzen.
      Die Faschisten sind (wie vorhergesagt) zurück. Diesmal im Gewand der Demokraten.

      Fazit: Die Besten sind gefallen. Es ist nur noch der Schrott übrig. Ich nehmen hier mal explizit einen Teil der Ostdeutschen von diesem Urteil aus. Dort gibt es offensichtlich noch Widerstandsansätze.

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