In eigener Sache

Eine Internetpublikation für den politischen Diskurs

Ihre Frage lautet, warum ich so an Politik interessiert bin? Am liebsten würde ich mit einer Gegenfrage antworten: Warum sollte ich nicht? Mit welcher Blindheit, welcher Taubheit, welcher engstirnigen Ideologie müsste ich geschlagen sein, um mich vom Interesse für das alles entscheidende Thema unserer Existenz abzuhalten? (Foucault zu Elders, in The Basic Concerns of Mankind, 1974.)

Deutschland verfügt im weltweiten Vergleich noch über eine vergleichsweise vielfältige Medienkultur. Dennoch kann ein struktureller Niedergang des investigativen Qualitätsjournalismus in den klassischen Medien beobachtet werden. Viele Themen werden nur noch oberflächlich abgearbeitet.

Besonders bei sehr präsenten Themenkomplexen werden die eigentlichen Hintergründe oft nicht weiter erörtert. Aktualität zählt mehr als Tiefe. Bilderserien und hastig umformulierte Agenturmeldungen sind im schnellen, von Zeit- und Gelddruck geplagten Journalismus-Geschäft zudem einfacher zu erstellen als fundierte Analysen.

Hinzu kommt, dass – auch in Deutschland – vor allem ökonomisch motivierte Interessensgruppen versuchen, die Meinungsbildung zu beeinflussen, wo es nur möglich ist. Im Bereich der Medienberichterstattung sind Produkte von PR-Beratern und klassischer Journalismus oft kaum mehr voneinander zu unterscheiden. Wir verstehen dies als eine Krise der politischen und demokratischen Kultur.

“Nach Angaben des Leipziger Journalismus-Professors Michael Haller stehen in Deutschland 30.000 Politik- und Wirtschaftsjournalisten 15.000 bis 18.000 PR-Leute gegenüber. In den USA hat sich das Verhältnis schon zugunsten der PR-Branche umgekehrt. Dort beruhen mittlerweile mindestens 40 Prozent der Informationen in einer Tageszeitung nicht mehr auf eigener Recherche, sondern gehen zurück auf mediengerecht aufbereitete Informationen, auf Erklärungen, Pressemeldungen und Anzeigen von Anbietern, die Eigeninteressen mit diesem Material verfolgen. Die Produkte (…) diffundieren auf diese Weise langsam in die seriösen Medien, Slogans, Sichtweisen und Vergleichsrechnungen werden übernommen, weil sie mediengerecht und zur Hand sind.” – Aus der Studie: “Die politischen Strategien der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Die Personen, die hinter le bohémien stehen, zogen aus dieser Schieflage der Berichterstattung ihre eigenen Konsequenzen. le bohémien, im Januar 2009 ins Leben gerufen, steht für aktive mediale Teilhabe und sieht sich als Forum für den politischen Diskurs. Um diesem Anspruch langfristig gerecht werden zu können, folgt unsere Arbeit stets den im l-b-Kodex formulierten Regeln.

>> Siehe auch:

Warum das Projekt “le bohémien”? Eine Rezension zu Régis Debrays Buch „I.F. – Suite et Fin“ zum Einstieg

An le bohémien beteiligen